Weihnachtliches Chorkonzert von „canticum novum“
Eine fabelhaft rufende Stimme

Münster -

Top-Chor plus Top-Chorleiter gleich Top-Konzert!

Montag, 17.12.2018, 16:38 Uhr
Der Kammerchor „canticum novum“ unter Leitung von Michael Schmutte präsentierte sein Konzert „Eine rufende Stimme“. Foto: Moseler

Renaissance und Moderne scheinen sich selten näher als in der Reflexion des Glaubens – und seiner immerwährenden Gefährdung. Indem das Konzert „Eine rufende Stimme“ des Kammerchors „ canticum novum“ unter Michael Schmutte in der Herz-Jesu-Kirche Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit Musik (fast) unmittelbarer Gegenwart kombinierte, zog ein musikalischer Gestus durchs Programm, der intakte Religiosität zur Disposition stellte.

Andreas Hammerschmidts sechsstimmige Weihnachtsmotette „Das Wort ward Fleisch“ führte inmitten eines standbildhaften „Alleluja“-Jubels in ernste Gefilde, während Imitation, Echos und kompakten wie fragilen Chorklängen der Motette „Ich bin eine rufende Stimme“ von Heinrich Schütz auch die leidgeprüfte Existenz in katastrophischen Zeiten widerzuhallen schien. Dagegen klang Giaches de Werts „Gaudete in Domino“ kurz und „schmerzlos“, stieg der Sopran himmelwärts. Intonation, Stimmführung und austarierter Mischklang des Chores überzeugten in einer Musik, die sich vom Kategorischen löste und derart Großzügigkeit des freien Glaubens suggerierte.

Hans Leo Hasslers „Vervum caro factum est“ und Tomás Luis da Vittorias „O magnum mysterium“ glichen Anrufungen, die konzentrierte wie schwebende Musik realisierte der Chor mit klarer und flüssiger Diktion. Das anschließende, 2013 komponierte „Magnificat“ von Ēriks Ešenvalds macht mit seiner ausführlichen Textvorlage kurzen Prozess, reflektiert aber im Grundton unüberhörbar retrospektive Tendenzen. Nur relativ zahme Dissonanzen und einige abtrünnige Stimmkreuzungen mischen sich in einer vagen Tonalität, die der Chor fabelhaft sicher realisierte.

Zwei kürzere Stücke für Orgel, Bachs „Nun komm der Heiden Heiland“ und den Mittelsatz „Adagio espressivo“ aus Rheinbergers 2. Orgelsonate op.65, sorgfältig gespielt von Felicitas Gerwin, rückte strenge und emotionale Gewissheiten in den Blick, bevor Per Nørgårds „Winter hymn“ großflächige Tableaus entfaltete, deren subtile Dramatik fast unmerklich aus tonalen Spuren glitt, Stimmen unter sie hindurch tauchten, giftige Klangmixturen durch Stimmlagen wanderten – und sich in schönste(r) Harmonie auflösten. Der Sopran stieg hier wie in Morten Lauridsens modischem „O magnum mysterium“ auf in hymnische Astralhöhen, Alt-, Tenor- und Bassstimmen besaßen souverän kontrollierte Geschmeidigkeit. Franz Biebls abschließendes „Ave Maria“ offenbarte sich unverstellt sinnlich – Glauben jenseits gelehrter Frömmelei – hinreißend gesungen. Top-Chor plus Top-Chorleiter gleich Top-Konzert!

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