Premiere von „Anna Karenina“ nach Leo Tolstoi
Gerede im Chronistendorf

münster -

Als sich Max Claessen unlängst durch Leo Tolstois über tausendseitigen Roman „Anna Karenina“ gearbeitet hat, ist ihm eines sehr deutlich geworden: „Die Erwartungshaltung an die Titelfigur ist eine ungeheure.“ Doch er hat dank der Dramatisierung von Armin Petras einen Weg gefunden, den Stoff auf die Bühne zu bringen. Wie – das verrät er im Gespräch.

Mittwoch, 09.01.2019, 17:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2019, 18:50 Uhr
Ilka Meier hat diese bunte Bühne für die „Anna Karenina“-Inszenierung geschaffen. Foto: Oliver Berg

Als sich Max Claessen unlängst durch Leo Tolstois über tausendseitigen Roman „Anna Karenina“ gearbeitet hat, ist ihm eines sehr deutlich geworden: „Die Erwartungshaltung an die Titelfigur ist eine ungeheure“, sagt der Regisseur, der die Geschichte vom Grafen Wronski und der verheirateten Buchheldin, die sich am Bahnsteig schicksalhaft ineinander verlieben, für das Theater Münster inszeniert. Nach dem Roman von Tolstoi, aber in einer Dramatisierung von Armin Petras – den Max Claessen schwärmerisch einen „romantischen Punker“ nennt.

Der Roman „Anna Karenina“ entstand zwischen den Jahren 1873 bis 1877 und wurde schon häufiger für das Theater adaptiert. Auch für Max Claessen liegt die Modernität des Stückes in der Zerrissenheit der Figuren im unauflöslichen und existenziellen Konflikt zwischen persönlichem Glücksstreben einerseits und der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft andererseits.

Was Max Claessen, der zuletzt „Je suis Fassbinder“ von Falk Richter in Münster inszenierte, an der Fassung von Petras gefällt? „Dass es ihm gelingt, den Roman in eine spielbare Form zu bringen und das Wesentliche zu erzählen.“ Petras tue dies, ohne dabei Tolstoi oder dessen Romanfiguren zu verraten – obwohl er dessen üppige Gesellschaftspanorama auf die Liebesgeschichte zwischen Wronski und Anna Karenina verdichtet. „Im Roman“, schildert Claessen, „tritt sie spät auf und stirbt früh. Sie hat dort nicht das letzte Wort.“

In seiner Inszenierung, schildert Max Claessen geht es zentral um die Frage, warum sich die Titelfigur umbringt, wird hinter die Fassade von Fröhlichkeit, Reichtum und Verliebheit geschaut. Claessen übernimmt die moderne Erzählweise von Petras. Er verspricht Erzähltheater, das die Figuren ins Heute holt, gleichwohl aber die gesellschaftlichen Konventionen aus dem Roman sichtbar macht. Die Titelheldin gerät dabei zu einer Art Projektionsfläche – „sie muss für Vieles herhalten“, verrät Claessen.

Er bedient sich auch eines Kniffs: Staffierte schon Tol-stoi seinen Roman mit viel dienendem Personal für die bessere Gesellschaft aus, so übernimmt Claessen dies für die Bühne. „Wir spielen in sichtbaren Kulissen, die von Dienern in die Form gebracht werden.“ In diesem „Chronistendorf“ werde zudem oftmals in der dritten Person über andere geredet. Die Gesellschaft nennt Max Claessen den „Verknüpfungspunkt“ zu heute – „ohne, dass wir den moralischen Zeigefinger heben“.

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Die Premiere von „Anna Karenina“ am Freitag (11. Januar) um 19.30 Uhr im Kleinen Haus, Neubrückenstraße 63, ist weitgehend ausverkauft, eventuell gibt es Restkarten an der Theaterkasse, ' 59 09 100, oder im Internet. Die nächsten Aufführungstermine: 19., 23., 26. und 31. Januar.   | www.theater-muenster.com

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