Tanzabend „Nice to meet you?“ im Kleinen Haus gefeiert
Wilder Reigen aus Nähe und Distanz

Münster -

Eigentlich ist es schön, sich zu begegnen. Der Tanzabend von Tiago Manquinho indes setzt im Titel ein wichtiges Fragezeichen: „Nice to meet you?“ Die Premiere im Kleinen Haus wurde bejubelt.

Freitag, 24.05.2019, 15:16 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 18:36 Uhr
Wer ist fremd? Wer gehört zur Gruppe? Der Tanzabend von Tiago Manquinho findet viele ausdrucksstarke Bilder zu Nähe und Distanz, Begrüßung und Ablehnung, Vertrautheit und Fremdheit. Foto: OLIVER BERG

„Nice to meet you“ – das ist eine fröhliche Begrüßungsfloskel. Sie klingt nach unbekümmerter Zugewandtheit, die das Gegenüber wie eine positive Überraschung wahrnimmt. Wie ein verbaler Handschlag. Kein Wunder, dass einige der Tänzerinnen die Besucher bereits am Eingang zum Kleinen Haus erwarteten, jeden freundlich musternd. Der Tanzabend von Tiago Manquinho indes, der am Donnerstag bejubelt wurde, setzt im Titel ein wichtiges Fragezeichen: „Nice to meet you?“

Dieses Fragezeigen wird während der 70 Tanz-Minuten zur großen Glocke, die jede menschliche Interaktion dröhnend umwölkt. Und der „verbale Handschlag“ mutiert fast zum Handkantenschlag. Denn Hände sind es, die man während der ersten Szene sieht: Hände über Hände, die pantomimisch unsichtbare Wände abtasten, wie um sich zu versichern, dass diese existieren. Hände, die sich nicht freundschaftlich berühren, sondern das eigene Gesicht abschotten, das tanzende Gegenüber auf Distanz halten.

Die ganze Choreografie – vor zwei Jahren von Manquinho mit dem Ensemble des Staatstheaters Braunschweig erarbeitet – ist ein wilder Reigen von Nähe und Distanz. Auch dem Publikum gegenüber. Die zwölf Tänzerinnen und Tänzer erheben sich teils aus den Sitzreihen, wie etwa jene Solistin, die ihre wilden Locken zur Musik schüttelt – um später vom Ensemble über Stühle des Publikums hinweg „zu Grabe“ getragen zu werden. Was ihr passiert ist, weiß man nicht.

Überhaupt ist die Choreografie angenehm vieldeutig, setzt auf starke körperliche Gesten statt auf eindeutigen Symbolismus. Wer ist fremd, und wer gehört zur Gruppe? Das ist bei all dem aggressiv wuselnden Individualismus schwer auszumachen. Manche Paare finden sich wie von selbst; ein anderes Mal wird ein einsamer Wolf von einer neugierigen „Wölfin“ kontaktiert und im quasi-erotischen Clinch von seiner Einsamkeit erlöst.

Die Musik aber kündet nie von Erlösung, sondern setzt ganz auf Verfremdung und Verunsicherung. Auf elek­tronisch dräuendem Fundament erklingen Splitter von Irish Folk, Kirchenchor oder Ethno-Pop. Die Verunsicherung ist gewollt – bis zum Ende, wenn die schützenden Abwehr-Hände endlich doch nach einander greifen. Nice to meet you!

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Die nächstem Termine im Kleinen Haus: 29. Mai, 7., 14. und 21. Juni

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