Künstler zu Gast im Landesmuseum
Sean Scully lockt mehr als 400 Kunstfreunde an

Münster -

Der international renommierte Künstler Sean Scully war am Donnerstagabend im Landesmuseum zu Gast. Dort sind zurzeit mehr als 100 Werke von Scully zu sehen. Der Andrang war groß, mehr als 400 Kunstfreunde verfolgten seine kenntnisreichen Ausführungen.

Freitag, 23.08.2019, 19:12 Uhr aktualisiert: 23.08.2019, 19:20 Uhr
Großer Andrang am Donnerstagabend im LWL-Museum am Domplatz: Mehr als 400 Kunstinteressierte verfolgten den Vortrag des Künstlers Sean Scully. Foto: Oliver Werner

Mit ein paar Dutzend Besuchern hat das LWL-Museum für Kunst und Kultur gerechnet – es sind ja noch Ferien. Tatsächlich wollen am Donnerstagabend mehr als 400 Kunstinteressierte Sean Scully sehen, von dem noch bis zum 8. September mehr als 100 Werke am Domplatz zu sehen sind. Der international renommierte Künstler ist begeistert, schickt einen Handkuss ins Publikum – und macht ein Erinnerungsfoto mit seinem Smartphone.

In dem mit der stellvertretenden Museumsleiterin Dr. Tanja Pirsig-Marshall auf Englisch geführten Gespräch gibt Scully knapp eineinhalb Stunden hintergründige, kurzweilige, teilweise auch unterhaltsame Einblicke in sein künstlerisches Schaffen, dessen Anfänge in die 1960er Jahre zurückreichen. Er hätte damals gerne an einer der renommierten Kunsthochschulen in London studiert – „aber die wollten mich nicht, vielleicht war ich denen zu rough“, sagt Scully.

Van Gogh und Matisse bezeichnet er als seine Vorbilder. „Das kann ich auch“, habe er sich gedacht, als er ihre Werke sah. Anders Picasso: „Der hat mir Angst gemacht.“

Scully berichtet von Nächten, in denen er bis zum Morgen durchgemalt hat. Die besten Bilder seien jene, die er später nicht noch einmal überarbeitet hat. Aus wie vielen Schichten seine Bilder bestehen, sei er einmal gefragt worden. „Vier“, habe er geantwortet. Gegenfrage: „Immer?“ – „Nein, aber Sie wollten doch eine Zahl hören.“

Scully berichtet von seiner Liebe zur Natur und seiner Leidenschaft für die Brücken im britischen Newcastle, die er oft fotografiert hat. Er erzählt, dass er beim Malen immer Musik hört, am liebsten Folk. Mit der britischen Malerei geht er hart ins Gericht – bis heute habe sie sich nicht davon erholt, dass sie in dem technokratischen Land immer wieder unter Beschuss genommen worden sei.

Und Amerika? „Das hat Europa nach dem Zweiten Weltkrieg die Kunst weggenommen“, sagt Scully mit Blick auf den Abstrakten Expressionismus. Als er zum ersten Mal in die USA kam, habe er festgestellt, dass die Einschätzung „Zu europäisch“ das schlimmste war, was einem Kunstwerk passieren konnte. Zumindest damals.

Schließlich hätten die USA die Kunst mit dem Minimalismus „gekillt“. Dessen Werke sähen doch wie dänische Möbel aus, kritisiert der gebürtige Ire, der heute in New York und Bayern lebt. „Man muss sich beim Minimalismus über nichts Gedanken machen, warum auch, es passiert ja nichts.“

Die Entwicklung der Kunst fasst Scully so zusammen: „Erst entfernte man die Engel, dann die Personen, dann die Farben.“ Ergebnis: schwarze Quadrate an den Museumswänden.

Personen findet man in seinen Werken eher selten, Farben umso mehr. Doch Vorsicht: „Ich male meine Bilder nicht, weil sie gut aussehen – sondern weil sie eine Bedeutung haben“, stellt Scully klar.

Am 8. September endet seine Ausstellung in Münster. Er hätte so gerne seine Skulptur am Domplatz-Eingang mit Schnee darauf gesehen, sagt Scully. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold hat eine gute Nachricht für ihn: Die Skulptur wird bis zum Jahresende in Münster bleiben. „Vielleicht schauen Sie ja bis dahin noch einmal vorbei“, sagt Arnhold, für den die große Besucherzahl an diesem Donnerstagabend ein Beleg ist, wie sehr Scully mit seiner Ausstellung im Landesmuseum die Menschen bewegt hat.

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