Haltepunkt Amelsbüren
Der Bus fährt stets vor der Nase weg

Münster-Amelsbüren -

Rund um den Bahn-Haltepunkt Amelsbüren greift nicht jedes Rad ins andere. Zum Beispiel vom Übergang von der Bahn in den Bus.

Dienstag, 11.12.2018, 20:45 Uhr aktualisiert: 12.12.2018, 09:20 Uhr
Auf dem Bahnsteig in Amelsbüren: Ein Metallgitter soll verhindern, dass das Display der elektronischen Fahrplananzeige ständig zerkratzt wird. Foto: gro

In der Nacht hat es Bodenfrost gegeben. Einigen Autos, deren Scheiben im Licht der Morgensonne glitzern, ist die Kälte der Nacht noch anzumerken. Vorsicht ist angebracht direkt in dem Bereich vor dem Aufgang zu den Bahngleisen. Die Straße ist tückisch glatt. Der Stadtbus der Linie 1 steht seit einigen Minuten an der Buswende. Der Fahrer schaut auf die Uhr. Es ist gleich 9.40 Uhr.

Oben fährt die RB 50 aus Münster ein. Dieses Mal pünktlich auf die Minute um 9.40 Uhr. Ebenso pünktlich fährt der Linienbus ab. Die beiden jungen Männer, die aus dem Zug ausgestiegen sind, bekommen die Rückleuchten nicht einmal zu sehen. Ihr Auto steht auf dem Parkplatz, sie sind nicht auf den Bus angewiesen . . .

Problem ist bekannt

„Das Problem ist den Stadtwerken bekannt“, sagt Hermann Weber, der in seiner Eigenschaft als Kulturvereinsvorsitzender sich wiederholt mit dem Haltepunkt Amelsbüren befasst hat. Es komme mehrfach am Tag vor, sagt er.

Bis vor wenigen Monaten, als die Pater-Kolbe-Straße noch nicht für die Linienbusse gesperrt war, hatten die Fahrer stets so lange gewartet, bis die Bahnreisenden – bei Bedarf – auf den Bus umgestiegen waren. Doch seitdem die Busse über den Dornbusch fahren müssen, sei dafür keine Zeit mehr. Der Fahrplan erfordert Pünktlichkeit.

Fehlende Abstimmung

Wer mit Hermann Weber am Amelsbürener Haltepunkt unterwegs ist, wird schnell aufmerksam auf all die Stellen, an denen „nicht ein Rädchen ins andere greift“. Fünf Zuständigkeiten gibt es hier, weiß Weber. Bei der Bahn sind es zwei Stellen, bei der Stadt sogar drei. Jeder hat nur seine Dinge im Blick, sagt er. Die Straßenreinigung ist so ein Beispiel.

Sie ist am frühen Dienstag unterwegs gewesen. So ist gut sichtbar, wo der Kehrwagen entlangfuhr – oder auch nicht. Während die Straße zu den Parkplätzen gesäubert wurden, bleibt der Geh- und Radweg entlang der Bahnlinie in Richtung Landsberger Straße mit nassem Laub übersät.

Es hat sich aber auch einiges gebessert. Abgemeldete Fahrzeuge trifft man nicht mehr an. Auch auf achtlos weggeworfenen Müll achtet die Stadt Münster in ihrem Bereich, lobt Weber. Sehr gelungen sei die neue abschließbare Fahr­rad­-Ab­stell­an­lage. Wer einen Zugang dazu hat, kann sein Rad beruhigt am Bahnhof abstellen. Es gibt sogar zwei Fahrradkäfige mit zwei unterschiedlichen Betreibern: den Stadtwerke und der Stadt.

Pflegestufe sechs

Dann geht es rauf auf den Bahnsteig. Nasses Laub liegt im Eingangsbereich, es herrscht akute Rutschgefahr. Im Treppenhaus ist es nicht viel besser. Hier ist das angesammelte Laub immerhin trocken. „Es gibt unterschiedliche Pflegestufen“, sagt Weber. Der Bahnhof Amelsbüren gehört zur Kategorie sechs. Hier dauert es halt länger, bis ein Sauberkeitstrupp vorbei kommt.

Für den Kulturverein ist das kein Grund, sich nicht für einen ansprechenden Haltepunkt stark zu machen. Er macht‘s seit 2011.

Und was das nasse Laub anbelangt: „Ich werde gleich mal bei der zuständigen Stelle anrufen.“ Vor dem Haltepunkt steht mittlerweile ein schwarzer Caddy der Deutschen Bahn. Weber mustert ihn mit Kennerblick und sagt dann: „Die werden nichts dagegen tun. Die haben keine Besen dabei.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6251748?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F132%2F133%2F
Frost fast überall im Land - Letzter Katastrophenfall aufgehoben
Kältewelle: Frost fast überall im Land - Letzter Katastrophenfall aufgehoben
Nachrichten-Ticker