Doppelausstellung im Kunsthaus
Sprechende Steine und weite Bilder

Münster-Angelmodde -

Leuchtend und voller Tiefe sind die maritimen Landschaften von Malerin Angelika Liebsch, die Natur wird bei ihr zu einem ganz besonderen Rückzugsort. Bildhauerin Marlies Imping verknüpft Natursteine mit archaischen, mystischen und zeitgenössischen Themen. Beides zu sehen ab 30. Juni in der Sommerausstellung im Kunsthaus Angelmodde.

Freitag, 21.06.2019, 12:52 Uhr aktualisiert: 21.06.2019, 12:58 Uhr
Bildhauerin Marlies Imping (l.) und Malerin Angelika Liebsch stellen ab 30. Juni (Vernissage: 11 Uhr) im Kunsthaus Angelmodde aus. Foto: pesa

Der Syrer Aeham Ahmad war 27, als er sich im zerbombten Damaskus ans Klavier setzte, um vor allem die Kinder mit seiner Musik vom Grauen des Krieges abzulenken. Als Kämpfer des „Islamischen Staates“ dann brutal sein Klavier zerstörten, floh er aus seiner Heimat. Seine Musik ist geblieben, hier wie dort.

Genau diesen Hoffnungsschimmer drückt die Malerin Angelika Liebsch mit ihrem Treibholz-Bild „Zerstörtes Klavier“ aus, auf dem schwarze und weißen Tasten (per Eisenpulver und Acryl) wie die Naturgewalt eines musikalischen Regens dargestellt werden. Das ist nur eines der 24 Bilder der Lüdinghauserin, die das Kunsthaus Angelmodde in der Ausstellung „Ins Weite“ zeigt.

Einige erzählen von der Endlosigkeit und der Freiheit der Natur, vom Zauber Irlands und nächtlichem Sternenhimmel – eingefangen in farbintensiven Landschaften voller spannender Hell-Dunkel-Effekte. „Es sind alles Erinnerungen erlebter Augenblicke“, sagt sie.

Besser als Fotografien fängt sie „blaue Stunden“ ein, ganz ohne Menschen, nur eine Amsel verirrt sich, vielmehr geht es um den Sprung in die eigene beseelte Entschleunigung, um dem Wunsch nach dem einfachen Lebensglück. Sie malt Kraftoasen in Zeiten allgemeinen Stresses, der beim Betrachten ihrer Bilderschnell verblassen kann.

Die archaisch-anmutenden (Speck-)Stein- und Tonarbeiten der Gronauer Bildhauerin Marlies Imping korrespondieren vortrefflich damit, denn das Kunsthaus Angelmodde präsentiert erstmals eine Doppelausstellung.

„Auf der Flucht“ von Marlies Imping

„Auf der Flucht“ von Marlies Imping Foto: Peter Sauer

Die studierte Diplom-Sozialpädagogin verbindet in ihren haptischen und mit viel Liebe zum Detail erstellten Skulpturen (zum Beispiel mit raffinierter Marmorierung), erlebte Gegenwart mit der mythischen Vergangenheit – mit dem Ergebnis, dass der Mensch ein Suchender bleibt und es ihm nicht selten selbst obliegt, ob aus Hoffnung auch das angestrebte Lebensglück wird.

Sehr stimmungsvoll und assoziativ sind ihre Skulpturen „achtsam“, „Der Wächter“ und „Auf der Flucht“ geraten. Letztere ist zweigeteilt mit Grenzmauer und Tunnel. „Das war schwer den Tunnel da durchzuklopfen“, erinnert sich Imping.

„Achtsam“

„Achtsam“ Foto: Peter Sauer

Ihre Arbeit am Stein ist für sie jedes Mal ein neues Abenteuer, weil unvorhersehbar: „Ich gehe tagelang um den Stein herum bis ich mit dem jeweiligen Stein kongruent bin. Den Sandstein streichele ich auch gerne, da kann man gut abschalten.“ Beim „antiken Stein ohne Titel“ aus Twente hatte sie fast zu lange draufgeschlagen: „Da kam plötzlich Feuer raus.“

Die spannende Doppelausstellung der beiden Autodidaktinnen bietet bis Mitte September viele interessante Ein- und Ausblicke.

Die Vernissage ist am 30. Juni (Sonntag) um 11 Uhr.

„Mittendrin“ von Angelika Liebsch

„Mittendrin“ von Angelika Liebsch Foto: Peter Sauer

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