Nienberge als Zwischenstation bei Trecker-Demo
„Und dann waren wir richtig viele“

Münster-Nienberge -

Trecker prägten anlässlich der großen Bauern-Demo auch Nienberge das Straßenbild. Dort machten die Protestierer Rast.

Mittwoch, 23.10.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 23.10.2019, 16:35 Uhr
Mehr Landwirte als erwartet fuhren zur Demo in Münster über Nienberge. Bei der Rückfahrt machten sie an der Biogasanlage in Schonebeck Pause. Foto: cro

Man hat schon einen guten Überblick von dem Fahrerhaus eines Traktors aus. Allerdings muss man sich, wenn man die schwere 120-PS-Maschine startet, erst einmal an die Dimensionen gewöhnen. Denn immerhin ist die Motorhaube rund drei Meter lang und auch der Knauf am Lenkrad, durch den man mit einer Hand fahren kann, ist erst einmal fremd.

Aber Kathrin Feldkamp kennt sich mit ihrem Liebling aus: Die 22-jährige aus Steinfurt war am Dienstag mit dem Traktor bei der Demonstration der Landwirte in Münster unterwegs (wir berichteten). Sie verteilte Kartoffeln an die Passanten und fuhr auch über die schmalen Innenstadtstraßen.

„Viele Autofahrer mussten natürlich warten, aber wirklich viele haben gelächelt und mit dem Daumen nach oben gezeigt“, sagt sie nach der Demo. Allerdings sei es schon ein komisches Gefühl gewesen, wenn es mal eng wurde. „Aber es macht einfach Spaß, auch über die längere Strecke“, so Feldkamp.

Keine Genehmigung für die Autobahn

Nach der Demo machten zahlreiche Landwirte aus dem Westmünsterland an der Biogasanlage in Schonebeck Station, um sich für den Rückweg zu stärken.

„Viele wollten eigentlich nach Bonn, aber kurzfristig gab es keine Genehmigung für das Befahren der Autobahn“, so einer der Teilnehmer. Also habe man sich entschieden, mit nach Münster zu kommen. „Und dann waren wir auf einmal richtig viele“, schmunzelt sich Organisator Hendrik Meier. Er freute sich über die große Resonanz: „Vor zehn Tagen waren wir erst nur 50, nun sind es 950 geworden.“ Die Zahl sei offiziell von der Polizei geliefert worden, einfach beeindruckend.

Rundumblick

„Man muss sich aber keine Sorgen machen, wenn wir mit den schweren Traktoren in die Stadt fahren“, nimmt der Landwirt den Passanten die Sorge um Kanten und Ecken oder die eigenen Autos. „Es sind alles erfahrene Landwirte und Fahrer, die die Traktoren genau kennen.“ Und: „Man kann die Größe super einschätzen, denn man hat einen klasse Rundumblick.“ Dennoch mache es Spaß, einmal nicht auf dem Acker oder den Wegen zu fahren.

Trecker-Konvoi: Landwirte-Protest in Münster

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  • OHW10055

    Die Demonstration der Landwirte ist Teil einer bundesweiten Aktion, für die sich die Protestler über soziale Netzwerke zusammengeschlossen haben. 

    Foto: Oliver Werner
  • Die Veranstalter planten die Protestaktion ausdrücklich ohne die Verbände wie den Westfälisch-Lippischen Bauernverband.

    Foto: Oliver Werner
  • Protestiert wird gegen die Agrarpläne der Bundesregierung. 

    Foto: Oliver Werner
  • In Münster hatten sich rund 400 Trecker für den Konvoi versammelt.

    Foto: Oliver Werner
  • Teilnehmer aus Ascheberg, Nordkirchen, Lüdinghausen, Rinkerode und Herbern sowie aus dem West-Münsterland waren nach Münster gekommen. 

    Foto: Oliver Werner
  • Es folgen weitere Impressionen von der Fahrt des Trecker-Korsos durch die Stadt...

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Ralf Repöhler
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Oliver Werner
  • Foto: Pjer Biederstädt
  • Foto: Pjer Biederstädt

Da es zwischenzeitlich zu einem Rückstau kam, wurden die Landwirte auf dem Weg sogar spontan versorgt. Paul Everdering war mit dem Smart unterwegs, um Kaffee an die Bauern zu verteilen. „Die Traktoren standen von Nienberge bis zur Waltruper Kapelle“, lachte der Versicherungsmakler aus Nienberge.

Den Tränen nahe

Doch nicht alle Erfahrungen waren positiv, wie sich Feldkamp, die die Demo für Steinfurt organisierte, erinnert: „Eine Autofahrerin war den Tränen nahe, denn sie konnte nicht zur Arbeit.“ Daraufhin habe der Chef, ein Bäcker, mit Kündigung gedroht. Milde stimmen ließ er sich nicht.

„Da haben wir schnell die Telefonnummern ausgetauscht, denn so etwas wollen wir nicht“, so die Demo-Teilnehmerin zum weiteren Verlauf des Gesprächs mit der gestressten Autofahrerin. Doch Feldkamp versteht die Reaktion des Chefs kaum: „Auch ein Bäcker wäre ohne uns Landwirte einfach aufgeschmissen, denn woher kommt wohl das Getreide für das Backmehl?“

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