Interview
ADAC-Verkehrsexperte über den negativen Staurekord in NRW

Münster -

Stau nervt: Laut einer aktuellen ADAC-Statistik standen Autofahrer im vergangenen Jahr sogar noch länger im Stau als in den Jahren zuvor. Unrühmlicher Spitzenreiter bei den Bundesländern ist ausgerechnet das Land Nordrhein-Westfalen. Unser Redaktionsmitglied Carsten Vogel hat mit Dr. Peter Meintz vom ADAC Westfalen über Gründe und Lösungsansätze gesprochen.

Samstag, 27.01.2018, 17:15 Uhr aktualisiert: 27.01.2018, 17:37 Uhr
Stau auf den Autobahnen: Leidgeprüfte Pendler trifft es jeden Morgen, und auch Tausende Urlauber müssen immer wieder tapfer sein. Foto: dpa

Richtig überraschend ist die Nachricht, dass es immer mehr Staus gibt, nicht. Die Zunahme des Verkehrs kann doch nicht als einziger Grund herhalten, oder?

Peter Meintz : Es gibt keine monokausalen Begründungen für Staus. Wir blicken auf einen Prozess der vergangenen 20 bis 30 Jahren zurück, in dem der Verkehr stetig angewachsen ist. Und zwar in einem Maße, in dem die Straßen nicht mitgewachsen sind. Aus dieser Verdichtung resultieren Störungen. Weitere Faktoren sind Baustellen, weil immer mehr repariert werden muss. Aber auch Pflegearbeiten, Pannen, Unfälle, das Wetter und falsches Verhalten der Autofahrer gehören natürlich dazu.

Es ist ja überall zu lesen, dass Autobahnen erweitert werden. Was einerseits gut ist, führt andererseits zu neuen Baustellen. Ist das nicht ein Teufelskreis?

Meintz: Eher ein Kreis der Hoffnung: Ohne Baustellen kommen Sie nicht weit. Ein schönes Beispiel ist die A 2, die das Münsterland an zwei Stellen tangiert. Seitdem sie durchgehend auf sechs Spuren ausgebaut ist, sind die Staus erheblich reduziert worden. Bei der A 1 wird sich das auch noch bessern, aber das dauert noch. Gerade wegen der maroden Brücke bei Leverkusen und des stauanfälligen Autobahnkreuzes Dortmund-Unna. Und wenn eine Autobahn zwei solche neuralgischen Punkte hat, dann geht die Stauhäufigkeit hoch. Gleiches gilt für die A 43, die unter einer Baustelle leidet. Aber in drei oder vier Jahren, wird sie viel von ihrem Stau-Schrecken eingebüßt haben.

Infografik: So viel Stau in Deutschland wie noch nie | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Auf der A1 staut es sich aber auch schon zwischen Münster-Nord und Münster-Süd.

Meintz: Weil nur dieser Teil auf jeweils drei Streifen ausgebaut ist. Davor gibt es sowohl im Norden als auch Richtung Süden eine zweistreifige Verkehrsführung. Hier sind die Rückstaus aber kein generelles Problem, sondern nur zu Rush-Hour-Zeiten. Anders als beim Autobahnkreuz Dortmund-Unna, das auch für Münsteraner wichtig ist. Da sind die Verkehrsmengen zu hoch für den baulichen Zustand des Kreuzes. Solche Brennpunkte müssen nachgebessert werden.

Das nächste Problem ist dann, dass viele Autofahrer die Stoßzeiten kennen und deshalb auf Bundes- und Landstraßen ausweichen und diese dann verstopfen.

Meintz: Die Verkehrsmengenzunahme betrifft ja nicht nur Autobahnen, sondern auch das untergeordnete Netz. Das ist ein flächendeckendes Problem, denn auch in kleineren und mittelgroßen Städten im Münsterland laufen die Straßen zu Stoßzeiten voll. Das wird man gar nicht beheben können, außer in Einzelfällen vielleicht durch eine Umgehungsstraße. Rund um die Uhr staufreie Strecken wird man weder auf dem Land noch in der Stadt haben. Es wird auch weiterhin ein Wachstum sowohl für den Lkw- als auch für den Pkw-Verkehr prognostiziert.

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Dr. Peter Meintz Foto: ADAC

Was könnte denn die Politik tun? Benzinpreise erhöhen und öffentliche Verkehrsmittel begünstigen?

Meintz: Natürlich könnte man dem Geschehen in Teilen Herr werden, indem man das Autofahren erschwert. Das hat aber weder politische Mehrheiten, noch ist es wirtschaftlich sinnvoll. Ein Auto ist zwei Mal fünf Meter groß: Für die Platzprobleme spielt es keine Rolle, ob es mit Elektro- oder Verbrennungsmotor ausgestattet ist. Auch der öffentliche Nahverkehr ist nicht für alle Menschen eine Lösung.

Wenn sowohl der ADAC als auch lokale/regionale Medien vor Feiertagen auf eine erhöhte Staugefahr hinweisen, wie kann es dann sein, dass der 24. Mai – also Christi Himmelfahrt – der staureichste Tag war?

Meintz: Es ist den Meisten schlichtweg egal. Sie haben ein höherrangiges Ziel, die wollen in die Ferien. Und dieser Anlass ist wichtiger als die Bedrohung durch Staus. Man ergibt sich in sein Schicksal.

Welche konkreten Tipps können Sie denn Autofahrern geben?

Meintz: Es gibt ein paar Ratschläge. Bevor man losfährt, sollte man sich informieren, auf welchen Strecken was los ist und gegebenenfalls auf Alternativen ausweichen. Und ist man in einen Stau unter zehn oder zwölf Kilometer länge geraten, ergibt es keinen Sinn von der Autobahn herunterzufahren. Psychisch mag es ein Vorteil sein, weil man rollt, aber in der Regel sind die Ausweichrouten ebenso voll. Das Herunterfahren lohnt nur bei einer Vollsperrung oder wenn mitgeteilt wird, dass man den Stau besser umfahren sollte. Ansonsten bringt es keinen wirklichen Zeitgewinn.

10 Tipps gegen Langeweile im Stau

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  • 1. Drei Geschichten Spiele im Auto bieten Unterhaltung für Groß und Klein. Ein kreatives Spiel: Geschichten erraten. Jeder erzählt drei Geschichten über sich selbst, von denen eine erfunden ist. Die Mitfahrer müssen erraten welche.

    1. Drei Geschichten

    Spiele im Auto bieten Unterhaltung für Groß und Klein. Ein kreatives Spiel: Geschichten erraten. Jeder erzählt drei Geschichten über sich selbst, von denen eine erfunden ist. Die Mitfahrer müssen erraten welche.

    Foto: Z1009 Jan-Peter Kasper
  • 2. Wetten, dass ... in der Stau Edition

    Sobald der Verkehr steht, muss jeder Mitfahrer wetten, wie lange es dauert bis es weitergeht. Die Wetten werden notiert und wer richtig liegt, gewinnt! Das bringt sogar in einem Stau Spannung.

    Foto: dpa
  • 3. Kennzeichen-Bingo

    Die fortgeschrittene Variante des Klassikers „Kennzeichen raten“: Am besten noch vor der Abreise Bingokarten mit Kennzeichen-Abkürzungen vorbereiten und im Auto an die Mitreisenden verteilen - wer zuerst eine Reihe voll hat, gewinnt eine Kleinigkeit.

    Foto: Malte Christians
  • 4. Was bin ich?

    Noch ein sehr unterhaltsamer Klassiker: Einer der Reisenden denkt sich einen Beruf (alternativ: Tier, Promi, Charakter usw.) aus, die anderen versuchen, ihn zu erraten. Alle Fragen dürfen nur mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.

    Foto: Marius Becker
  • 5. Musiktitel erraten

    Wem keine Berufe mehr einfallen, der dreht einfach das Radio auf: Alle Mitfahrenden müssen versuchen den laufenden Song möglichst schnell zu erraten. Wer den Titel als erstes weiß, gewinnt.

    Alternativ können alle Reisenden den neusten Sommerhit üben, das sorgt garantiert für gute Laune!

    Foto: Axel Seidemann
  • 6. Hörspiele

    Wer es etwas ruhiger angehen möchte, kann sich auch entspannt zurücklehnen und ein Hörspiel genießen. Mit spannenden oder unterhaltsamen Geschichten vergeht die Zeit gleich viel schneller. Besonders geeignet, wenn man alleine unterwegs ist.

    Foto: Jürgen Mahnke
  • 7. Einfach mal quatschen

    Gerade wenn man alleine unterwegs ist, kann man die Zeit im Stau gut für ein langes Telefonat nutzen - ob mit der Mutter, Oma oder mit Freunden. Einzige Voraussetzung ist eine Freisprechanlage, dann steht einem schönen Gespräch nichts im Wege.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • 8. Wischen und Putzen

    Man kann die Zeit im Stau natürlich auch praktisch nutzen: Mit ein paar Reinigungstüchern im Auto kann man Armaturenbrett und Lenkrad reinigen. Aber Achtung: Nicht abschnallen, sondern nur da putzen, wo man - ohne sich zu verdrehen - dran kommt.

    Foto: Frank Mächler
  • 9. Bewegung

    Geht gar nichts mehr vor oder zurück, kann man auch aussteigen und sich etwas Bewegung verschaffen. Etwa indem man zwei oder drei Runden um das Auto rennt.

    Foto: Bernd Thissen
  • 10. Essen und Trinken

    Gerade bei längeren Strecken gilt: Ausreichend Essen und Getränke mitnehmen. Getränke, die warm nicht mehr schmecken, oder Essen, das bei Wärme schmilzt, sind nicht so geeignet. Also besser Wasser oder Tee und leckeres Obst einpacken - denn mit vollem Magen ist alles nur noch halb so schlimm.

    Foto: A3399 Arne Dedert
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