Verspätungen und Zugausfälle
Drastische Maßnahme: Zweckverband mahnt Eurobahn offiziell ab

Unna -

(Aktualisiert: 18.50 Uhr) Die Eurobahn ist offiziell abgemahnt. Die Verbandsversammlung des zuständigen Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) hat mehrheitlich für diesen Schritt gestimmt. Das private Eisenbahn-Unternehmen hat nun bis Ende März Zeit, dafür zu sorgen, dass der Verkehr im Teutoburger-Wald-Netz reibungslos läuft.

Mittwoch, 07.02.2018, 12:39 Uhr aktualisiert: 12.02.2018, 07:55 Uhr
Foto: Ulrich Gösmann

Es ist gerade mal zehn Monate her, da musste Eurobahn-Chef Thomas Görtzen nach Unna kommen und kleine Brötchen backen. Das Tochter-Unternehmen der französischen Keolis-Gruppe hatte schlechte Ar­beit geleistet, darum zitierte ihn das höchste Gremium des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) herbei.

Es hagelte Kritik, Görtzen gelobte Besserung. Das war’s.

Verbesserungen angekündigt

Am Mittwoch musste Magali Euverte, Keolis-Deutschland-Chefin, in den Ring. Wieder ging es um Verspätungen, Zugausfälle und eine schlechte Fahrgastinformati­on – diesmal im Teutoburger-Wald-Netz (TWN).

Auch wenn sich die Managerin entschuldigte, Verbesserungen ankündigte und sich insgesamt gut schlug: Die Verbandsversammlung gab sich damit nicht zufrieden. Zu tief sitzt der Frust beim Auftraggeber NWL, zu groß ist das Misstrauen.

"Andauernde Unzuverlässigkeit“

Folglich wurde die Eurobahn einstimmig abgemahnt – und ultimativ aufgefordert, die Zugausfälle bis Ende März abzustellen, den Verkehr von Osnabrück nach Hengelo sicherzustellen und die Fahrgastinformation entscheidend zu verbessen. Darüber hinaus will der NWL prüfen, ob das Unternehmen „wegen andauernder Unzuverlässigkeit“ von künftigen Vergabeverfahren ausgeschlossen werden kann. Unabhängige Gutachter werden zudem „die Fahrzeugsituation“ überprüfen. Sollte die Keolis-Tochter die Auflagen nicht erfüllen, wird der NWL weitere Register ziehen, um eine außerordentliche Kündigung in die Wege zu leiten.

Im Dezember hatte die Eu­robahn das Teutoburger-Wald-Netz für 15 Jahre übernommen. Fünf Linien, 5,3 Millionen Zugkilometer, viele Strecken im Münsterland. Anfangs lief alles gut, dann wendete sich das Blatt. Verspätungen, überfüllte Züge, Ausfälle, miserable Kundeninformationen. „Uns liegen mehr als 1000 dokumentierte Beschwerden vor“, sagte NWL-Sprecher Uli Beele. „Wir sind ziemlich angefressen“, ergänzte der Vorsitzende der Verbandsversammlung, Olpes Landrat Frank Beckehoff.

Vertrauen in Eurobahn ist erschüttert

Ein kurzfristig hoher Krankenstand zu Jahresbeginn, technische Probleme bei dringend benötigten Fahrzeugen, die darum nicht eingepflegt werden konnten und eine mangelhafte Kunden-Info: „Was passiert ist, ist inakzeptabel“, sagte Euverte. „Und nicht die Leistung, die wir anbieten wollen.“ Bis zum 26. Februar versprach sie Verbesserungen auf ganzer Linie. Mehr verfügbares Personal, einsatzbereite Fahrzeuge, eine gut aufgestellte Informationszentrale.

Allein, es glaubte ihr niemand. Detlef Ommen, Mitglied im Warendorfer Kreistag und als solcher in der NWL-Verbandsversammlung, sprach von einer „großen Vertrauenserschütterung“. Als „hanebüchen“ tat Stefan Weber, CDU-Fraktionschef im münsterischen Rat, die Erklärungen ab. „Sonntagsrede“, zürnte CDU-Kreistagsmitglied Wolfgang Diekmann aus Brilon. „Ein Trauerspiel“, kritisierte SPD-Vertreter Dr. Günter Fiedler aus Detmold.

Am 12. April findet die nächste Verbandsversammlung statt. Dann will der NWL einen Zustandsbericht. Gibt’s dann noch Kritik, wird es für die Eurobahn eng.


Die Eurobahn hatte das Teutoburger-Wald-Netz im Dezember übernommen. Es besteht aus fünf Strecken.

Zum Thema

Die fünf Zuglinien des Teutoburger Wald-Netzes

·        RB 61 Wiehengebirgs-Bahn (Bielefeld – Bad Bentheim – Hengelo)

·        RB 66 Teuto-Bahn (Münster – Osnabrück)

·        RB 65 Ems-Bahn (Münster – Rheine)

·        RB 72 Ostwestfalen-Bahn (Herford - Altenbeken-Paderborn) 

·        RE 78 Porta-Express (Bielefeld – Minden – Nienburg)

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Meinung

KOMMENTAR

Endlich entschlossen

Die Eurobahn ist auf den Hund gekommen. Und niemand kann sagen, woran das liegt. Als das Eisenbahn-Unternehmen vor Jahren in Deutschland antrat, war es modern und zuverlässig. Einer dieser jungen Privaten, hungrig auf den Wettbewerb und gewillt, es dem alten Monopolisten Deutsche Bahn zu zeigen. Was ist davon übrig geblieben? Die Tochter des französischen Keolis-Konzerns steht in der Dauerkritik. Zugausfälle, Verspätungen; es ist seit Jahren dasselbe.

Die Folge: ein massiver Vertrauensverlust bei Kunden und dem Auftraggeber. Der zeigt sich endlich entschlossen. Die Abmahnung ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weitere müssen Folgen, falls die Eurobahn ihre Probleme nicht wirkungsvoll in den Griff bekommt. Das sind alle Beteiligten den Kunden schuldig. 

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