Tierische Mitbewohner in Pflegeheim
Hühner als "Pflegehelfer": Heiter mit Hannelörchen

Nottuln -

Wer durch die Folgen eines Schlaganfalls oder einer MS in einem Pflegeheim landet, der kann Abwechslung gut gebrauchen. Darum werden im Haus Arca ungewöhnliche neue Bewohner erwartet.

Sonntag, 05.08.2018, 12:36 Uhr

Jürgen Deerhake ist ein Bewohner des Hauses Arca. Er hat zusammen mit seinem Mitbewohner Siegfried Wagenknecht ein Hühnerhaus gebaut. Foto: Stefan Werding

Die drei Hühner Elfriede, Gisela und Hannelörchen haben im „Haus Arca Frenkings Hof“ einen guten Eindruck hinterlassen. Einen so guten, dass in das Pflegeheim demnächst drei ihrer Artgenossinnen einziehen sollen. Jürgen Deerhake und Siegfried Wagenknecht haben schon mal ein neues Zuhause für die beiden gezimmert. Jeden Mittwoch wurden die beiden 59-Jährigen auf den Mitmachhof Schöp­ner in Nottuln gebracht, um ein Holzhaus auf Rädern zu bauen.

Sie haben Fenster eingesetzt, Stangen zum Draufsitzen angeschraubt und Dachpappe aufgenagelt. Der Mittwoch wurde so für sie ein ganz besonderer Tag: „Wann ist wieder Mittwoch? Wird wieder Zeit“, sagten die beiden. Der Bau des Hauses war für sie eine willkommene Abwechslung und der Beweis, dass sie noch jede Menge auf die Beine stellen können. In der „Arca Frenkings Hof“ leben Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder eines Unfall plötzlich pflegebedürftig werden.

Trick als Lockmittel

Und auch für die anderen Bewohner verspricht sich Petra Rommeswinkel, die Leiterin des Sozialen Dienstes des Hauses, jede Menge Vorteile: „Wenn die Bewohner jetzt auf der Terrasse sitzen, können sie den Hühnern zusehen“, sagt sie und freut sich schon für die Bewohner aufs „Chicken-TV“.

Thomas Frickel (rechts) zähmt die Hühner an, für die Jürgen Deerhake und Siegfried Wagenknecht (von links) ein neues Zuhause gebaut haben.

Thomas Frickel (rechts) zähmt die Hühner an, für die Jürgen Deerhake und Siegfried Wagenknecht (von links) ein neues Zuhause gebaut haben. Foto: Stefan Werding

Hühner sind eigentlich Fluchttiere und kommen nicht zuallererst auf die Idee, sich bei Menschen auf den Schoß zu setzen. Doch Thomas Frickel von dem Mitmachhof hat angefangen, die Tiere „anzuzähmen“ und an den Menschen zu gewöhnen. Käse ist dabei eine große Hilfe. Er hat ihnen beigebracht, dass sie nicht von den Tischen springen, auf denen er die Tiere nicht nur in Pflege- und Altenheimen, sondern auch in Schulen präsentiert.

Dort zeigen die Tiere den Beobachtern, dass sie nicht nur ein zukünftiges Lebensmittel, sondern Wesen mit einer eigenen Persönlichkeit sind: entspannt, selbstbewusst oder frech. Aber allen sei gemein: „Sie bringen die Augen der Menschen zum strahlen“, sagt Frickel.

Das Wohnhaus für die Hühner ist so gut wie fertig. Nun werden die Tiere ausgewählt, die in die Arca (Arche) ziehen werden. Und zum Glück für Jürgen Deerhake und Siegfried Wagenknecht ist mit dem Bau des Hauses die Arbeit noch nicht getan: Die Tiere müssen gefüttert, die Eier eingesammelt, der Dreck entfernt werden. Also noch genug zu tun in der nächsten Zeit. Damit jeder Tag zum Mittwoch wird.

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