Pendler-Frust in der RB 50
Gleisschäden auf der Strecke Münster–Lünen: Bahn leitet ab Montag den Fernverkehr um

Münster -

Sorgenkind RB 50. Wieder Verspätungen, wieder Zugausfälle, wieder unzufriedene Pendler zwischen Münster und Lünen. Diesmal ist es aber nicht nur die Eurobahn, über die sich der Shitstorm ergießt. 

Mittwoch, 24.10.2018, 21:58 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 21:30 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 24.10.2018, 21:58 Uhr
Wo bleibt der Zug bloß wieder: Johannes Kranemann fährt täglich von Werne nach Ascheberg. Pünktlich kommt er fast nie an. Foto: Wilfried Gerharz

Kritisiert wird vielmehr das unheilvolle Mit- und Neben- und Nacheinander von Nah- und Fernverkehr auf einem Gleis und als I-Tüpfelchen seit Wochen Gleisschäden, die die Züge auf acht Kilometern in den Kriechgang zwingen. „Ein zuverlässiger Betrieb ist auf der Strecke nicht mehr zu gewährleisten“, klagt die Eurobahn-Mutter Keolis, die die RB 50 bedient. Nun reagiert der Bahn-Konzern und nimmt ab kommender Woche die IC-Züge von der Strecke.

Johannes Kranemann fährt aus Überzeugung Bahn. Täglich pendelt er morgens von Werne nach Ascheberg und abends wieder zurück. „Wir zählen die Tage, an denen die Eurobahn keine Verspätung hat“, sagt er. Allzu viele sind es nicht. Ludger König, der 48 Jahre lang täglich von Davensberg nach Münster fuhr, formuliert drastischer: „Beschissen“ seien die Fahrten gewesen, sagt er. „Ich bin so froh, dass ich seit vergangenem Monat Rentner bin.“

Negativtrend laut Qualitätsbericht

2016 waren noch 85,6 Prozent der RB-50-Züge pünktlich. 2017 betrug die Quote noch 80,9 Prozent. So steht es im Qualitätsbericht Nahverkehr Westfalen-Lippe. Nur drei der 37 Regionalbahnen in Westfalen-Lippe waren schlechter unterwegs. Der Wert für 2018 dürfte nicht besser ausfallen.

In der Kritik steht die Eu­robahn. Obwohl sie an der aktuellen Misere nur bedingt Schuld trägt. Das sagen nicht nur Kranemann und König. Das sagt auch Uli Beele, Sprecher des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe, einem der Auftraggeber.

Der Nahverkehr ist auf ei­nen funktionierenden Fernverkehr angewiesen. Weil die Regionalbahn warten muss, wenn der IC aus dem Takt geraten ist. Allein das sorgt auf dem knapp 45 Kilometer langen eingleisigen Abschnitt zwischen Münster und Lünen permanent für Verspätungen.

Folgen der Sommerhitze

Die durch die Probleme im Gleisbett akut getoppt werden. Von „Gleislageschäden“ spricht NRW-Bahnsprecherin Kirsten Verbeek. Von daraus resultierenden „extremen Verspätungen“ Keolis-Sprecherin Nicole Pizzuti.

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Als Reaktion auf die dramatischen Verspätungen nimmt die Deutsche Bahn den Fernverkehr von der Strecke Münster–Lünen. Foto: Wilfried Gerharz

Zwischen Davensberg und Amelsbüren liegt das Gleis an drei Stellen nicht ganz eben. Mutmaßlich infolge der extremen Sommerhitze. Aus Sicherheitsgründen wurde das Tempo auf dem acht Kilometer langen Abschnitt von 160 auf 70 reduziert. Das brachte den Nahverkehr voll­ends aus dem Tritt.

Langfristige Lösung gesucht

Um die Pünktlichkeit der RB 50 zu erhöhen, wird ab Montag der Fernverkehr umgeleitet. Das geht erst jetzt, weil es wegen der Streckensperrung zwischen Duisburg und Essen derzeit schon mehrere andere Umleitungen gibt. Deren Aufhebung wollte der Bahnkonzern abwarten.

Der IC 30 (Hamburg–Münster–Stuttgart) fährt dann über Gelsenkirchen statt über Bochum und Dortmund. Der IC 31 (Hamburg–Münster–Nürnberg/Passau) fährt über Hamm. Das soll den Nahverkehr auf der Strecke Münster–Lünen entlasten und „die Pünktlichkeit der Nahverkehrslinie RB 50 zwischen Münster und Dortmund verbessern“, teilte die Deutsche Bahn mit.

Um eine langfristige Lösung zu finden, wie der Untergrund wieder stabilisiert werden kann, habe die Bahn ein Gutachten in Auftrag gegeben, erklärt Verbeek. Bis das vorliegt, würde mindestens ein Monat vergehen. Wann der Schaden be­hoben sein wird, steht noch nicht fest. „Das lässt sich zeitlich nicht eingrenzen“, sagt sie.

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