Eine Art Katerstimmung
Germania-Aus trifft FMO hart

Greven -

Vor ein paar Tagen noch vollmundige Versprechungen, nun der jähe Absturz: Die Berliner Flug­gesellschaft Germania ist pleite, das Un­ternehmen stellte in der Nacht zu ­Dienstag den Flugbetrieb ein und beantragte Insolvenz. 

Dienstag, 05.02.2019, 18:50 Uhr aktualisiert: 05.02.2019, 21:19 Uhr
Alle grünen Linien fallen weg: Germania war am FMO ein großer Player. Das Aus der Airline bedeutet für den Flughafen Münster/Osnabrück einen Schlag ins Kontor. Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Vielleicht hatte FMO-Chef Prof. Rainer Schwarz insgeheim befürchtet, dass Germania in die Knie gehen könnte. Dass das Aus der Airline jedoch so schnell kommt, damit hatte er je­denfalls nicht gerechnet. Er sei „überrascht“, erklärte Schwarz am Dienstag, dass Germania mit dem Insolvenzantrag auch den Flugbetrieb eingestellt habe. Ob das Wort „überrascht“ ein Synonym für verärgert war, blieb letztlich ungeklärt. 

Ein einsamer Germania-Flug nach Lanzarote stand am Flughafen Münster/Osnabrück am Nachmittag eigentlich auf dem Programm. Abflug wäre kurz nach zwei gewesen. Daraus wurde natürlich nichts. Die meisten Fluggäste hatten ihre Tickets über Reiseveranstalter gebucht und waren von diesen auch informiert worden. Lediglich eine Spanierin stand mit gepackten Koffern etwas verlassen im Terminal. 

Diese Flugziele fallen am FMO weg

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  • 1 Faro Christian Röwekamp-dpa-gms

    Mit der Pleite von Germania fallen am FMO 16 Flugziele, die 2019 im Sommerflugplan standen, weg:

    1. Faro an der Algarveküste in Südportugal

    Foto: Christian Röwekamp-dpa-gms
  • 2. Fuerteventura, die zweitgrößte der zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln liegt 100 Kilometer vor Nordafrika im Atlantik.

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: Carlos De Saa dpa
  • 3. Funchal, Hauptstadt der portugiesischen Inselgruppe Madeira. Hier kommt Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo her.

    Foto: Michael Zehender-dpa-tmn-dpa
  • 4. Gran Canaria, die drittgrößte der Kanarischen Inseln ist bekannt für seinen farbenfrohen Karneval.

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: Ángel Medina G dpa
  • 5. Heraklion, ist die Hauptstadt von Kreta. Sie ist eine moderne Stadt und ihre Küstenregion ist die größte touristische Region Kretas

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: dpa
  • 6. Ibiza, die balearische Insel ist bekannt für ihre Natur und Partys bei denen immer wieder prominente DJs wie Paris Hilton auflegen.

    Foto: Sergio G. Canizares dpa
  • 7. Istanbul, Germanwings flog als einzige Airline von Greven aus den Istanbul-Airport (IST) in der türkischen Metropole an. Pegasus fliegt allerdings weiterhin vom FMO zum Flughafen Sabiha Gökçen (SAW) im Osten der Stadt.

    Foto: dpa
  • 8. Kos, eine griechische Insel mit einer Mischung aus Sandstränden, türkisblauem Wasser und schönen Städten.

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: dpa
  • 9. Lanzarote, die kanarische Insel beeindruckt mit ihrer Vulkanlandschaft.

    Foto: dpa
  • 10. Larnaca, die Hafenstadt im Südosten von Zypern ist besonders sehenswert wegen ihrer Strandpromenade.

    Foto: dpa
  • 11. Malaga, die andalusische Provinz liegt an der Südküste Spaniens und bietet wunderschöne Strände. Außerdem scheint dort an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne.

    Foto: dpa
  • 12. Rhodos, die griechische Insel hat zahlreiche Strände und trägt durch ihre viele Sonnenstunden auch den Namen "Sonneninsel".

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: dpa
  • 13. Teneriffa, die kanarische Vulkaninsel bietet mit ihrer 55 Jahren alten Sternenwarte ein ganz besonderen Besuchermagneten.

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Corendon Airlines übernommen.

    Foto: dpa
  • 14. Thessaloniki, die griechische Hafenstadt ist bekannt für ihren weißen Turm, der südlich des Hafens von Thessaloniki steht.

    Foto: dpa
  • 15. Varna, die bulgarische Hafenstadt liegt an der Schwarzmeerküste und ist die drittgrößte Stadt Bulgariens.

    Dieses Flugziel wird nach der Germania-Pleite von Bulgarian Air Charter übernommen.

    Foto: dpa
  • 16. Zonguldak an der türkischen Schwarzmeerküste sollte im Juni 2019 ins Streckennetz des FMO aufgenommen werden. dazu kommt es jetzt nicht mehr.

    Foto: dpa
  • Vier weitere ehemalige Germanwings-Destinationen werden von Greven aus noch von anderen Airlines bedient: 

    - Palma de Mallorca (Eurowings und Laudamotion)

    - Antalya (Sun Express)

    - Burgas (Bulgarian Air Charter)

    - Hurghada (Fly Egypt)

    Foto: Gunnar A Pier

Ausgerechnet Germania. Die Airline hatte in den vergangenen drei Jahren in Greven einen steilen Aufstieg hingelegt. Das Wiedererwachen des FMO ist ursächlich verknüpft mit dem Erfolg der Airline, die dort einen ei­genen Abflugschalter in den Firmenfarben Grün und Weiß zur Verfügung gestellt bekam. 20 der 27 Ziele flogen die Berliner ab Greven. 16 der 27 fallen nun auf einen Schlag weg. 2018 hatten die Airline 269 000 der etwas mehr als eine Million FMO-Fluggäste befördert.

Die Pleite weckt natürlich Erinnerungen an Air Berlin und goldene Zeiten. Als Air Berlin ins Trudeln geriet, begann jedoch der lang anhaltende Abwärtstrend am FMO. „Die Situation damals ist nicht vergleichbar mit der heute“, erklärte Schwarz. Der FMO habe aus dem Debakel seinerzeit seine Lehren gezogen. 60 Prozent des FMO-Passagieraufkommens beförderte Air Berlin damals. Germania hatte zuletzt 26 Prozent.

Die jetzt natürlich fehlen. „Bis zum Ende des Winterflugplans Ende März werden wir mit Sicherheit keinen Ersatz für die nun ausfallenden Flüge bekommen“, sagte FMO-Sprecher Andrés Heinemann . 10 000 Passagiere waren für Februar auf Germania gebucht, 15 000 waren es im März. Der FMO werde sich jedoch nach Kräften bemühen, zum Sommerflugplan möglichst viele attraktive Alternativen aufzutun, ergänzte er.

Ein Kommentar zum Thema

Germania ist pleite, die Flugzeuge bleiben am ­Boden, die Katastrophe ist eingetreten. Germania-Chef Karsten Balke hat sich in der Krise verzockt. 15 Millionen Euro fehlten Anfang des Jahres, die versprochenen Investoren blieben Ankündigungen. ­Balkes Zweckoptimismus gerann am Ende zu Durch­halteparolen. Da war das Aus längst greifbar.

Für Germania gilt dasselbe wie für Air Berlin, Niki oder Small Planet. Alle wollten sie ein möglichst großes Stück abhaben vom dicken Kuchen der Mega-Branche Luftfahrt. Gescheitert sind sie letztlich an dem unauflösbaren Widerspruch von steigenden Betriebskosten auf der einen Seite, einer übergroßen Konkurrenz auf der anderen – und dem Anspruch der Kunden, für möglichst kleines Geld um die Welt zu fliegen.

Die Zeche zahlen die Germania-Mitarbeiter, sie müssen sich nun bei der Agentur für Arbeit melden, so wie viele Tausend Touristen bei ihrem Reiseveranstalter, schließlich stecken sie in den Urlaubsgebieten fest. ­Gebeutelt sind aber auch die vielen, vor allem kleineren Flughäfen wie der FMO. Für Münster/Osnabrück wie für all die anderen betroffenen Regional-Airports kommt das Aus der Airline einer Katastrophe gleich.

...

Was jedoch nicht einfach werden wird. Schließlich stehen die Airlines an Flughäfen nicht Schlange. „So viele gibt es nämlich gar nicht“, betonte Schwarz. Außerdem darf man nicht vergessen, dass auf einen Schlag alle Flughäfen, an denen Germania aktiv war und wie in Greven Maschinen stationiert hatte, nun in Konkurrenz zueinander treten.

Gleichwohl, den Kopf in den Sand stecken will Schwarz nicht. Natürlich hat auch er in den vergangenen Wochen mit den Reiseveranstaltern darüber diskutiert, was für Möglichkeiten bestehen, wenn das eigentlich Unmögliche eintreten sollte. Natürlich müssen sich nun auch Tui, Thomas Cook und Co. um Ersatz bemühen, heißt: Der Flughafen in Greven sucht nicht alleine nach Auswegen. Und drittens, „haben wir in den vergangenen Jahren gezeigt, dass der FMO funktioniert“, ergänzte Heinemann. Das gebe Grund für einen „gewissen Optimismus, ein Ersatzprogramm auf die Beine stellen zu können“.

All das sind Pläne für die Zeit nach dem ersten Schock. „Kurzfristig müssen wir uns darum kümmern, dass die Urlauber aus den Zielge bieten heile zurückkommen“, sagte Schwarz. „Zum Glück haben mehrere Airlines an geboten, hier einzuspringen.“

FMO-Chef: „Ich finde das nur ungewöhnlich“

Germania ist pleite, was bedeutet das für den FMO? Darüber sprach Redaktionsmitglied Elmar Ries mit Flughafen-Chef Rainer Schwarz.

Hat Sie das schnelle Germania-Aus überrascht?

Schwarz: Germania-Chef Karsten Balke hat am 19. Januar erklärt, die Finanzierungsfrage sei geklärt und damit die mittel- und langfristige Perspektive des Unternehmens gesichert. Knapp zwei Wochen später die Insolvenz zu verkünden, verwundert doch sehr.

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Foto: Gunnar A. Pier

Das klingt so, als seien Sie sauer?

Schwarz: Nein, ich finde das nur ungewöhnlich.

Wie gehen Sie mit der neuen Situation um?

Schwarz: Kurzfristig müssen wir dafür sorgen, dass die Urlauber heile aus den Zielgebieten zurückkehren können. Für den bis Ende März geltenden Winterflugplan gehe ich aber nicht davon aus, dass es Alternativen zu Germania geben wird. Mit Blick auf den Sommerflugplan muss es darum gehen, Ersatzverbindungen zu bekommen. Dies wird keine leichte Aufgabe. Seit Bekanntwerden der Germania-Probleme sind wir aber in intensiven Gesprächen mit den Reiseveranstaltern.

...

Betroffene haben unterschiedliche Rechte 

Fluggäste haben nun unterschiedliche Rechte. Dabei ist entscheidend, ob ihr Flugticket zu einem Veranstalterpaket gehört oder ob sie es individuell gebucht haben. Veranstaltergäste hätten „die besseren Karten“, weil der Anbieter für sie eine Ersatzbeförderung organisieren muss, erläutert die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wer dagegen direkt bei der Fluggesellschaft gebucht hat, müsse sich „nun wohl auf den Totalverlust des Ticketpreises einstellen“.

Für Veranstaltergäste sind die Flüge ein Teil des Reisevertrags. Hier trage der Anbieter das Insolvenzrisiko bei Leistungserbringern wie Airlines allein, so die Verbraucherschützer. Pauschalurlauber mit Germania-Ticket sollten daher den Veranstalter kontaktieren. Bei vielen Reiseveranstaltern liefen kurz nach Bekanntwerden des Insolvenzantrages bereits die Bemühungen auf Hochtouren, Gäste auf andere Airlines umzubuchen.

Eventuell anfallende Kosten – zum Beispiel für eine Zusatzübernachtung an einem Urlaubsort – würden übernommen, teilten mehrere Veranstalter mit. Weniger weit reichen die Rechte von Reisenden, die ihre Tickets direkt bei Germania gebucht haben. Sie müssten sich selbst um Ersatzflüge kümmern und ein zweites Mal für Tickets bezahlen. Wer als Direktbucher kurz vor einer mit Germania geplanten Reise steht und nun überlegt, diese abzusagen, sollte bedenken: Weitere gebuchte Leistungen wie Hotelübernachtungen und ein Mietwagen am Ziel stehen ja zur Verfügung und müssten auch bezahlt werden, wenn die Anreise an den Urlaubsort unterbleibt. (dpa)

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