Eichenprozessionsspinner-Plage
Abzocke bei der Insekten-Beseitigung

Düsseldorf/Münster -

Diese Menschen schlagen aus dem Notruf Kapital: Die Verbraucherschützer in NRW warnen vor Abzocke bei der Beseitigung der Nester für Insekten. Besonders krass ist die Masche beim Eichenprozessionsspinner.

Montag, 15.07.2019, 13:55 Uhr aktualisiert: 15.07.2019, 14:20 Uhr
Überall im Münsterland warnen Schilder vor dem Eichenprozessspinner. Bei der Beseitigung der Nester mischen auch dubiose Firmen mit.  Foto: Mareike Stratmann

Die Verbraucherzentrale in NRW hat vor zu hohen Rechnungen von unseriösen Anbietern bei Insektenplagen gewarnt. Viele Geplagte von Wespen und Eichenprozessionsspinnern fielen auf Schädlingsbekämpfer ohne Sachkunde, aber mit überzogenen Rechnungen herein, erklärten die Verbraucherschützer am Montag in Düsseldorf. Üblich für die Entfernung von Wespennestern seien etwa Preise zwischen 80 und 150 Euro einschließlich Anfahrt, je nach Größe und Erreichbarkeit des Nestes auch mehr. Verbraucher hätten der Zentrale aber von Rechnungen in Höhe von bis zu 700 Euro für einen halbstündigen und dilettantischen Einsatz berichtet.

Die Polizei in Coesfeld berichtete von einem Fall, in dem Schädlingsbekämpfer für die Entfernung eines Nestes des Eichenprozessionsspinners den Wucherpreis von 1653,74 Euro kassiert hatte.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

Zugleich pochten die Verbraucherschützer auf die Beachtung des Arten- und Naturschutzes. Wespen dürften nicht ohne triftigen Grund gefangen, gestört, umgesiedelt oder getötet werden. Hornissen seien sogar noch stärker geschützt. Vernünftige Gründe haben den Angaben zufolge etwa Haushalte mit kleinen Kindern oder Allergikern, bei denen ein Wespenstich tödlich enden kann. Nur Experten dürften entscheiden, ob ein Nest beseitigt werden darf. Wer die Behausungen eigenmächtig entferne, riskiere eine Geldbuße von bis zu 50.000 Euro.

Warnung vor 0800- und Handynummern

Als richtige Ansprechpartner empfiehlt die Verbraucherzentrale etwa Imker, zugelassene Schädlingsbekämpfungsunternehmen, Kammerjäger und einige Umweltschutzorganisationen. Auch Berufsverbände der Schädlingsbekämpfer sowie Stadtverwaltungen oder Umweltämter helfen bei der Suche nach Fachleuten aus dem Umkreis, wie es hieß. Vor der Wahl von 0800-Nummern oder Handynummern warnte die Zentrale hingegen, da sie nicht selten zu Call Centern führten, die den Kontakt zu vermeintlichen Experten vermittelten. Die Firmensitze lägen meist nicht in unmittelbarer Umgebung, weshalb die Kosten für die Anfahrt sich erhöhten.

Die Verbraucherzentrale rät zudem dazu, mit dem Notdienst einen Festpreis zu vereinbaren und niemals sofort an der Haustür zu zahlen. Erscheine die Rechnung zu hoch, solle allenfalls eine Anzahlung geleistet und die Rechnung geprüft werden, zum Beispiel durch die Verbraucherzentrale.

Eichenprozessionsspinner sorgt weiter für Aufregung

Vor allem der Eichenprozessionsspinner sorgt in weiten Teilen des Münsterlandes nach wie vor für große Aufregung. Obwohl die Verpuppung der Raupe fast abgeschlossen ist, geben die Experten aus den Gesundheits- und Forstämtern keine Entwarnung. Allein die Stadt Münster registriert zur Zeit pro Woche 600 Mails von Bürgern.

Auch die zuständigen NRW-Ministerien für Gesundheit und Landwirtschaft fordern die Bevölkerung auf, bei Kontakten mit dem Prozessionsspinner und Auffälligkeiten einen Arzt aufzusuchen. Auch in den kommenden Jahren dürfte die Verbreitung des Prozessionsspinners weiter gehen [WN+]. „Wir müssen damit rechnen dass das Tier bei uns bleibt. Er gehört zu unserem Ökosystem“, sagt Heinz Peter Hochhäuser vom Landesbetrieb Wald und Holz in Münster.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
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