Ausstellung „Päpste des Pop“ im Rockmuseum
Fundstücke aus einem riesigen Archiv

Gronau -

Für Pop-Päpste sind „heilige Hallen“ ein angemessenes Umfeld. Reinhard Lorenz hatte kein Problem damit, diesen Begriff auf das Rock‘n‘Popmuseum anzuwenden. Ist das Haus doch für viele Musikfans mittlerweile eine Art Pilgerstätte.

Montag, 08.05.2017, 07:05 Uhr

Die Plakate von Günther Kieser sind Blickfänger in der neuen Sonderausstellung.
Die Plakate von Günther Kieser sind Blickfänger in der neuen Sonderausstellung. Foto: Martin Borck

Für Pop-Päpste sind „heilige Hallen“ ein angemessenes Umfeld. Reinhard Lorenz hatte kein Problem damit, diesen Begriff auf das Rock‘n‘Popmuseum anzuwenden. Ist das Haus doch für viele Musikfans mittlerweile eine Art Pilgerstätte. Lorenz, Vorstand der Lippmann-und-Rau-Stiftung (Träger des Musikarchivs in Eisenach ) sprach am Freitagabend zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung im Museum. Die Exponate stammen aus dem Archiv in Eisenach. Fundstücke , die die Bedeutung der beiden Konzertveranstalter für die deutsche Populärmusik-Geschichte belegen. Aber nicht nur das.

Schon beim ersten kurzen Rundgang stößt man auf die Poster des begnadeten Grafikdesigners Günther Kieser. Er prägte in den 60er- und 70-Jahren das Genre musikbezogener Plakate. Das Exemplar zur 69er-Tour von Jimi Hendrix ist legendär. Kiesers Poster gelten zurecht als Ikonen.

Welche Stücke wählt man aus einem Tausende Gegenstände umfassenden Archiv als Exponate aus, ohne dass die Ausstellung unübersichtlich wird? „Päpste des Pop“ kann nur Schlaglichter werfen auf die Entwicklungen, die Lippmann und Rau angestoßen und begleitet haben. Dass sie selbst ihrerseits Einflüssen ausgesetzt waren, zeigt eine Hommage an Günter Boas. Der deutsche Jazz- und Blues-Pionier und Autor legendäre Jazzsendungen im Sender AFN war ein langjähriger Weggefährte der beiden Veranstalter. Boas unterhielt enge Freundschaften zu Musikern wie Louis Armstrong und Muddy Waters. (Wer dessen frühere Adresse in Chicago wissen möchte: Im Museum kann man es erfahren.)

Boas starb 1993. Sein Nachlass bildete den Grundstock für das Archiv: Schallplatten, Zeitschriften, Fotos, Briefe und so weiter. Auch Hazy Osterwald stellte Material zur Verfügung, angesehene Musikfotografen wie Axel Küstner und Stephanie Wiesand ebenso.

Fritz Rau hatte vor knapp zehn Jahren im Rockmuseum aus seiner Autobiografie gelesen, die einen faszinierenden Einblick in die aufregenden Anfangsjahre seiner Tätigkeit bot. Das Schwarz-Weiß-Plakat eines Konzerts im Heidelberger „Cave 54 “ aus den 50er-Jahren zeugt von den frühen Aktivitäten Raus.

Die Ausstellung widmet auch der deutschen Musikszene Raum. „L+R“ organisierten Tourneen von Bands wie Passport, Udo Lindenberg, den Scorpions und vielen anderen. Zu den Exponaten dieser Phase gehört ein zerdeppertes Keyboard von Jean-Jacques Kravetz vom Panikorchester. Das Instrument wurde zerstört, als vor einer Show in Augsburg eine Lichttraverse auf die Bühne stürzte. Wäre das während der Show passiert – Kravetz wäre wohl tot gewesen.

Wie das Kravetz-Keyboard stehen die Exponate für Geschichten. Seien es nun Skizzenbücher von Joan Baez oder ein paar geschriebene Zeilen von Mick Jagger. Sie bieten in Verbindung mit den über Audioguides abzuhörenden Musikbeispielen einen faszinierenden Einblick – aber bei weitem keinen Gesamtüberblick über den Fundus des Archivs.

Während der Ausstellungseröffnung stellte Anna Seidel von der Universität Münster das neue Archivnetzwerk Pop vor (wir berichteten). Vertreter der fünf daran beteiligten Institutionen nahmen dessen neue Internetpräsenz in Betrieb.

 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4817781?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Beim Nachbarn abgegeben - Jura-Klausuren sind wieder da
Prüfungs-Panne: Beim Nachbarn abgegeben - Jura-Klausuren sind wieder da
Nachrichten-Ticker