Ausstellung über Paula Modersohn-Becker im Rijksmuseum Twenthe
Zwischen Worpswede und Paris

Enschede -

Die 700 Seelen zählende, im Teufelsmoor bei Bremen gelegene Künstlerkolonie Worpswede und die mondäne Millionenstadt Paris: Einen größeren Kontrast kann man sich kaum vorstellen. Die junge Paula Modersohn-Becker (1876 bis 1907) lässt sich von beiden Orten inspirieren. Sie wird zu einer der innovativsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Das Rijksmuseum Twenthe in Enschede widmet ihr derzeit eine Sonderausstellung. Das Museum zeigt 20 Gemälde von ihr sowie 30 von weiteren Künstlern aus Worpswede und internationalen Avantgardisten wie Auguste Rodin, Paul Cézanne, Edvard Munch und Pablo Picasso.

Dienstag, 17.04.2018, 11:04 Uhr

Paula Modersohn-Becker: Porträt eines jungen Mädchens mit Strohhut Foto: Von der Heydt-Museum

Paula Becker unternimmt ihre ersten Schritte in der Kunst in London und Berlin. 1898 siedelt sie sich in Worpswede an. Sie will unbedingt Künstlerin werden. Sie erhält Unterricht bei Fritz Mackensen, freundet sich mit dem Art-Nouveau-Maler Heinrich Vogeler an und heiratet Otto Modersohn. Sie schätzt die Landschaft, die Ruhe und die Menschen in dem kleinen Dorf. Aber ihre künstlerischen Ambitionen gehen über das hinaus, was Worpswede ihr bieten kann.

Am 31. Dezember 1899 macht sie sich daher auf den Weg nach Paris. Sie wird sich insgesamt viermal längere Zeit in der französischen Hauptstadt aufhalten. Sie besucht dort die großen Museen und die Ausstellungen zeitgenössischer Künstler, nimmt Unterricht an verschiedenen Kunstakademien und lernt die experimentelle Kunst der internationalen, post-impressionistischen Avantgarde kennen und, wie es aus ihrem Werk scheint, schätzen: den Expressionismus von Vincent van Gogh, die starken Linien und flachen Farbflächen von Paul Gauguin und den Künstlern von Les Nabis; das konstruierte Werk von Paul Cézanne. Mit der intensiven Bildhauerkunst von Auguste Rodin fühlt sie sich eng verbunden.

Paula Modersohn-Becker ist stets hin- und hergerissen: In Worpswede denkt sie schnell an das pulsierende Leben in Paris, in Paris wiederum vermisst sie die Ruhe und Schönheit von Worpswede. Die Suche nach der Balance zwischen einem einfachen Leben auf dem Land in Worpswede und dem künstlerischen Experiment im großen Paris bestimmt ihr Werk.

Inspiriert durch Cézannes Visionen und durch die Werke von Rodin, Gauguin, van Gogh, Munch, Picasso und anderen Meistern der Avantgarde entwickelt sie eine eigene Bildsprache, die in Deutschland jedoch nicht gleich auf Verständnis stößt. Doch lässt sie sich nicht entmutigen und profiliert sich in einer von Männern dominierten Kunstwelt. Sie malt Porträts, Mütter mit Kind und Akte, für die Dorfbewohner Modell stehen. Auch die Moorlandschaft hält sie fest.

1907 stirbt Paula Modersohn-Becker mit 31 Jahren an den Folgen einer Embolie kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Zeit ihres Lebens hat sie nur drei ihrer Bilder verkauft, darunter ein Stillleben an Heinrich Vogeler und das Porträt eines Babys an den Dichter Rainer Maria Rilke. Die beiden sowie der Bildhauer Bernhard Hoetger sind es, die nach ihrem Tod dafür sorgen, dass ihr Name nicht vergessen wird. Sammler wie Ludwig Roselius und August von der Heydt beginnen einige Jahre nach ihrem Tod, ihre Gemälde zu kaufen. Damit wird der Grundstock für imposante Sammlungen in Bremen und Wuppertal gelegt.

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Die Sonderausstellung ist bis zum 12. August dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Rijksmuseum Twenthe in Enschede zu sehen. Ein Katalog ist sowohl auf Deutsch als auch auf Niederländisch für 19,90 Euro erhältlich. Der Eintritt kostet 12,50 Euro, Jugendliche bis 17 Jahren gratis, die Familienkarte für ganz 2018 (zwei Erwachsene drei Kinder, auch im Museum Twentse Welle gültig) kostet 20 Euro.

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