Sommerkrimi, Folge 15
Geheimakte Ackerbürgerhaus

Tatsächlich: Es ist Kalle Schmusen. Als Freiberufler, freier Wildbrettschütz, Freiluft-Fanatiker, free-jazzender Jagdhornbläser und Freigeist hat sich der Gronauer Architekt vor Jahren den Freien Demokraten („F.D.P.“) angedient und eine raketenhafte Karriere hingelegt. Die hat ihn bis in den Bundestag geführt. „Schmusen?“, fragt Blösing. „Der hat doch letztens noch einen kleinen Unfall in Epe gehabt. Der ist beim Abbiegen in den Amtsweg gegen das Torfstecherdenkmal gefahren. Hat mir Michael Thymian erzählt. Zum Glück hat’s nur eine Schramme an seinem Mercedes gegeben . . .“

Dienstag, 21.08.2018, 19:50 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 21.08.2018, 19:47 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 21.08.2018, 19:50 Uhr
Klaus Wiesel haut Kalle Schmusen auf die Schulter. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

„Was machst du denn hier?“, haut Wiesel seinem alten Bekannten auf die Schulter. – „Ich kann doch das Feld nicht kampflos dem politischen Gegner überlassen“, sagt Schmusen. „Jens Spark muss man im Wahlkreis Paroli bieten. Ich nehme meine Oppositionsrolle ernst. Außerdem kann ich das Grundstück in Augenschein nehmen, auf dem das Ackerbürgerhaus wieder aufgebaut werden soll.“ – „Woher wissen Sie etwas vom Ackerbürgerhaus?“, platzt Blösing heraus. Er erntet fragende Blicke von Wiesel, Burg und Schmusen. „Was ist denn damit?“, will Burg wissen. Blösing winkt ab: „Erstmal möchte ich wissen, was Sie mit dem Ackerbürgerhaus vorhaben.“ – „Von mir aus“, meint Schmusen. „Ich muss aber ein wenig ausholen. Ich hatte doch vorige Woche meinen Parteichef Patrick Lindner zu einem öffentlichen Vortrag auf mein Anwesen eingeladen. Ein ausgezeichneter Rhetoriker, dieser Mann – und so smart.“ – „Jaja, weiter“, drängelt Blösing. – „Nun, unter den Gästen befand sich auch ein Mitglied des Eper Heimatvereins: Josef Pfeifer. Wir kamen ins Gespräch, kamen von Hölsken auf Stöcksken, er erzählte was vom Vereinsjubiläum und dem Eper Schul-Buch. Und ich sagte ihm, dass sich der Heimatverein doch toll entwickelt habe und Epe insgesamt doch auch ein richtiges Schmuckstück sei. Und dann änderte sich plötzlich sein Verhalten. Er sagte, er wolle mich ins Vertrauen ziehen. Ich hätte doch auch Erfahrung bei der Restaurierung und dem Wiederaufbau von denkmalgeschützen Gebäuden. Ob ich nicht Interesse hätte, das alte Ackerbürgerhaus in Epe wiederzuerrichten. Er könne da was deichseln, er habe Einfluss bei den Behörden, und eine Fläche habe er auch schon ausgeguckt . . .“ – „Das Angebot kam also wie aus heiterem Himmel?“ – „Ja. Wie gesagt, ich lobte Epe. Da fühlte er sich wohl geschmeichelt. Ha, ich hatte allerdings gerade einen Witz gemacht: dass das blöde Torfstecherdenkmal weg müsse. Ich wollte ihm auch sagen, warum: weil ich nämlich letzte Woche dagegengefahren bin. Sonst finde ich das Denkmal ja wunderschön. So realistisch. Aber dazu, das zu sagen, bin ich gar nicht gekommen, weil er mir den Vorschlag mit dem Ackerbürgerhaus gemacht hat.“ – „Und Sie haben zugesagt?“ – „Natürlich. So ein Projekt lasse ich mir doch nicht entgehen. Allerdings wird mein Sohn Mark für die tatsächliche Umsetzung sorgen. “ – „Hat Pfeifer noch was gesagt?“, will Wiesel wissen. – „Er hat noch irgendwas davon gebrummelt, dass Martin sich den Auftrag in die Haare schmieren könne oder so. Und irgendwas von Kulturbanause.“ – „Na, da kann Pfeifer aber nicht mich gemeint haben“, reagiert Martin Burg. „Ein Kulturbanause bin ich ja nun wirklich nicht.“ – „Aber jetzt sagt mir doch, warum ihr so ein großes Interesse am Ackerbürgerhaus und Pfeifer habt?“, will Schmusen wissen. – „Haben Sie es nicht gehört?“, fragt Frühling zurück. „Pfeifer ist doch in der vergangenen Nacht getötet worden.“ – „Was? Ach herrje! Nein, ich wusste von nichts.“

„Und welche Rolle spielt dabei das Ackerbürgerhaus?“, will nun Wiesel von Blösing wissen. Der ringt offensichtlich mit sich. „Okay, ich verrate euch das Geheimnis: Pfeifer hatte einen Deal mit dem Stadtbaurat. Dicker sollte in Politik und Verwaltung dafür sorgen, dass das Ackerbürgerhaus wiederaufgebaut werden kann. Das war wohl ein Herzenswunsch von Pfeifer. Dafür sollte Pfeifer dem Stadtbaurat bei einer anderen Sache unterstützen.“ – „Bei was?“ – „Das tut hier nichts zur Sache.“ – „Pfeifer wollte also das Ackerbürgerhaus wiedererrichten lassen. Dazu braucht er auch die Unterstützung eines geeigneten Architekten. Wenn ich Kalle jetzt richtig verstanden habe, könnte Pfeifer zunächst einen anderen Architekten im Auge gehabt haben.“ – „Natürlich: Martin Durst!“, ruft Frühling. – „Möglicherweise“, sagt Blösing. „Ich rufe mal bei Dicker an und frage ihn, ob Pfeifer jemanden im Auge gehabt hat.“

Zwei Minuten später hat er die Bestätigung. „Tatsächlich: Pfeifer hat Dicker gegenüber zuerst Martin Durst als geeigneten Architekten vorgeschlagen, dann aber vorgestern bei einem Telefonat Kalle Schmusen als Favoriten ins Gespräch gebracht.“ – „Warum der Sinneswandel?“, fragt sich Burg. – „Guckt mich nicht so an. Ich habe keine Ahnung“, meint Kalle Schmusen. „Warum fragt ihr nicht Martin Durst? Vielleicht weiß er ja, warum er in Ungnade gefallen ist.“ – „Ich ruf mal in seinem Büro an und frag, ob wir ihn sprechen können“, bietet Burg an. Einen Anruf später berichtet er: „Er ist bei der Werbeagentur ,Springender Punkt‘. Die ist am Amelandsbrückenweg.“ – „Dann mal nix wie hin“, sagt Frühling. 

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