Prozess: Gronauer soll Baby totgeschüttelt haben
Vater nach Säuglings-Tod: „Ich wollte ihm nichts antun“

Gronau/Münster -

Es war keine Absicht. Niemals habe er sein Kind umbringen wollen. So stellte zumindest der Vater sein Verhalten zu der Zeit dar, als sein Sohn plötzlich „seltsam“ reagierte. Denn: Der Blutzuckerspiegel des Säuglings war hoch, wie die Oma nachmaß. „Er hat das letzte Fläschchen von mir nicht mehr angenommen und nur an dem Sauger genuckelt“, sagte der 25 Jahre alte Vater am Montag vorm Landgericht Münster.

Montag, 26.11.2018, 19:09 Uhr aktualisiert: 26.11.2018, 19:55 Uhr
Foto: Bernd Thissen, dpa

Das Kind – der zweieinhalb Monate alte Igor – starb am 26. Juni in einer Spezialklinik in Groningen nach einer massiven Hirnblutung und einer Hirnschwellung an zentralem Herz- und Kreislaufversagen. Zuvor hatte ihn der Vater ins Krankenhaus nach Enschede gebracht, von wo aus er per Nottransport nach Groningen kam.

Verursacht haben sollen die schweren inneren Verletzungen starke Schüttelbewegungen des Vaters an dem Kind drei Tage zuvor. Er soll den Säugling, ohne den Kopf zu halten, mehrmals nach vorn und nach hinten und von rechts nach links bewegt haben. Die Anklage gegen den Vater lautet auf „Körperverletzung mit Todesfolge“.

"Ich bin nicht panisch geworden"

Nach dem Tod des Kindes hatte die Groninger Klinik einen Hinweis zu möglicher Kindesmisshandlung als Ursache für die Verletzungen an die Behörden in Deutschland gegeben. Die Polizei verhörte den Mann, am 29. Juni wurde er in Untersuchungshaft genommen.

Unter Tränen erklärte der Vater, dass die Reaktionen seines Kindes ihn erst nicht beunruhigt hätten. „Ich bin nicht panisch geworden. Ich dachte, er hat keinen Hunger mehr und ist müde.“ Die Oma des Kindes habe veranlasst, dass ein Krankenwagen kam.

Angeklagter macht widersprüchliche Aussagen 

Der Hilfsarbeiter gab bei Gericht eine andere Fassung dessen an, was er bei der Polizei ausgesagt hatte. Die Richterin zitierte: „Ich habe erst ein bisschen mit ihm gespielt. Dann kam ich auf diese doofe Idee, ihn zu schütteln.“ Doch das habe er der Polizei lediglich gesagt, weil er wollte, „dass die Vernehmung zu Ende geht“, erklärte der Mann am Montag, und „damit niemand anderes aus meiner Familie“ belangt würde. Er habe das Kind nie geschüttelt.

Nach einer Beratungspause mit seinem Anwalt sagte er dann: „Der Kopf fiel zur Seite, es kann auch nach vorne gewesen sein. Ich habe mich bemüht, das vorsichtig zu machen. Ich wollte ihm nichts antun.“

Kind sei gestürzt

Eine Ursache für Verletzungen, so hatte er zu Beginn der Verhandlung erklärt, sei womöglich ein Sturz des zwei Jahre alten Sohnes der Familie über den Säugling gewesen. Dabei sei der auf die „Brust oder dem Kopf“ des Bruders gefallen.

Die Mutter des Opfers ordnete manche Situationen ihres Mannes mit dem Kind zeitlich anders ein und widersprach Abläufen, die er genannt hatte.

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