THW-Übung mit Dieselaggregat
Wenn „Gertrud“ tuckert

Gronau/Nordhorn -

Stromausfall im Krankenhaus – was sich gefährlich anhört, war vor einer guten Woche in der Nordhorner Euregio-Klinik zum Glück nur eine Übung des Technischen Hilfswerks (THW). Die Fachgruppen „Elektroversorgung“ der benachbarten THW-Ortsverbände Gronau und Nordhorn bekamen während einer geplanten Abschaltung des Stroms nämlich die Möglichkeit, das Radiologie-Zentrum mit ihren Notstromaggregaten zu versorgen. Wie kam es dazu?

Montag, 06.05.2019, 10:00 Uhr
Die Gronauer und Nordhorner THW-Helfer mit Elektromeister Kevin ten Winkel (Mitte) vor dem Gronauer Notstromaggregat „Gertrud“.

Die Idee zur Übung hatte der Elektromeister Kevin ten Winkel von der Firma Vrielmann aus Nordhorn, die die Euregio-Klinik in den Themen Energie- und Notstromversorgung betreut. Das Krankenhaus ist problemlos in der Lage, die vom Gesetzgeber geforderten kritischen Systeme mit seinen Notstromerzeugern zu versorgen, doch aufgrund einer geplanten Wartung eines Hochspannungstrafos am Krankenhaus sollte für einen halben Tag der Strom in der Radiologie-Abteilung abgestellt werden. Statt einfach die Krankenhaus-Aggregate zu benutzen, boten die Euregio-Klinik und Firma Vrielmann dem THW an, die Möglichkeit für eine Übung zu nutzen. Für den unwahrscheinlichen Fall dass alle Sicherungssysteme im Krankenhaus versagen, würde wohl das THW zum Einsatz kommen.

Mehr als schlauchdicke Kabel verlegen THW-Truppführer Kevin Ostenried (l.) und Maschinist Patrick Strube aus Gronau von ihrem Notstromaggregat „Gertrud“, um die Radiologie des Nordhorner Euregio-Klinikums mit Strom zu versorgen.

Mehr als schlauchdicke Kabel verlegen THW-Truppführer Kevin Ostenried (l.) und Maschinist Patrick Strube aus Gronau von ihrem Notstromaggregat „Gertrud“, um die Radiologie des Nordhorner Euregio-Klinikums mit Strom zu versorgen. Foto: Ralf Kosse

Dieser Einsatz wurde nun simuliert, die beiden THW-Fachgruppen setzten dabei ihre neuesten Errungenschaften ein: zwei Notstromerzeuger mit einer Leistung von je 200 KVA, mit denen man einige Straßenzüge versorgen könnte. Beide Aggregate sind gerade einmal anderthalb Jahre alt und sozusagen „Schwestergeräte“ aus derselben Auslieferung. Sie können zusammengeschaltet werden und dadurch weit über 300 000 Watt Strom erzeugen. Das reichte locker, um die Radiologie zu versorgen, in der zu dieser Zeit keine Patienten untersucht wurden. Jedoch waren über 100 Kilowatt Strom erforderlich, um alle Systeme am Laufen zu halten. Insbesondere die Helium-Kühlungen der MRT-Geräte durften nicht ausfallen, da sonst ein hoher finanzieller Schaden entstanden wäre.

Umschalten verursacht nicht mal ein Flackern

Bereits um 6 Uhr morgens verlegten die ehrenamtlichen Elektrofachkräfte des THW Anschlusskabel, die dicker als Gartenschläuche sind. Die Aggregate wurden verschaltet und synchronisiert, und schließlich der gesamte Radiologie-Trakt mit dem „blauen“ THW-Strom versorgt. Beim unterbrechungsfreien Umschalten lief drinnen alles wie gewohnt, draußen tuckerten die Diesel-Aggregate „Gertrud“ aus Gronau und ihre Nordhorner „Schwester“ gemütlich im Regen, als wäre nichts passiert. Kevin ten Winkel zeigte sich gelassen: „Der Aufbau heute lief professionell, wie von Hilfsorganisationen wie dem THW gewohnt. Hier zählt Teamfähigkeit – durch die Zusammenarbeit ist heute alles ohne Probleme vonstatten gegangen.“ Die Gruppenführer der THW-Elektrofachgruppen, Michael Dierselhuis (Gronau) und Björn Hoesmann (Nordhorn) zeigten sich stolz auf ihre Mannschaft: „Das ist eine Truppe, auf die man sich verlassen kann!“, so Dierselhuis. Auch die gemeinsame Zusammenarbeit mit dem Nachbar-Ortsverband verlief bestens – es wird nicht die letzte Übung bleiben.

Am frühen Nachmittag war die Wartung der Trafoanlage beendet und die THWler konnten ihre Technik wieder abbauen. Nicht einmal ein Flackern der Lampen gab’s während der Umschaltung in den langen Gängen der Radiologie, und unbemerkt war alles wieder beim Alten.

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