„Lange Liste an Beweisen“ im Vierfachmord-Prozess
Staatsanwalt will „alternatives Szenario“ prüfen lassen

Almelo/Enschede -

Gegen einen der drei Angeklagten im Vierfachmord von Enschede gibt es eine neue Spur. Doch es gibt auch eine neue Entwicklung, die in eine ganz andere Richtung weist. Das wurde am Freitag bei einer Sitzung des Almeloer Gerichts deutlich.

Freitag, 24.05.2019, 12:19 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 13:31 Uhr
Im Almeloer Gericht findet der Prozess wegen des vierfachen Mores in Enschede statt. Foto: mb

Angeklagt sind Camil A. und seine beiden Söhne Denis und Dejan. Sie sollen am 13. November in einem Growshop in Enschede vier Menschen erschossen haben. DNA-Spuren am zerstörten Kabel einer Überwachungskamera konnten nun Dejan A. zugeordnet werden, so der Staatsanwalt. Außerdem lägen weitere Indizien und Spuren vor, die auf die drei als Beteiligte hinweisen.

Ein Szenario, das der unabhängige niederländische Journalist Hendrik Jan Kortering aufgrund von Gesprächen mit unterschiedlichen Quellen im Milieu recherchiert hat, weist dagegen in eine andere Richtung. Ihm zufolge steckt eine Frau aus Mexiko hinter den Morden. Sie soll damit den Tod ihres Zwillingsbruders und ihrer Tochter gerächt haben, die angeblich im Frühjahr 2018 in Hengelo umgebracht wurden. Der Bruder soll versucht haben, je 100 Kilo Heroin und Kokain zu verkaufen. Die Drogen sollen bei dem Inhaber des Growshops gelandet sein, der schließlich zu den Opfern gehörte.

Keine Blutspuren auf dem Fahrersitz

Der Staatsanwalt bestätigte, dass Kortering ihn über seine Erkenntnisse informiert habe. Sein „alternatives Szenario“ werde in die Ermittlungen der Behörde einbezogen. Tatsächlich – so bestätigte er am Freitag – wurden an einer sichergestellten Patronenhülse DNA-Spuren einer Frau entdeckt. Doch ob es von der Mexikanerin stammt – die derzeit eine Haftstrafe in Venezuela verbüßt – müsse untersucht werden. „Dafür braucht man zum jetzigen Zeitpunkt aber kein Rechtshilfeersuchen an die Behörden in Venezuela stellen“, meinte der Staatsanwalt. Man könne erst untersuchen, ob die DNA von einer Frau mittelamerikanischer Herkunft stamme.

Die Verteidiger versuchten, die von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise gegen ihre Mandanten zu entkräften. So seien keine Blutspuren auf dem Fahrersitz des Autos gefunden worden, mit denen die drei den Tatort verlassen haben sollen. Der Staatsanwalt dagegen sprach von einer langen Liste an Beweisen. So sei belegt, dass der Autositz gereinigt worden sei. Die Auswirkung des dabei offensichtlich von Dejan A. benutzten Reinigungsmittels auf Blutspuren werden derzeit untersucht.

Da diese und weitere Ermittlungen sich noch hinziehen, wird der Prozess erst Mitte August wieder aufgenommen. Die Angeklagten bleiben in Untersuchungshaft.

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