Gestaltungshandbuch und Satzung in Arbeit
Wert des Ortsbildes im Fokus

Epe -

Mit einem Gestaltungshandbuch und einer Satzung soll die städtebauliche Entwicklung in Epe mit gestalterischen Leitlinien in Einklang gebracht werden.

Donnerstag, 20.06.2019, 08:37 Uhr aktualisiert: 20.06.2019, 08:40 Uhr
Mit einem Gestaltungshandbuch und einer verbindlichen Satzung soll künftig die städtebauliche Entwicklung in Epe mit gestalterischen Leitlinien in Einklang gebracht werden. Im Bauausschuss wurde das Vorhaben mit guten und weniger guten Beispielen vorgestellt. Foto: Pesch &Partner

Wer mit offenen Augen durch den Eper Ortskern geht, sieht es: Da gibt es schöne Häuser, die auch Jahrzehnte nach ihrer Errichtung die Architektur ihrer Zeit widerspiegeln. Aber es gibt auch die andere Seite: Neubauten, die so gar nicht in die umgebende Bebauung passen. Oder Immobilien, bei denen – etwa durch das Einfügen moderner Geschäftsfassaden – die einst harmonischen Strukturen bis zur Unkenntlichkeit zerstört wurden. Genau hier setzt ein Projekt an, das Verwaltung und Politik jetzt auf den Weg bringen: Mit einem Gestaltungshandbuch und einer Satzung soll die städtebauliche Entwicklung in Epe mit gestalterischen Leitlinien in Einklang gebracht werden.

Stadtplaner und Architekt Andreas Bachmann sowie Raumplaner Felix Kutzera vom Dortmunder Stadtplanungsbüro Pesch & Partner stellten am Dienstagabend im Bauausschuss die Ergebnisse ihrer Arbeit vor, für die sie sich zuvor „intensiv mit den Stärken, Schwächen und Besonderheiten des Ortsbildes auseinandergesetzt“ hatten, wie Kutzera es formulierte.

Die Aufgabe dahinter: Verbindliche Leitlinien zu entwickeln, die die Attraktivität des Eper Kerns sichern und künftig gestalterische Fehlentwicklungen vermeiden helfen sollen. Wirksam werden sollen die neuen Regeln immer dann, wenn Bauten oder Bauteile errichtet oder geändert werden. Zudem geht es um den Bestandsschutz bestehender Anlagen.

Ausgehend vom historischen – im Laufe der Zeit aber veränderten – Grundriss des Ortes, seinen diversen Nutzungsarten und Besonderheiten (etwa Denkmäler) definierte Kutzera das Ziel „Charakteristika des Ortes aufzunehmen und die Gestaltung dezidiert auf einzelne Räume anzupassen“.

Wie das im Detail aussehen kann (oder besser auch nicht), machte sein Kollege Bachmann anhand zahlreicher Beispiele aus Epe und anderen Kommunen sichtbar. „Wir arbeiten dabei vom Großen ins Kleine“, so der Stadtplaner – also ausgehend von Baukörpern und Geschossen über Dachformen und Dachaufbauten, Materialien und ihre Farbigkeit, Fassadengliederung, Vordächern bis hin zur Gestaltung von Werbeanlagen und einsehbaren Freiflächen. Oberstes Ziel dabei: „Der Nutzeranspruch soll mit guter Gestaltung einhergehen.“ Bachmann zeigte hier Beispiele, bei denen „im Kahlschlag wie mit der Fräse“ im Untergeschoss riesige Schaufensterfronten in Immobilien geschnitten wurden, sich in der späteren Nutzung aber als überdimensioniert und/oder überflüssig zeigten. Bei Umbauten, so machte er deutlich, sollte es darum gehen, den Typus des Gebäudes bei Veränderungen zu berücksichtigen. „Weniger ist manchmal mehr“, so Bachmann – auch mit Blick auf Werbeanlagen. Bei Neubauten müsse der Anspruch sein, den bestehenden Stadtgrundriss des Ortes zu berücksichtigen, zu vervollständigen oder wiederherzustellen. Dass das nicht immer mit zusätzlichen Kosten verbunden sein muss, sondern vor allem mit guten Ideen lösbar ist, belegte Bachmann ebenfalls mit Bildern. Wichtig sei vor allem auch, die Bürger für den Wert ihres Ortsbildes, das viele im Alltag oft nicht wahrnehmen, zu sensibilisieren.

Stadtbaurat Ralf Groß-Holtick machte eingangs im Ausschuss das weitere Vorgehen deutlich: Für den 2. Juli (Dienstag) ist demnach eine öffentlich Vorstellung der jetzt im Ausschuss gezeigten Präsentation in Epe (19 Uhr Rundgang durch den Ort, danach Diskussion in der Latüchte) geplant. Die Anregungen der Bürger und der Politik sollen in die weitere Beratung einfließen, die Verabschiedung von Gestaltungshandbuch und Satzung sei für den Herbst geplant. Diese Satzung wäre dann – wie ein Bebauungsplan – für künftige städtebauliche Entwicklungen in Epe verbindlich. Groß-Holtick betonte indes auch, dass es für die Umsetzung mehr als nur eines Satzungsbeschlusses bedürfe: Es gehe um „fordern und fördern“, so der Stadtbaurat, um Bauherren und Bürger mitzunehmen. „Wir müssen über einen Förderungskatalog nachdenken, damit wir am Ende keinen Papiertiger haben.“ Zudem müsse, so der Stadtbaurat weiter, sichergestellt werden, dass die Stadt auch den mit einer solchen Satzung einhergehenden Beratungsbedarf leisten könne.

„Wir begrüßen diesen Schritt und sind damit auf dem richtigen Weg“, lobte Martin Dust (CDU) das angestrebte Ziel. Den „grundsätzlichen Ansatz begrüßenswert“ fand Jörg von Borzyskowski (UWG). Von einem „guten ersten Schritt“ sprach auch Chris Breuer (SPD), Lob gab es zudem von Markus Busen (FDP).

Kritisch äußerte sich Ludger Hönerlage. Der CDU-Mann sah die Gefahr, dass Bauherren und Investoren durch eine „knüppeldicke Satzung“ gegängelt werden könnten, weil künftig andere die neue Regelung „wie eine Monstranz vor sich her tragen“ und darauf berufen könnten, „dass es nur noch genau so gehen kann“. Er habe Zweifel, ob die Satzung „das Gelbe vom Ei“ sei.

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