Projekte in Brasilien verbinden wirtschaftliche Entwicklung mit Umwelt- und Klimaschutz
Markt der Möglichkeiten

Gronau/Epe -

Dass Wirtschaften und Umweltschutz kein Gegensatz sein müssen, hat der Franziskanerpater Beda aus der Bardel bereits in den 70er-Jahren erkannt. Der Aktionskreis Pater Beda ist ein wichtiger Motor dieses Projekts, das wiederum aus ganz vielen Maßnahmen besteht. Die aus Epe stammende Maria Elisabeth Detert gehört zu den Koordinatoren. Jetzt war sie mit vier brasilianischen Mitstreitern bei den WN, um über das Projekt und die Fortschritte zu berichten.

Freitag, 20.09.2019, 09:09 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 09:20 Uhr
Der aus Epe stammende Bischof Edilbert Dinkelborg ist im Nordosten Brasiliens ein Begriff. Das in der WN-Redaktion hängende Foto aus Anlass der Heimatprimiz des Bischofs stieß bei (v.l.) Raimundo Benedito Soares, Maria Elisabeth Detert, Ivonita Santos Alves, Jose Ronaldo Cavalcante und Helder Chrsitian Pereira Ramos auf großes Interesse. Foto: Martin Borck

Dass Wirtschaften und Umweltschutz kein Gegensatz sein müssen, hat der Franziskanerpater Beda aus der Bardel bereits in den 70er-Jahren erkannt. Er und die Aktiven seines Aktionskreises sammelten damals schon Textilien und Altpapier. Die Erlöse gingen an Projekte in Nordost-Brasilien. Nachhaltigkeit, Schutz des Regenwalds, alternative Produktweisen – damit beschäftigt sich seit zwei Jahren auch das Projekt „Markt der Möglichkeiten“ im Nordosten Brasiliens. Also schon lange bevor Schulstreiks das Klimathema ins Bewusstsein der Westeuropäer katapultierten. Der Aktionskreis Pater Beda ist ein wichtiger Motor dieses Projekts, das wiederum aus ganz vielen Maßnahmen besteht. Die aus Epe stammende Maria Elisabeth Detert gehört zu den Koordinatoren. Jetzt war sie mit vier brasilianischen Mitstreitern bei den WN , um über das Projekt und die Fortschritte zu berichten.

Ivonita Santos Alves, Raimundo Benedito Soares, José Ronaldo Cavalcante und Helder Christian Perera Ramos stehen für auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Projekte: Zum einen geht es um alternative Produktionsweisen vor allem in der Landwirtschaft, im Einklang mit der Natur. Zum anderen gehören Kunsthandwerk und Kultur (Theater, Musik und Literatur) zu den Errungenschaften, die auf dem „Markt der Möglichkeiten“ ihren Absatz finden.

Ein Beispiel: „Reis und Fisch ist ein Pilotprojekt“, sagt Maria Elisabeth Detert. Der Reisanbau erfolgt auf eingedeichten Flächen, in denen kniehoch das Wasser steht. In einem Becken werden Fische gezüchtet – die zur ökologischen Ungezieferbekämpfung im Reis-Wasser eingesetzt werden. Auf den Dämmen drumherum wird Obst und Gemüse angebaut. Ein so bewirtschaftetes kleines Stück Land kann eine Familie locker ernähren. „Sie brauchen dann nicht mehr Regenwald abzuholzen.“

30 Nicht-Regierungsorganisationen arbeiten zusammen. Für das Projekt „Markt der Möglichkeiten“ gibt es einen Zuschuss des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Höhe von 497 000 Euro. Gut angelegtes Geld, findet Detert. Denn es wird in Wissen und Bildung investiert. Ein großer Kreis Menschen profitiert davon. „Den Menschen wird beigebracht, unternehmerisch zu denken. Sie lernen, marktwirtschaftliche Prozesse wie die Preisbildung zu verstehen. Das sind alles Themen, mit denen sie zuvor nie etwas zu tun hatten.“

Sogar bei den Projekten, die sich mit Kultur befassen, stellen sich Erfolge ein. „Es gibt Gruppen, die durchaus kritisches Theater machen und mit ihren Stücken auf Tournee gehen, und Musiker und Kapellen, die gegen Bezahlung engagiert werden können. Die Menschen beginnen, auf eigenen Füßen zu stehen“, sagt Detert. Über 1100 Maßnahmen mit 2800 Teilnehmern wurden durchgeführt. Die monatlich stattfindenden Märkte, auf denen der Direktverkauf der Produkte stattfindet, gelten als multikulturelle Ereignisse, als Treffpunkt für Menschen, bei dem Vorurteile der Stadt- gegenüber der Landbevölkerung abgebaut werden. „Das Verständnis und die Wertschätzung wachsen“, sagt Detert.

Die Erfolge sind sichtbar, dennoch müssen die Projekte weiter unterstützt werden. Einzelne Bürger können sich ebenso engagieren wie Firmen. Damit die Möglichkeiten weiter verwirklicht werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6941973?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F150%2F
Traktoren-Korso bremst am Dienstag den Verkehr aus
Bereits im April 2019 demonstrierten Landwirte aus dem Münsterland mit ihren Traktoren in Münster. 
Nachrichten-Ticker