Griechisch am Gymnasium Canisianum
Doch nicht auf verlorenem Posten

Lüdinghausen -

Im Frühjahr 2018 haben die letzten Schüler am Canisianum eine mündliche Abiturprüfung abgelegt. Derzeit wird die alte Sprache nur noch im Rahmen von zwei Arbeitsgemeinschaften vermittelt, sehr zum Bedauern von Griechischlehrer Edgar Dohmen.

Sonntag, 13.10.2019, 07:00 Uhr
Sie lernen im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft Griechisch am Canisianum (v.l.): Hagen Lübke, Felix Diekmann, Nico Hattrup und Konstantin Kettel mit ihrem Lehrer Edgar Dohmen. Krönender Abschluss ihres Lerneifers könnte der Besuch der Akropolis in Athen (kl. Foto) sein. Foto: Peter Werth

„G 8 war der Todesstoß für Griechisch“, ist Edgar Dohmen überzeugt. Seit 1999 hat er das Fach am Gymnasium Canisianum unterrichtet. Danach war abrupt die Zahl der Schüler, die sich für diese Sprache der Antike interessierten, gen Null gegangen. Im Frühjahr 2018 haben zum letzten Mal Schüler ihre mündliche Abiturprüfung am Cani abgelegt.

Für ihn selbst sei das damals ein sehr emotionaler Moment gewesen, sagt der Pädagoge. Griechisch sei für ihn eben deutlich mehr als ein Unterrichtsfach. Das gelte wohl auch für seine Kollegin Kathrin Bachmann . Sei Griechisch doch auch ein Weg, Themen um Philosophie, Geschichte, aber auch Kunst und Religion zu erfahren und zu begreifen.

So werden etwa Philosophen wie So­krates oder Platon und biblische Texte im Original gelesen. Spannend sei zu Beginn allein schon das Erlernen einer neuen Schrift.

Gänzlich auf verlorenem Posten steht Dohmen mit seinem Fach allerdings nicht. Inzwischen betreut er zwei Arbeitsgemeinschaften – eine siebenköpfige Mädchenschar in der Jahrgangsstufe neun und vier Jungen in der Jahrgangsstufe zehn (EF). „Die Schüler sind von sich aus auf mich zugekommen“, freut sich der 54-Jährige über deren Interesse.

„Griechisch ist mehr als nur eine Sprache“, sagt Felix Diekmann, der mit Latein eine weitere alte Sprache als Schulfach hat. Griechisch bedeute auch die Vermittlung von Kultur. Dem stimmt Nico Hattrup zu. Der 15-Jährige findet zudem die griechische Mythologie mit ihren Sagen spannend. Hagen Lübke ist durch seinen Bruder zum Griechischen gekommen. Denn eigentlich habe der bei der AG mitmachen wollen. Jetzt sitzt der 14-Jährige mit seinen drei Mitstreitern im Klassenraum – mittwochs nach Schulschluss.

Kon­stantin Kettel scheint die Begeisterung für die Sprache geerbt zu haben: „Mein Vater hat das Graecum und meine Schwester auch.“ Der 15-Jährige findet es faszinierend, alte griechische Texte im Original zu lesen. Für ihn sei der Aspekt der philosophischen und historischen Bildung bedeutsam.

Ein „Spätberufener“ in Sachen Griechisch ist Henning Haselmann. Neben Latein und Spanisch hat er an der Uni zunächst Griechisch gelernt und dann auch als Drittfach studiert. Unterrichten werde er es aber wohl nie, vermutet er. Zurzeit hospitiert der Münsteraner nach dem erfolgreichen Abschluss seines zweiten Staatsexamens am Cani. Diese Schule hat er sich gezielt ausgesucht, da dort noch die Chance besteht, Griechisch zu lernen. Eine Sprache, die für ihn auch mehr ist, als Vokabeln zu pauken.

Für Fachlehrer Dohmen schlägt das Erlernen der griechischen Sprache einen Bogen in die aktuelle Zeit. Der Ursprung der Demokratie liege nicht umsonst im antiken Athen begründet. Und es sei wichtig, sich auch einmal mit einem kleinen Land der Europäischen Union zu beschäftigen. Kulturell spiele Griechenland eine zentrale Rolle für Europa. Und so erschöpfe sich der Unterricht nicht im Erlernen von Vokabeln und Grammatik. „Wir besuchen antike Theaterstücke und schauen auch griechische Filme“, sagt Dohmen. Außerdem geht es auch mal in ein Restaurant, um die gute griechische Küche zu genießen. Selbst das Neugriechische – das heute in dem Mittelmeer-Staat gesprochen wird – kommt nicht zu kurz. Und: Als Abschluss und Krönung der Mühen winkt eine Griechenlandfahrt. Größte Herausforderung Dohmens ist zurzeit, dass Griechisch wieder zu einem regulären Schulfach am Canisianum wird – als Grundkurs in der Oberstufe.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6993937?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Stadtwerke erhöhen Strom-Preise
Abgerechnet wird erst am Schluss: Doch schon zum Jahreswechsel steigen bei den Stadtwerken Münster die Strompreise.
Nachrichten-Ticker