Firma Rhode
„Extrem wenig bekannt“

Nottuln -

Schlaun Cirkel und Historischer Verein hatten den richtigen Riecher: Das Thema „Rhode – eine Weltmarke in Nottuln“ zog die Interessierten an.

Dienstag, 18.09.2018, 18:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.09.2018, 18:00 Uhr
Konnten sich über einen sehr gut besuchten Vortragsabend zur Firma Rhode freuen (v.l.): Hans Gabbert, Vorsitzender des Schlaun Cirkels, Margarete Rademacher, Vorsitzende des Historischen Vereins, Jan-Bernd Ewertz, der letzte Eigentümer der Firma Rhode, und Dr. Hermann Josef Stenkamp, Leiter des LWL-Museums TextilWerk Bocholt. Foto: Iris Bergmann

„Durch die Maschen gefallen“, so nannte Referent Dr. Hermann Josef Stenkamp , Leiter des LWL-Museums TextilWerk in Bocholt, seinen Vortrag zum Thema „Rhode – eine Weltmarke in Nottuln“, zu dem der Schlaun Cirkel und der Historische Verein Nottuln am Montagabend eingeladen hatten. Das Thema hatte sehr viele Nottulnerinnen und Nottulner angelockt, der große Raum in der Alten Amtmannei war voll wie schon lange nicht mehr.

Der Name Rhode ist zurzeit vor allem durch die Diskussion um die mögliche Verkleinerung des gleichnamigen Parks zugunsten einer baulichen Erweiterung des Edeka-Marktes aktuell. „Viele wissen aber gar nicht mehr, warum der Park Rhodepark heißt“, meinte Hans Gabbert, Vorsitzender des Schlaun Cirkels. Immerhin war Rhode „eine Weltfirma in Nottuln“, betonte Margarete Rademacher, Vorsitzende des Historischen Vereins.

Indes: „Über die Firma Rhode ist extrem wenig bekannt“, nahm Dr. Hermann Josef Stenkamp Bezug auf den Titel seines Vortrags. Die Suche, zum Beispiel in Gemeindearchiven, ergab wenig bis nichts. „Bei der Recherche hatte ich nur das Material, das mir Jan-Bernd Ewertz zur Verfügung gestellt hat.“ Dennoch hatte sich der Museumsleiter mit der Entwicklung der Firma Rhode auseinandergesetzt.

Die Gründer Franz und Johannes Rhode stammten aus der Nähe des sauerländischen Ortes Plettenberg. Über einen Onkel in Senden kamen sie ins Münsterland, und was mit „Schulte und Rhode“ 1876 in Senden begann, wurde 1882 zur Strumpfmanufaktur Gebrüder Rhode, die 1888 nach Nottuln umzog.

Die Gebrüder Rhode waren mit dem Vertrieb der Waren immer am Puls der Zeit, fand Stenkamp heraus. „Rhode wusste, wie man Strümpfe verkauft“, schmunzelte er. Die Firma wuchs, hatte zu Spitzenzeiten mehr als tausend Arbeiter mit einem extrem hohen Frauenanteil, hatte mehrere Standorte in Deutschland.

Sowohl der Erste als auch der Zweite Weltkrieg konnten ihr nichts anhaben. „Wir haben kriegswichtige Produkte hergestellt“, fügte Jan-Bernd Ewertz hinzu.

So gab es auch direkt nach dem Krieg wieder großen Wohlstand in der Familie. Den aber teilte sie, engagierte sich, baute Wohnhäuser, investierte in die Kirche. Von 1958 an wurde es dennoch zusehends schwerer, internationale Konkurrenz machte sich bemerkbar, die Produktion wurde verschlankt. 1973 der große Brand, zwei Jahre später der Abriss. Jan-Bernd Ewertz, in vierter Generation in der Firma Rhode, setzte nur noch auf den Verkauf der Ware, produzieren ließ er in Deutschland und Europa. Bis im Jahre 2010 die Firma Rhode endgültig aus dem Register gelöscht wurde und 134 Jahre Firmengeschichte ein Ende fanden.

Gelöscht ist sie jedoch nicht aus dem Gedächtnis der ehemaligen Arbeiterin Annette Bertels. Am Ende des Abends meldete sie sich zu Wort und erinnerte sich gern: „Wir jungen Frauen damals haben in der Fabrik Arbeit gefunden und konnten Geld für die Familie verdienen, ein Haus bauen und hier gut leben.“

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