Neuer Imam
Fünf Mal täglich vorbeten

Greven -

Auch Ramazan Tupal ist zum Reformationsgottesdienst ins Ballenlager eingeladen. „Reformation?“, fragt der neue Imam der Ditib-Gemeinde seinen Besucher, „worum geht es da?“

Freitag, 27.10.2017, 19:10 Uhr

Neuer Imam in der Grevener Ditib-Gemeinde: Ramazan Tupal mit der zweiten Vorsitzenden Selma Eskici.
Neuer Imam in der Grevener Ditib-Gemeinde: Ramazan Tupal mit der zweiten Vorsitzenden Selma Eskici. Foto: Günter Benning

Um Luther, der vor 500 Jahren zum Beispiel Ablässe kritisiert hat. „Aha“, sagt Tupal, „von Schuld befreien mit Geld – gibt es bei uns auch nicht.“

Um Luther, der die Ehelosigkeit der Priester und Scheidungen ermöglichte. „Scheiden kann man sich auch im Islam“, sagt Tupal, der mit seiner Frau und seinen sechs- und 13-jährigen Söhnen aus der Zentraltürkischen Stadt Kayseri nach Greven gezogen ist, „aber nur mit guten Gründen.“

Der neue Imam hat vor seiner Entsendung nach Deutschland ein halbes Jahr deutsch gelernt. „Es geht schon ganz gut“, sagt er. Aber nicht gut genug. Deshalb hat er sich bereits nach Sprachschulen in Münster erkundigt, wo er schneller und intensiver lernen kann als in gemischten Sprachkursen: „Ich würde gerne hier weiter studieren – vielleicht eine Promotion schreiben.“

Davor hat allerdings die Ditib-Gemeinde viel Arbeit gesetzt. Fünf Mal am Tag muss Tupal vorbeten, das letzte Gebet ist um 21 Uhr. Danach hat er Feierabend.

„Dann ist ja hier nichts mehr los“, meint die zweite Ditib-Vorsitzende Selma Eskici , „außer in Kneipen, in die wir nicht gehen.“ Neulich sei sie noch in der Türkei gewesen, da war alles anders: „Um Mitternacht gab es Stau auf den Straßen, weil die Leute draußen unterwegs waren.“

Tupal versteht sich als Vorbeter und Religionslehrer – vor allem für die vielen Kinder der Gemeinde, die drei Mal in der Woche in die Moschee an der Alten Bahnhofsstraße kommen. Politischen Fragen zur verzwickten Lage in der Türkei weicht der Staatsbeamte genauso aus wie deutsche Studienräte, die man nach der CSU fragen würde: „Hier geht es ums Gebet und die Gemeinde.“ Politik sei kein Thema.

Die Gemeinde besteht aus 285 Familien, Türken zumeist, aber auch Syrern, Irakern oder Arabern. An Hochfesten treffen sich hier 300 bis 400 Menschen. „Wir sind hier eine große Gemeinschaft“, lobt Selma Eskici das Gefühl in der Islam-Diaspora.

Neulich hat sie den ehemaligen Imam Ibrahim Isik besucht: „Er wäre gerne wieder bei uns.“ In der Türkei spielt das Gemeindeleben offenbar nicht so eine große Rolle.

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