Elisabeth Frische forscht nach den Grevener Kriegstoten
Die Toten der Schlachtfelder

Greven -

Die Namen sind in Greven bekannt: Artmeyer, Aulkemeyer, Averbeck, Baumhove, Beckermann. Nur, um einige Opfer zu nennen. Elisabeth Frische (88) hat sie säuberlich in eine Tabelle eingetragen, mit Vornamen, Adressen, Geburtsdatum und dem Tag, an dem sie starben. Irgendwo im Schützengraben, im Lazarett – Tote des Weltkriegs.

Montag, 05.11.2018, 10:50 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 10:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.11.2018, 10:50 Uhr
Elisabeth Frische ist auch mit 88 Jahren noch eine begeisterte Heimat- und Familienforscherin. Foto: Günter Benning

20 Grevener sind es auf der ersten Seite, rund 200 insgesamt. „Man muss aus der Geschichte lernen“, sagt die ehemalige Grundschullehrerin, „aber meistens wird das nicht gemacht. Jede Generation fängt bei Null an.“

1918, vor 100 Jahren endete der erste Weltkrieg. Von 13,25 Millionen deutschen Soldaten starben zwei Millionen. Die anderen Länder inbegriffen waren es rund zehn Millionen. Ohne Zivilisten.

Auch für Greven heißt das: Jeder Siebte, der in das Menschenschlachten geschickt wurde, kam nicht zurück. Elisabeth Frische will den Toten, Vermissten und Verletzten zumindest ein wissenschaftliches Gedenken widmen.

Sie ist erfahren im historischen Geschäft. Ihre Leidenschaft begann mit der Aufarbeitung der Familiengeschichte in Lippetal.

Für Greven hat sie eine Auflistung der im 19. Jahrhundert Ausgewanderten erstellt. Eine Sisyphus-Arbeit im Stadtarchiv und mit anderen öffentlich zugänglichen Quellen.

Jetzt widmet sie sich den Toten des ersten Weltkriegs, der in ihrer eigenen Jugend noch die Politik und die Erinnerung prägte. Ihr eigener Vater war fünf Jahre Gefangener in Russland gewesen.

„Vom ersten Tag des Krieges an gab es amtliche Verlustlisten“, schildert sie. Das preußische Kaiserreich dachte an einen militärischen Spaziergang, man wollte die Bevölkerung über die Folgen des Krieges informieren, aber auch beruhigen.

Die Verlustlisten wurden der Presse zur Verfügung gestellt, die sie wiederum lokal auswerteten.

Elisabeth Frische geht diese Listen in Microfiches durch, sucht nach dem Wort Greven, wobei sie die Opfer findet, die in Greven geboren wurden. Gefallen, vermisst, verwundet, leicht verwundet – das sind die Kategorien, die dort aufgezählt werden. Mitunter liest man auch „zunächst vermisst, dann verwundet im Lazarett“. Manchmal, sagt Elisabeth Frische, „folgt dann noch die Todesmeldung“.

Frische will den Grevener Opfern des Völkerkrieges ein Gesicht geben. Und hofft dabei auf Hilfe aus der Bevölkerung: „Hilfreich wäre es, wenn ich alte Beerdigungszettel bekommen würde.“ Vielleicht finden sich aber Bilder von Kriegsopfern in den Familienarchiven. Oder Feldpost, die Soldaten nach Hause schrieben. Frische: „Ich helfe gerne, die zu lesen.“

„Es gibt kaum Familien in Greven, die nicht betroffen waren“, sagt die rührige Familienforscherin. Mitunter wurden sie auch als Helden in der Lokalpresse gefeiert. Etwa eine Familie Hunde, die acht Mitglieder beim Militär hatte. Einer ist gefallen, ein anderer blieb vermisst.

Material gibt es in den städtischen Meldeunterlagen. Aber die Registrierungen der deutschen Armee wurden 1945 beim Bombenkrieg in Berlin zerstört.

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Kontakt zu Elisabeth Frische per Email an elisabeth.frische@web.de

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