11. Nordwalder Biografietage
Wie ein zu groß geratenes Insekt

Nordwalde -

Es ist ein Kultauto und steht wie kein anderes für das Image vom Deutschen Wirtschaftswunder in den 50ern: der VW Käfer. Fotograf Joerg Lehmann stellte bei den Biografietagen nicht nur seine „Auto-Biografie“ vor, sondern brauchte auch einen seiner Käfer mit.

Montag, 01.10.2018, 17:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 17:00 Uhr
Joerg Lehmann (r.) zeigt dem Publikum seinen 1950er „Brezelkäfer“. Foto: Rainer Nix

Die Auto-Nostalgiker kamen bei den 11. Nordwalder Biografietagen ganz und gar auf ihre Kosten. Auf dem Programm stand die Präsentation des Buches „Der Käfer“. Kaum ein Fahrzeug hat das Image vom Deutschen Wirtschaftswunder in den 50ern so sehr geprägt wie der VW Käfer.

Draußen vor dem Hauptgebäude des Bispinghofes stand ein „Kugelporsche“ aus dem Jahr 1950. Der „Brezelkäfer“ fand zahlreiches Publikum und inspirierte zu zahllosen Erinnerungen. Er gehört dem Autoren der „Auto-Biografie“, Joerg Lehmann. Der 58-Jährige ist professioneller Fotograf und beschäftigt sich eigentlich mit der Bebilderung von Kochbüchern. Mittlerweile sind es mehr als 70, die er mit seinen Fotos bereicherte.

Reduziertheit des Technischen

Das Thema „Käfer“ hat für ihn nicht mit Technik – „davon verstehe ich nichts“ –, sondern mit Emotion zu tun. Die Form macht für Sammler einen Teil des Hypes aus. „Irgendwie sieht er ja aus wie ein etwas zu groß geratenes Insekt, aber er bedient auch den Wunsch, sich rauszunehmen und bewusst langsam zu fahren. Es ist die Reduziertheit des Technischen“, schwärmt Lehmann. Er ist Gründer des virtuellen „Käfer-Museums Berlin“, dessen mehr als 1000 Fotos auf Facebook abrufbar sind.

Unzählige Male wurde das schnuckelige Auto im Lauf der Jahrzehnte von seinen Besitzern abgelichtet. Zunächst nicht aus künstlerischen Motiven, sondern um die Verbundenheit mit ihm zu dokumentieren. Der Käfer war nämlich mehr als ein Gebrauchsgegenstand, er war Familienmitglied. Lehmanns Buch zeigt viele Alltagssituationen, in denen das Auto in jedes nur denkbare Szenario eingebunden ist. Es wurde am Straßenrand fotografiert, mit dem Sohnemann auf der Stoßstange sitzend, beim Picknick im Grünen und und und. „Ich kaufe zum Leidwesen meiner Frau fast täglich Käfer-Fotos“, gesteht der Autor. Es sind bereits 2000 an der Zahl.

133 000 Euro für einen Käfer aus 1948

Das Publikum war fasziniert von der bebilderten Zeitreise, ohne ein paar technische Details ging‘s jedoch nicht. Lehmann besitzt insgesamt vier der Kultfahrzeuge, der Motor des mitgebrachten leistet 24,5 PS. „Ich glaub‘ ich könnte 100 Stundenkilometer damit fahren, aber meist sind es nicht mehr als 75.“ Keck springt ein „Winker“ aus dem Mittelholm um anzuzeigen, dass der Fahrer abbiegen möchte. Das ansonsten spartanische Armaturenbrett ziert ein extrem seltenes Blaupunkt-Röhrenradio.

Interessant ist auch die Statistik: Bereits acht Jahre nach Kriegsende war der Käfer ein Exportschlager und wurde in 88 Länder ausgeliefert. Schweden ist heute eines der größten Autosammler-Länder. Dort kaufte Lehmann drei seiner rollenden Schätzchen, das letzte im Quartett erst vor wenigen Tagen. Ein Käfer aus dem Baujahr 1948 wechselte auf einer Auktion für satte 133 000 Euro den Besitzer. Wie textete einst die Werbung so treffend: Er läuft und läuft und läuft.

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