Nachhaltiger Stadtrundgang
Wie sieht fairer Konsum aus?

Burgsteinfurt -

Das Bewusstsein über das eigene Konsumverhalten und dessen vielfältige Konsequenzen auf wirtschaftliche Verflechtungen bis hin zum Klima zu schärfen – das war Intention des nachhaltigen Stadtrundgangs, zu dem das Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit jetzt bereits zum zweiten Mal Interessierte in Burgsteinfurt einlud. Die WN gingen mit.

Montag, 24.09.2018, 16:33 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 15:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 24.09.2018, 16:33 Uhr
Wie sieht mein persönlicher ökologischer Fußabdruck aus? Beim nachhaltigen Stadtrundgang fassten sich die Teilnehmerinnen hinischtlich des Konsumverhaltens auch an die eigene Nase. Foto: Claudia Mertins

„Oh, ich hatte mich auf einen schönen Spaziergang gefreut – und dann stellen Sie so schwere Fragen!“ Diese nicht ganz ernst gemeinte Beschwerde erhielt Jan Kern auf seine Bitte, doch mal kurz den Treibhauseffekt zu erklären. Schmunzelnd nahm der Projektkoordinator beim Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt diese Reaktion entgegen. Er wusste natürlich, dass er die Teilnehmer des nachhaltigen und konsumkritischen Stadtrundgangs im Rahmen der Fairen Wochen mit einigen harten Brocken und vielen differenzierten Erkenntnissen konfrontierten würde.

Um überhaupt ein Gefühl für die globalen Größenverhältnisse zu bekommen, zeigte der Landschaftsökologe zunächst eine ungewohnte, weil flächengetreue Weltkarte, auf der Europa geradezu winzig ist. Er verteilte Abbildungen der Kontinente und ließ seine ausschließlich weiblichen Zuhörer (warum nur?) die Verteilung von Bevölkerung, Einkommen und Energieverbrauch schätzen. Das führte zu ersten Überraschungen: Dass zum Beispiel nur knapp zehn Prozent aller Menschen in Europa leben, 17 Prozent auf dem afrikanischen Kontinent und annähernd 60 Prozent in Asien. Vor diesem Hintergrund bekommt die Information, dass in China eine konsumfreudige Mittelschicht heranwächst, eine deutliche Brisanz.

Und während die Gruppe die Steinstraße hochgeht und schon eifrig diskutiert, schließt Jan Kern an der Ecke zum Wilhelmsplatz gleich die nächste Frage an: „Was ist überhaupt Konsum?“ Die Gruppe trägt viele Faktoren, wie Ernährung, Kleidung, Wohnen, Mobilität, Arbeit und Erholung zusammen, und erkennt, dass das oftmals negativ behaftete Wort Konsum lediglich die Abdeckung der Grundbedürfnisse bezeichnet. Etwa 30 Prozent der durchschnittlichen persönlichen Kohlendioxid-Emissionen fallen in den Bereich Konsum und er ist für Klimaschützer deswegen spannend, weil hier ein großes Einsparpotenzial liegt, Stichwort Flugreisen oder Fleischkonsum.

Aufklärung über die Umweltfreundlichkeit von Tragetaschen bringt dann der nächste Info-Stopp von Beate Steffens. Sie ist als Promotorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit mit dabei. Sechs verschiedene Typen von Taschen sollen von den Teilnehmerinnen ökologisch bewertet und in eine Reihenfolge gebracht werden. Die Frauen bringen all ihr Wissen um ressourcenschonende Produktion und Nachhaltigkeit ein, liegen mit ihrer Einschätzung dann aber doch ziemlich daneben.

Die größte „Umweltsünde“ ist die scheinbar kompostierbare Plastiktüte, denn sie hält nicht, was versprochen wird und landet als Plastik direkt mit im Grünabfall. Gut schneidet dagegen die Stofftasche ab, weil sie immer wieder benutzt werden kann. Der erste Platz auf der Umweltverträglichkeitsskala geht an Taschen aus recyceltem Kunststoff.

Die Fair-Führung endet im Weltladen im evangelischen Gemeindezentrum, wo Ulrike Wanink und Beate Steffens einen Überblick über die internationale Entwicklung des fairen Handels geben. In Steinfurt, das zum zweiten Mal als Fair-Trade-Town zertifiziert wurde, sieht die Resonanz für fair gehandelte Produkte gut aus. In 14 Geschäften (ohne Supermärkte) können faire Produkte erworben werden und im Rathaus und den Kirchengemeinden wird fairer Kaffee getrunken.

Ulrike Wanink weist besonders auf die zahlreichen Schulprojekte hin, die schon bei den Jugendlichen die Sensibilität für einen gerechteren Handel weckt. Abschließend sind sich alle einig, dass die gemeinsame ehrenamtliche Arbeit große Freude und Sinn macht, weil sie vielen Menschen im globalen Süden ein besseres Leben ermöglicht.

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