Nachteile überwiegen
Ganz persönliche Brexit-Folgen

Steinfurt -

Für James Deery hat der Brexit, egal wie hart oder weich er nun ausfällt, keine größeren Folgen: Der ehemalige Lehrer am Gymnasium Borghorst hat einen Pass der Republik Irland – und die bleibt in der EU. Damit dürfen alle Iren, die Bürger des südlichen Inselteils sind, sich an jedem Ort der Gemeinschaft ansiedeln. Eben auch in Borghorst.

Mittwoch, 16.01.2019, 09:24 Uhr
Bei seinen Forschungsaufenthalten in London hat Prof. Dr. Thomas Rose (r.) viele Gelegenheiten, mit den Briten über ihre Vorstellungen und Befürchtungen eines Brexits zu sprechen. Das gilt auch für den abendlichen Besuch im Pub. Foto: Rose

Ganz anders könnte es bald für die Staatsangehörigen Nordirlands werden: Je nachdem wie der Austritt Großbritanniens am Ende geregelt wird, könnte eine Reise nach Deutschland mit einigem Aufwand wie etwa dem Antrag auf ein Visum verbunden sein.

Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, etwa in Borghorst zu wohnen. „Im Moment beantragen viele Nordiren die irische Staatsbürgerschaft“, weiß Deery. Um auch nach dem drohenden Brexit die Vorteile der Reisefreiheit innerhalb der EU genießen zu können. Das sei sehr leicht möglich und nicht mehr als ein Verwaltungsakt.

Wie stark die Reisefreiheit im schlimmsten Fall sogar auf der grünen Insel selbst bald eingeschränkt sein könnte, hat Deery erst vor kurzem erfahren: Für den kürzesten Rückweg von der Feier zum 50-jährigen Schulabschluss in Sligo nach Newry haben er und seine Schulfreunde viermal die Grenze zwischen der Republik und Nordirland überquert. Undenkbar nach einem Brexit mit zeitraubenden Grenzkontrollen. „Wirklich keiner will dort eine harte Grenze haben“, fasst Deery die Stimmung in Irland zusammen. Und die damit verbundene Hoffnung, dass es am Ende doch noch irgendeinen Deal zwischen EU und Großbritannien geben wird.

Darauf hofft auch Prof. Dr. Thomas Rose . Zweimal im Jahr fährt der Borghorster für einige Wochen nach London, um dort am University College (UCL) an zwei Forschungsprojekten zu arbeiten. „Für mich ganz persönlich könnet der Brexit bedeuten, dass eine Visumspflicht eingeführt wird und ich mich wahrscheinlich auch anders krankenversichern müsste.“ Seit 2011 forscht der FH-Professor regelmäßig in der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs und hat dort gute Kontakte zu anderen Wissenschaftlern. Unter denen herrsche eine fast schon verzweifelte Stimmung, weiß er. Denn: „Die englischen Hochschulen erhalten einen großen Teil ihres Etats aus EU-Fördermitteln. Wenn die wegbrechen, wäre das finanziell ein großer Rückschritt.“

Auch die internationale Zusammenarbeit zwischen Hochschulen würde von einem EU-Austritt wohl stark beeinträchtigt. „Und es gibt eine ganze Reihe weiterer Beispiele, bei denen englische Universitäten durch einen Brexit leiden müssen.“

Nicht zuletzt durch eines seiner Forschungsprojekte, das sich mit dem Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gewerkschaften befasst, weiß Prof. Rose aber auch, dass viele Briten weiterhin den Austritt vehement unterstützen. „London ist da eher eine Ausnahme. In den Industrie- und Hafenstädten sind die Bewohner dagegen stark für einen Brexit.“

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