Castingshows wie bei RTL oder ProSieben verlieren immer mehr Zuschauer an Streamingdienste
Urlaub fürs Gehirn

Die ersten Monate des Jahres 2019 sind schon vorüber und mit ihnen auch die aktuellen Staffeln des „Dschungelcamps“ und des „Bachelors“. Ob die Suche nach der großen Liebe, die Entdeckung neuer Topmodels oder das mehr oder wenige einzigartige Talent vor einer Jury zu präsentieren, Realityshows sind nicht nur in Deutschland fester Bestandteil der Fernsehlandschaft. In Amerika erfreuen sich Shows wie „Keeping up with Kardashians“ großer Berühmtheit und sind dort sogar ein Garant für das Erreichen des Prominentenstatus.

Donnerstag, 14.03.2019, 23:00 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 07:53 Uhr
Dschungelcamp, der Bachelor, Germanys Next Topmodel und so weiter. Die Liste von Casting- und Realityshows lässt sich ewig fortführen. Doch haben diese Formate überhaupt noch Zukunft oder schalten junge Zuschauer doch lieber Netflix an? Foto: RTL

Seit einem Monat sucht Heidi Klum nach dem neuen Topmodel und überrascht diese Staffel mit einigen Neuerungen: Die Auflösung von Team Schwarz und Team Weiß soll mehr Zuschauer vor den Fernseher ziehen, genauso wie eine wechselnde Jurybesetzung von Folge zu Folge. Zusätzlich wird durch eine intensive Social-Media Arbeit versucht, jüngere Zuschauer anzusprechen.

5,95 Millionen. Das ist die Anzahl der Zuschauer, die, laut rp-online am ersten Tag beim Dschungelcamp eingeschaltet haben. Keine schlechte Quote für eine Late-Night-Sendung mit den scheinbar immer gleichen Inhalten. Diese Kontinuität zeigt sich besonders in dem Vorhaben, „zuschauernah“ zu sein. Durch Einblicke in das Leben der „Topmodels“ in L.A. scheint man mitzuerleben, wie die Stimmung hochkocht und sich dann in Streitereien entlädt. Doch gerade dadurch erscheint vieles auch gleichzeitig unglaubwürdiger. Seit Jahren halten sich die Gerüchte von geskripteten Dialogen und mit Beginn der diesjährigen DSDS-Staffel kommen erneut die Vorwürfe auf: Ex-Kandidaten berichten über ihre Erfahrungen mit RTL und der Jury rund um Dieter Bohlen .

Wie schon angenommen, sollen dabei eher peinliche Erlebnisse oder gravierende Familientragödien im Vordergrund stehen. So berichtet Dirk Maiina in seinem Video von Vorentscheidungsrunden, bevor man überhaupt Bohlen und die anderen zu Gesicht bekommt.

Mitarbeiter vom Fernsehsender RTL sollen in Trucks durch Deutschland touren, um vorab die Spreu vom Weizen zu trennen. Der aktuelle Kandidat Fabrizio Giordano beklagt in seinem Statement auf Youtube die Darstellung in den Medien von seiner Person. Die Betitelung als „frechster Kandidat seit es DSDS gibt“ sei eher ein Produkt von Kamera und Schnitt als eine Abbildung der Realität.

Auch Bloßstellungen von Seiten der Jury seien an der Tagesordnung, wenn man den Vorwürfen des Youtubers A.B.K. glauben mag. „Das Konzept, in dem Kandidaten vollkommen verzerrt dargestellt werden, ist der größte Störfaktor. Und dann wird das als Realität verkauft“, meint Zuschauerin Anna B. (17) aus Steinfurt.

Doch auch die Fernsehmitarbeiter und Produzenten merken, wie wenige Zuschauer sie noch mit den alten Inhalten abgreifen können. Selbst die Verbindung mit Social Media und neuen Jurybesetzungen scheinen eher weniger erfolgreich, findet Greta W. (16): „Ich glaube, selbst bei einer anderen Jury würde sich das Konzept nicht ändern, da der Inhalt noch der gleiche ist. Trotzdem gäbe es immer noch Leute, die das irgendwie feiern, weil es halt nicht anspruchsvoll ist.“

„Sein Hirn einfach mal ausschalten.“, benennt Anna B. den wesentlichen Vorteil für das Publikum von Bohlen und Klum und zugleich vielleicht auch das wesentliche Problem: Reality-Shows bieten uns leichte Unterhaltung, geben uns ein gutes Gefühl, wenn wir sehen wie blöd sich die Leute vor der Kamera anstellen, aber zugleich ist dort eine Verzerrung der Realität gang und gäbe. Es ist deshalb ein Schwachpunkt, da die Sender dort „an Beliebtheit und Bedeutung bei Jugendlichen verlieren.“, fasst die 17-jährige Schülerin ihre Prognose für die mediale Zukunft zusammen.

Menschen zu entwürdigen und zu verunglimpfen in Verbindung mit dem dadurch entstehenden niveaulosen Inhalt biete zwar „Urlaub fürs Gehirn“, aber nun mal auch keine Wandlungen und Vielseitigkeit wie das überschwemmende Angebot von Netflix, Amazon, Spotify und Co., denken die Schülerinnen.

Ab und zu ist leichte Unterhaltung aber ganz schön. Vor allem, weil GNTM und Co. immer aktuelle Themen bleiben. Marina Demter, 24, erzählt: „Ich gucke mir das Gedöns mal ganz gerne an. Man kann sich mit vielen Leuten darüber unterhalten und die Shows sind so aufgebaut, dass man sie doch immer weiterverfolgt und gelegentlich der Bogen zum eigenen Leben gespannt wird.“

Die privaten Sender scheinen also irgendwie am Scheideweg zu stehen: Einerseits der Garant, das selbe Publikum mit dem immer gleichen Image auch noch in der Zukunft anzusprechen, andererseits die berechtigte Angst, Einschaltquoten an andere Plattformen zu verlieren, die zwar kein alternatives Konzept bieten, aber deutlich mehr Variabilität. Pannen und Blamage scheinen also irgendwie nicht der Vergangenheit anzugehören, aber es bleibt trotzdem die Frage, ob sie Bestandteil der Zukunft sind.

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