Über Technik, Motoren und Geruch
Wie die Gülle aufs Feld kommt

Tecklenburger Land -

Auch beim Ausbringen der Gülle auf das Feld kommt heutzutage modernste Technologie zum Einsatz. Landwirtschafts-Lohnunternehmer Richard Seifert aus Laggenbeck hat uns einmal erklärt, wie das genau funktioniert.

Donnerstag, 11.04.2019, 05:00 Uhr
Ein Fass zum Ausbringen von Gülle mittels Schleppschuh, wie es der Ibbenbürener Lohnunternehmer Richard Seifert (kleines Bild) verwendet. Foto: Henning Meyer-Veer

Ein Montagnachmittag vor ein paar Wochen: Richard Seifert sitzt in seinem Büro in Laggenbeck und wartet. Auf besseres Wetter. Draußen regnet es, und der Landwirtschafts-Lohnunternehmer möchte für seine Kunden Gülle auf deren Feldern ausbringen. Dafür braucht es trockenes Wetter. Um auf den Acker rauf und wieder runterzukommen. Aber auch, um die Straßen nicht zu verdrecken. „Das ist bei den Kunden mittlerweile das größte Thema bei der Gülleausbringung: Dass die Straßen nicht verdreckt werden“, sagt Seifert. Er guckt aus dem Fenster. „Bei dem heutigen Wetter brauchen wir zwei oder drei trockene Tage, dass wir wieder fahren können.“

Seifert hat in seinem Unternehmen zwei Ausbringfässer. Klingt wenig, reicht aber. „Wenn Saison ist, dann laufen die allerdings von morgens bis abends“, sagt Seifert. Und sie sind teuer. „Ein kleines oder mittleres Fass für den Profi liegt jenseits von 150 000 Euro.“ Denn da ist viel Technik drin.

Anders als früher ist das Ausbringen von Gülle heute eine hochtechnisierte Angelegenheit. Technik, deren Stand sich immer weiterentwickelt. Die technischen Neuerungen spielten sich vor allem in der Ausbringtechnik ab, „in der Genauigkeit der Dosierung, sogar nach Inhaltsstoffen“, sagt Seifert. Der Umwelt zuliebe.

„Wir können heute ganz genau vorgeben, wie viel Gülle pro Kubikmeter ausgegeben werden soll.“ Ein Sensor am Ausgang des Fasses berechne die Durchflussmenge dann automatisch für die aktuelle Geschwindigkeit. „Das neueste technische Spielzeug ist ein sogenannter NIR-Sensor“, sagt Seifert. „Der ist in der Lage, die Inhaltsstoffe der Gülle während des Ausbringens zu messen.“ Und entsprechend zu regulieren. Der Landwirt kann zuvor statt einer Durchflussmenge die genaue Nährstoffmenge angeben, die er auf dem Feld haben möchte. Kostenpunkt des Sensors: 20 000 Euro.

Und dann geht es noch darum, wie die Gülle auf dem Acker abgelegt wird. Früher – und teilweise heute noch – wurde mit einem Prallteller am Fassausgang gearbeitet. „Da wird die Gülle gegengeblasen und sprüht dann runter.“ Simpel, aber doch ungenau. Und verlustreich, weil Gülle nicht immer da landet, wo sie hingehört. Das sei nicht mehr Stand der Technik, sagt Seifert. Die nächste Stufe ist der Schleppschlauch. „Man hat alle 20 Zentimeter einen Schlauch, der die Gülle über dem Acker streifenförmig auswirft.“

Oder der Schleppschuh, „die zurzeit angesagteste Methode“, so Seifert. Dieser metallene Schuh ritzt den Acker an und bringt die Gülle direkt auf – und nicht über – dem Boden aus. Man kann mittlerweile sogar in den Boden hinein. „Da sieht und riecht man nichts. Es ist aber umstritten, das im Getreide zu machen.“

Wissenswertes zum Thema Gülle

„Gülle ist schon seit Jahren kein Abfall mehr, sondern wertvoller Dünger“, sagt Seifert. „Wir wissen heute auch besser, was im Boden passiert.“ Deswegen versuche man, den Güllebedarf genau vorauszuberechnen. Schließlich soll der wertvolle Stoff nicht verschwendet werden. Den Pflanzen helfe „zu viel“ auch nicht. Im Gegenteil, es schade der Umwelt und dem Geldbeutel des Landwirtes.Ab dem 1. Februar dürften die Landwirte jedes Jahr Gülle auf dem Feld ausbringen. Die Gülle, die Seifert im Auftrage seiner Kunden ausfährt, werde zuvor im Labor auf ihre Inhaltsstoffe analysiert, sagt der Unternehmer. „Jedes Jahr werden Proben gezogen.“ Die vom Vorjahr werden als Richtwert genommen, solange bis die neue Gülle aufgerührt wurde. Dann gibt es eine aktuelle Probe. „Die Werte ändern sich von Jahr zu Jahr aber kaum.“ Nach den Werten wird dann die Gülleberechnung durchgeführt: Wie viel Gülle kommt wohin – exakt auf die ebenfalls analysierten Bodenverhältnisse berechnet.Das Thema Überdüngung sei deshalb aber kein Quatsch. Überdüngung: das seien die Fehler aus der Vergangenheit, die heute zum Tragen kämen. „Man hat es früher einfach nicht besser gewusst“, sagt Seifert. Vor Jahren hätten Landwirte „nach dem Auge“gedüngt. „Das machen wir heute anders.“ Wissenschaftlicher. Zudem werde kontrolliert, Verstöße würden sanktioniert...

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Pflanzen könnten beschädigt, Wildkräuterwuchs gefördert werden. Viel Technik. Technik, die Seifert, selbst gelernter Landmaschinenmechaniker, in der betriebseigenen Werkstatt wieder und wieder auf Funktionalität prüfen lässt. „Wenn es nicht vernünftig funktioniert, hat der Kunde ein Problem. Hat der Kunde ein Problem, haben wir ein Problem.“

Auch vor der Zugmaschine macht die technische Entwicklung nicht halt. Große Maschinen sind gefragt. „Zeit ist Geld“, sagt Seifert. Und gerade im Tecklenburger Land müsse man auch bergauf fahren können. Das braucht Power. Und auch die Ausbringmenge habe mit Geschwindigkeit zu tun.

Die Schlepper fahren mittlerweile mit GPS und bekommen die Spurstrecke vorgegeben. Schließlich gibt es nicht überall sichtbare Fahrgassen wie im Getreide. So werde die Gefahr der Doppel-, sprich Überdüngung minimiert.

Voll ausgefahren sind Richard Seiferts Gülleausbringfässer mehr als 20 Meter breit. Es gibt sogar welche, die die 30-Meter-Marke erreichen. Mit zusammengeklapptem Gestänge dürfen sie aber am Straßenverkehr teilnehmen. In Seiferts Fässer passen um die 20 000 Liter. „Eine gängige Größe für die Region. Fahren darf man das mit dem Führerschein, Klasse T ab 16 Jahren. „Wir haben in der Regel aber niemanden, der unter 18 ist. „Ich meine mit 18 ist man anders unterwegs als mit 16. Man trägt eine Riesenverantwortung, wenn man mit diesen Geräten fährt.“

Bleibt noch eine Frage an Richard Seifert: Riecht die Gülle für ihn überhaupt noch? Antwort: „Nach dem dritten Fass nicht mehr.“

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