Nach Abschiebung aus den USA
Ex-SS-Wachmann landet in Ahlen

Ahlen -

Die Stadt hat nach den Worten von Bürgermeister Dr. Alexander Berger keine Einflussmöglichkeit auf die auf „höchster Ebene“ getroffene Entscheidung gehabt, dass der frühere SS-Wachmann Jakiw Palij nach seiner Abschiebung aus den USA nach Ahlen überstellt wurde.

Dienstag, 21.08.2018, 19:00 Uhr aktualisiert: 22.08.2018, 12:40 Uhr
Ein Streifenwagen fährt durch die Straße „Im Herbrand“, wo der ehemalige SS-Wachmann Jakiw Palij nach seiner Abschiebung aus den USA im „Seniorenzentrum am Domizil“ untergebracht ist. Die Polizei teilte mit, sie habe zum Schutz der Einrichtung „Kräfte abgestellt“. Foto: Christian Wolff

Ein auf Weisung von US-Präsident Donald Trump aus den Vereinigten Staaten abgeschobener früherer SS-Helfer und Lageraufseher befindet sich seit Dienstagvormittag in einer privaten Altenpflegeeinrichtung in Ahlen. Der 95-jährige Jakiw Palij war Medienberichten zufolge am Morgen mit einer Militärmaschine, aus New Jersey kommend, auf dem Flughafen Düsseldorf gelandet. Von dort wurde er mit einem Krankentransportwagen des Deutschen Roten Kreuzes direkt nach Ahlen gefahren, wie auf Fotos zu sehen ist, die die „Bild“-Zeitung veröffentlichte.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger bestätigte die Ankunft von Jakiw Palij in Ahlen und erklärte dazu in ei­ner knappen schriftlichen Stellungnahme: „Die Stadt Ahlen und ich als Bürgermeister sind am 15. August von Landrat Dr. Olaf Gericke über die Entscheidung der Bundes- und der Landesregierung informiert worden, in einem privaten Ahlener Pflegeheim einen 95-jährigen Mann mit NS-Hintergrund aus den USA unterzubringen.

USA schieben früheren SS-Wachmann ab

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  • Dieses vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Foto auf dem Visum von Jakiw Palij, einem ehemaligen KZ-Wächter, der im Stadtteil Queens in New York gelebt hat.

    Dieses vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt das Foto auf dem Visum von Jakiw Palij, einem ehemaligen KZ-Wächter, der im Stadtteil Queens in New York gelebt hat.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Fotografie des Einbürgerungsantrag von Jakiw Palij, einem ehemaligen SS-Helfer, dessen Staatsbürgerschaft entzogen wurde...

    Foto: Uncredited/National Archives at New York City/AP/dpa
  • ... Das Weiße Haus sagt, dass Palij, ein 95-jähriger ehemaliger SS-Helfer, nach Deutschland abgeschoben wurde, 14 Jahre nachdem ein Richter seine Ausweisung angeordnet hatte.

    Foto: Uncredited/National Archives at New York City/AP/dpa
  • Dieses vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt jüdische Häftlinge im früheren Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen. In dem Zwangsarbeitslager war der frühere SS-Mann Jakiw Palij Aufseher.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Männliche Gefangene im früheren Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Weibliche Gefangene im früheren Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen. In dem Zwangsarbeitslager war der frühere SS-Mann Jakiw Palij Aufseher.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Ein Blick in eine Gefangenenbaracke des früheren Zwangsarbeitslager Trawniki im besetzten Polen.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Jakiw Palij, ein ehemaliger SS-Mann, wird auf einer Trage aus seinem Haus im Stadtteil Queens getragen.

    Foto: Uncredited/ABC/dpa
  • New York: Dov Hikind, Abgeordneter aus New York, steht vor dem Haus des früheren SS-Manns Jakiw Palij.

    Foto: Craig Ruttle/FR61802 AP/dpa
  • Jakiw Palij, ehemaliger SS-Helfer, der im Stadtteil Queens in New York gelebt hat.

    Foto: Uncredited/US Department of Justice/dpa
  • Das Haus des ehemaligen SS-Helfers Jakiw Palij im Stadtteil Jackson Heights im Stadtteil Queens von New York.

    Foto: Kathy Willens/AP/dpa

Die Stadtverwaltung und der Kreis Warendorf haben als örtlich zuständige Behörden für einen reibungslosen Ablauf der an anderer Stelle getroffenen Maßnahmen gesorgt. Da wir an den Entscheidungen nicht beteiligt gewesen sind, werde ich auf jede weitere Beurteilung und Kommentierung verzichten.“

Wir tragen keine Kosten.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger

Auf Nachfrage teilte Berger ergänzend lediglich noch mit, dass der Stadt Ahlen durch die Unterbringung und medizinische Versorgung des hochbetagten und gebrechlichen Mannes keine Kosten entstehen. Diese werden in vollem Umfang von Bund und Land getragen.

Nach Informationen unserer Zeitung hat Palij ein Einzelzimmer im „Seniorenzentrum am Domizil“ im Herbrand bezogen. Zu der Frage, ob er dort unter Polizeischutz steht, um ihn von der Öffentlichkeit abzuschirmen, erklärte der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Warendorf, Peter Spahn: „Wir sind vor Ort.“ Aufgrund des möglicherweise zu erwartenden Medienandrangs habe die Polizei „natürlich Kräfte abgestellt, um einen ordnungsgemäßen Betrieb in der Einrichtung zu gewährleisten“. Zu „Art und Umfang“ der getroffenen Maßnahmen könne er aber keine Auskunft geben, so Spahn.

Wie sich der Aufenthalt von Palij und sein Zusammenleben mit den anderen Bewohnern im „Domizil“ gestalten wird, bleibt offen. Der Betreiber des Seniorenheims war am Dienstag bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Vonseiten der Strafverfolgungsbehörden hat der Staatenlose, der bis Montag unbehelligt im New Yorker Stadtteil Queens von Sozialhilfe lebte, obwohl ein US-Gericht seine Abschiebung erstmals schon 2004 angeordnet hatte, wohl nichts zu befürchten. Gegen ihn wird in Deutschland nicht mehr ermittelt. Seine Beteiligung an Kriegsverbrechen der Nazis hat Palij, der ab 1941 als „Hilfswilliger“ der SS im Ar­beits- und Ausbildungslager Trawniki in Polen diente, stets bestritten.

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