Lippeverband
Wasserseelchen: Ein gutes Zeichen

Dolberg -

Wenn Wasserseelchen in einem Fluss leben, ist die Gewässerqualität gut. Das freut den Lippeverband, der die Köcherfliege in der Lippe beobachtet.

Mittwoch, 16.01.2019, 10:00 Uhr
Hydrobiologin Sylvia Mählmann bei der Probennahme an der Lippe. Wenn sich das Wasserseelchen wohlfühlt, dann stimmt die Wasserqualität. Foto: EGLV/Rupert Oberhäuser

Es ist eher ein allesfressender Stararchitekt als die sprichwörtlich „gute Seele“ des Gewässers. Doch wenn die Biologen des Lippeverbands das „Wasserseelchen“ entdecken, ist das ein gutes Zeichen. Denn das kleine Insekt ist eine Köcherfliegenart, die nur dort lebt, wo die Wasserqualität stimmt: zum Beispiel in Dolberg in der Lippe, wo sich das sensible Geschöpf heute wieder wohlfühlen kann.

Im Hauptlauf der Lippe und in einigen Nebengewässern war die Vielfalt der Organismen bis in die 1970er Jahre durch intensive industrielle Nutzung des Flusses stark eingeschränkt. Die Köcherfliege konnte erstmals wieder 1979 in der Lippe nachgewiesen werden, nachdem Kläranlagen technisch verbessert und erste Bereiche renaturiert wurden. Aus Sicht der Biologen ein riesiger Erfolg.

Das Wasserseelchen ist ein wahrer Baukünstler, worauf der Name ihrer Ordnung – Köcherfliege – schon schließen lässt. Ihre Larven leben unter Wasser, gern auf kiesigem oder steinigem Untergrund. Hier bauen sie winzige im Durchmesser zirka ein Zentimeter große Wohnröhren, ausgestattet mit einem Fangnetz.

Was darin landet, wird gefressen, denn die Wasserseelchen sind echte „Allesfresser“ und nicht wählerisch. Algen, Pflanzenreste oder Kleinstlebewesen – nichts wird verschmäht.

Dabei spinnt die Köcherfliege das Netz äußerst raffiniert und platziert ihre Wohnröhre so, dass die Strömung möglichst viel Beute ins Fangnetz spült. Ein praktischer Lieferdienst, denn so müssen die Opfer nur noch mit den Vorderbeinen ergriffen und verspeist werden.

Das Wasserseelchen in seiner Wohnröhre.

Das Wasserseelchen in seiner Wohnröhre. Foto: EGLV

Für die Biologinnen und Biologen des Lippeverbands ist besonders der Netzaufbau einen genauen Blick wert. Eine unregelmäßige Struktur kann ein Hinweis auf schädliche Substanzen im Wasser sein. Sein Netz spinnt das Wasserseelchen übrigens mit selbstproduzierten, feinen Seidenfäden, die im Wasser erstarren.

Wird die Larve erwachsen, zieht sie um. Zur Verpuppung baut sie sich einen stabilen Steinköcher, dem sie erst bei gutem Wetter wieder entschlüpft. Die weiblichen Wasserseelchen gehen dann am Ufer auf Bräutigam-Suche.

Nach erfolgreicher Paarung treten sie eine kleine Reise an: Sie fliegen zur Eiablage extra bachaufwärts, da die später im Wasser lebenden Larven durch die Strömung oder bei Hochwasser bachabwärts driften. Dieser sogenannte Kompensationsflug zur Eiablage stellt somit sicher, dass der Nachwuchs im heimischen Gewässerabschnitt auf-wächst.

Dann ist Zeit für die nächste Generation, die man als erwachsene Tiere an ihren dunklen Flügeln erkennen kann, die je nach Art eine weiße Zeichnung tragen. Auffällig sind außerdem ihre langen Fühler, die länger sind als der gesamte Körper.

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