Stolpersteinverlegung
Ein Schicksal als ständige Mahnung

Ahlen -

Eine weitere Stolpersteinverlegung fand Dienstagvormittag vor dem St. Vinzenz am Stadtpark statt. Der Stein gilt Heinrich Selbach, der als Jugendlicher dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer fiel.

Dienstag, 12.02.2019, 19:00 Uhr
Im Beisein von Bewohnern der Behinderteneinrichtung St. Vinzenz erinnerte Manfred Lechtenberg an das Schicksal von Heinrich Selbach, der als Bewohner 1934 nach Marsberg und anschließend in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt worden war. Foto: Dierk Hartleb

Heinrich Selbach war acht Jahre alt, als er 1933 in das St.-Vinzenz-Hospital eingewiesen wurde, vermutlich in das angeschlossene Waisenhaus. Ein Jahr später wurde der Ahlener Junge in die Heilanstalt Marsberg verlegt und 1941 im Rahmen der berüchtigten Aktion T4 in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert, wo er im selben Jahr ermordet wurde. In Gedenken an den jungen Ahlener, der dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer fiel, wurde am Dienstagvormittag an der Kampstraße Nummer 13 ein Stolperstein verlegt.

„Wir haben diese Verlegung mit Herrn Demnig abgesprochen“, erklärte Manfred Kehr, der die Stolpersteinverlegung seitens der Stadt Ahlen koordiniert. Zugleich kümmert sich Kehr intensiv um die Aufarbeitung der Geschichte der Opfer der NS-Diktatur in Ahlen und forscht in Archiven, wie Manfred Lechtenberg , Leiter der Einrichtung für Behinderte, in seiner Ansprache betonte.

Bezug nahm Lechtenberg auf die Stolperstein-Verlegung am vergangenen Freitag, als zwölf von insgesamt 22 Gedenksteinen für die Opfer des Euthanasie-Vernichtungsprogramms verlegt worden waren. In Anwesenheit zahlreicher Hausbewohner führte Lechtenberg aus, dass die Nationalsozialisten psychisch Kranke und behinderte Menschen als „lebensunwert“ einstuften, mit ihnen Versuche anstellten und sie ermordeten.

Der Stolperstein für Heinrich Selbach.

Der Stolperstein für Heinrich Selbach. Foto: Dierk Hartleb

„Es ist eine besondere Fügung, dass genau an diesem Ort eine Einrichtung für behinderte und chronisch psychisch kranke Menschen ist“, erklärte Lechtenberg. Das Schicksal Heinrich Selbachs bleibe eine ständige Mahnung an den unmenschlichen Umgang der Nationalsozialisten mit Menschen, die nicht in ihre unmenschlichen Rassenhygienevorstellung passten.

Lechtenberg lobte das positive gesellschaftliche Klima in Ahlen, wo sich Menschen mit und ohne Behinderungen offen begegneten. Die zentrale Lage des Hauses ermögliche es den Bewohnern, selbst einzukaufen, ins Café oder spazieren zu gehen. Ein gutes Beispiel für das Zusammenleben sei auch der bevorstehende Ponystation-Karneval. Zugleich warnte Lechtenberg auch vor anderen gesellschaftlichen Strömungen, die die Zeit zurückdrehen wollten. Diesen Entwicklungen „gilt es entgegenzutreten und sie abzuwehren, damit das Leben für alle lebenswert, bunt und lebendig bleibt“, sagte er.

Manfred Kehr kündigte die Verlegung der verbliebenen neun Stolpersteine für Euthanasie-Opfer an, die am vergangenen Freitag nicht mehr eingebracht worden seien. Zudem gebe es über die Zahl der bislang 25 ermittelten Opfer noch weitere Einzelschicksale, die noch auf eine Aufarbeitung warteten. Veranlasst durch jüngste Publikationen, würden sich bei ihm noch weitere Angehörige von Opfern melden.

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