AZ-Multivision Irland
Nur im Pub regnet es ganz sicher nie

Ahlen -

Es war eine Liebeserklärung an die Grüne Insel, die Hartmut Krinitz am Mittwochabend in der Stadthalle lieferte. Über 500 Zuschauer erlebten eine Reise voller kleiner Anekdoten.

Donnerstag, 14.03.2019, 23:47 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 00:00 Uhr
Die Cliffs of Moher sind eines von zahlreichen „Enden der Welt“ an der irischen Atlantikküste, die Hartmut Krinitz zeigte. Foto: Hartmut Krinitz

„Bis ans Ende der Welt“, so der Untertitel des Vortrags, führte der Fotograf Hartmut Krinitz aus dem Südschwarzwald die mehr als 500 Besucher am Mittwochabend in der Stadthalle, wie immer in Begleitung seiner Frau, Reisegefährtin und technischen Assistentin Eli . Sie hält sich normalerweise im Hintergrund, wurde aber zum Schluss der Veranstaltung von „AZ“-Redaktionsleiter Peter Harke auf die Bühne geholt. Er gratulierte ihr zum Geburtstag, den sie nach 2002 schon zum zweiten Mal in Ahlen feierte. Damals hatte das Paar seinen Vortrag über die Provence gezeigt. Peter Harke überreichte – wie vor 17 Jahren der damalige Stadthallenchef Roland Schmidt – eine Flasche Rotwein. Zuvor ging es jedoch knapp zwei Stunden kreuz und quer über die „Grüne Insel“. Eben zu den hier sehr zahlreichen Enden der Welt.

„Bei einer Inselausdehnung von nur 260 Kilometern von Norden nach Süden, aber über 5500 Kilometern Küstenlänge mag das nur mäßig verwundern“, stellte Hartmut Krinitz fest. Mit Impressionen aus der irischen Hauptstadt Dublin, begleitet von der musikalischen Liebeserklärung „Dirty Old Town“, startete die Reise. Krinitz erzählte vom Bloomsday, das ist der alljährlich am 16. Juni begangene Gedenktag an den irischen Autoren James Joyce, an dem viele Fans in die Kostüme der Figuren seines berühmten Romans „Ulysses“ schlüpfen. Bedrückend dagegen das Mahnmal, das an die „Famine“, die große Hungersnot von 1845 bis 1849, erinnert, der Hunderttausende zum Opfer fielen. Zwei Millionen Iren verließen damals ihre Heimat, wanderten überwiegend nach Amerika aus. „Wie kaum ein anderes Ereignis hat diese Katastrophe Irland geprägt“, so Krinitz.

Dann ging es tief in den Süden und ins Pub „Dick Mack“, einem der traditionsreichsten Gasthäuser der Insel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Vorbei an zahllosen Weltenden, Kliffs und Kaps, die in den Atlantik ragen, verläuft die Fahrt gemächlich über gewundene Straßen nach Norden. „Niemand sollte sich über ungewöhnliche Verkehrszeichen wundern“, riet der Reisereporter. Denn hier können schon mal Schilder vor kreuzenden Pelikanen warnen oder auf steile Abbruchkanten an den Kliffs hinweisen. Dabei sind die meisten Straßen von aufgeschichteten Steinmauern begrenzt. Krinitz zitierte einen Anwohner: „Hätten Steine einen Wert, so hätten die Engländer sie bestimmt mitgenommen.“

Noch immer werden den Nachbarn auf der größeren Insel wenig freundschaftliche Gefühle entgegengebracht. Zu tief sitzen die Erlebnisse als erste britische Kolonie. Erst 1921 erkämpften sich die Iren ihre Unabhängigkeit. Dafür bewahrten sich die Nachfahren der Kelten aber eine sprichwörtliche Sturheit. Hartmut Krinitz erzählte von Eddy, einem Mann, der sich in der Sagenwelt der Kelten bestens auskennt. Eddy habe durchgesetzt, dass eine wichtige Straße um einen heiligen Busch herumgeführt wurde. „Heute steht der Strauch auf einer Verkehrsinsel“, berichtete der Referent schmunzelnd.

Weiter im Norden, direkt an der Atlantikküste, liegen die „Cliffs of Moher“. Hier ist Eli Krinitz, die schon vorher recht oft im Bild ist, wieder als Modell gefordert. Immer wieder erscheint ihre knallrote Outdoor-Jacke als Farbtupfer im Bindfädenregen. Oder, wie die Iren sagen, „liquid sunshine“, flüssiger Sonnenschein. Als Ziel für einen Strandurlaub ist die Insel also nur sehr bedingt zu empfehlen. Doch für die Augen ein Paradies.

Weiter ging‘s in den Norden zu den Basaltsäulen der Giant’s Causeway. Zu den eindrucksvollen Landschaftsbildern wählte Hartmut Krinitz nicht nur passende Musik zur Untermalung, sondern gab auch manche Geschichten und Legenden wieder, die im Land der „Storyteller“ auch heute noch lebendig sind. Nicht zu vergessen die Pubs. Die Kneipe ist der Ort der Geselligkeit, der Musik und „ganz sicher der einzige Ort, an dem es nie regnet“, wie die Einheimischen wissen.

Dabei haben die Iren ein nicht so kritisches Verhältnis zum Alkohol. „Er sorgt dafür, dass du auf deinen Vermieter schießt, und er sorgt dafür, dass du ihn verfehlst“, so ein selbstironischer Ausspruch zu diesem Thema. Da durfte dann natürlich erst recht noch ein Abstecher zur ältesten Whiskeybrennerei im Landesinneren bei Kilbeggan nicht fehlen.

Auch mit einigen Klischees räumte Hartmut Krinitz auf, indem er zum Beispiel feststellte, dass nur vier Prozent der Iren tatsächlich rote Haare haben  . . .

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