Unliebsame Nager
Realer Ratten-Horror: Ahlenerin durchlebt Albtraum

Ahlen -

Rattenplage an der Ahlener Roonstraße: Für Mary Kühn-Schrein der reale Horror. Bis zu 17 Nager auf einen Schlag zählte sie im Innenhof ihres Nachbarn. Einige sind jetzt bei ihr.

Donnerstag, 09.05.2019, 18:13 Uhr aktualisiert: 09.05.2019, 20:06 Uhr
Der Anbau, in dem sich die Ratten tummeln, grenzt an das Haus (l.), in dem Mary Kühn-Schrein zur Miete wohnt. Sogar vor ihrem Wohnzimmerfenster krabbelten die Nager durchs Geäst. Videos belegen es. Foto: Ulrich Gösmann / privat (1)

Sie kann nicht mehr schlafen, sie kann nicht mehr essen. Mary Kühn-Schrein ist mit ihren Nerven am Ende. Der Mai – bisher ein einziger Albtraum. Und: realer Ratten-Horror an der Roonstraße. Als am 30. April der erste Nager über Nachbars Mauer zu ihr in den Garten huschte, ahnte sie nicht, was noch kommen sollte. Für die Behörden ein Routinefall. Doch von der hätte die Ahlenerin mehr Bürgernähe erwartet.

Der 60-Jährigen zittert am Donnerstagmorgen die Stimme. Türen und Fenster sind geschlossen, gelüftet wird schon seit Tagen nicht mehr, nachdem sich die Ungeziefer sogar in den Ästen eines Baumes direkt vor ihrem Wohnzimmerfenster tummelten. Am Maifeiertag war Mary Kühn-Schrein der Fährte der ersten Wanderratte bis zum Haus Lütkeweg 28 gefolgt. Im Innenhof ihres Nachbarn rang sie dann nach Luft: Ratten kreuz und quer zwischen Bergen aus Müll – und auch hinter den Fensterscheiben eines leerstehenden Anbaus. Geschockt alarmierte sie die Polizei.

Bis ans Fenster kommen die Ratten.

Bis ans Fenster kommen die Ratten. Foto: privat

Die schickte den Bereitschaftsdienst der städtischen Ordnungsbehörde vorbei. „Die Mitarbeiterin hätte sich fast übergeben“, sagt die Ruheständlerin. Umso überraschter sei sie gewesen, wie distanziert ihr Fall in den nächsten Tagen behandelt worden sei. Aus der Ordnungsabteilung habe sie die Order bekommen, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Was auch für weitere Nachbarn gegolten habe. Die zählten zwischenzeitlich 17 Tiere auf einen Schlag.

Für Michael Göttfert , Leiter der städtischen Ordnungsabteilung, gehören Rattenauswüchse zum Behördenalltag. Meldungen gebe es jährlich drei bis vier. Doch: „So drastisch hatten wir es in letzter Zeit nicht.“ Die Stadt habe gleich Kontakt mit dem Eigentümer aufgenommen und ihn aufgefordert, den Unrat zu beseitigen und Maßnahmen gegen die Ungeziefer einzuleiten. Der fernmündlichen Zusage aus dem Türkei-Urlaub folgte nach Göttferts Worten eine Umsetzung, die nur halbherzig gewesen sei.

Der Innehof: Tummelplatz für Wandreratten. Gespielt wird hier auch.

Der Innehof: Tummelplatz für Wandreratten. Gespielt wird hier auch. Foto: Ulrich Gösmann

Massenhafter Befall

Sperrmüll, Bauschutt und Lebensmittelreste, die teils in gelben Säcken auf dem Innenhof lagen, seien zwar in Müllsäcke gepackt, aber zum vereinbarten Zeitpunkt nicht abgeholt worden. Was zwischenzeitlich aber passiert sei. Weil es sich um ein Privatgrundstück handele, habe die Stadt nicht selbst aktiv werden können. Am Montag holte sie das Kreis-Gesundheitsamt mit ins Boot.

Durch den massenhaften Rattenbefall ist eine Gesundheitsgefährdung der Bewohner der umliegenden Objekte nicht auszuschließen...

Kreissprecher Thomas Fromme

Gemeinsamer Ortstermin am Dienstag, bei dem auch die Nager Präsenz zeigten. Kreissprecher Thomas Fromme: „Während der Besichtigung durch eine Mitarbeiterin unseres Gesundheitsamtes überquerten mehrere Ratten den Hof. Durch den massenhaften Rattenbefall ist eine Gesundheitsgefährdung der Bewohner der umliegenden Objekte nicht auszuschließen, da sie auch dort auf Nahrungssuche gehen.“

Kinder aus dem gegenüberliegenden Gebäude nutzten den Hof, wo auch eine Schaukel stehe, zum Spielen. Da Ratten, wenn sie sich bedrängt fühlen, beißen, sei die Gefahr gegeben, dass spielende Kinder gebissen werden. Es bestehe somit eine Gesundheitsgefährdung. Daher empfehle das Gesundheitsamt gemäß Paragraf 17 Infektionsschutzgesetz der Stadt als zuständige örtliche Ordnungsbehörde dringend eine Bekämpfung. Diese Maßnahmen sollten durch Fachkräfte durchgeführt werden. Eine gleichlautende Stellungnahme ging am Mittwoch an die Stadt – und von da gleich weiter an den Eigentümer.

Köder, Boxen und Käfige: Mit Hilfe eines Kammerjägers hat Marie Kühn-Schrein Maßnahmen in Haus und Garten getroffen.

Köder, Boxen und Käfige: Mit Hilfe eines Kammerjägers hat Marie Kühn-Schrein Maßnahmen in Haus und Garten getroffen. Foto: Ulrich Gösmann

Am Mittwochnachmittag, so Ordnungsamtsleiter Michael Göttfert, sei ein Kollege erneut vor Ort gewesen und habe sich vom Eigentümer bestätigen lassen, dass alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet worden seien. Worüber Mary Kühn-Schrein nicht einmal lachen kann. Zwei Köderboxen für eine ganze Rattenarmee – eigentlich ein Witz, wenn‘s nicht realer Horror wäre. Am Ende mit ihren Nerven, reicht ihre Kraft nur noch für diese eine Frage: „Welche Frau soll das aushalten?“

Gelüftet wird vorerst nicht. Sonst sind sie drin.

Gelüftet wird vorerst nicht. Sonst sind sie drin. Foto: Ulrich Gösmann

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