Tag des offenen Denkmals
Die Modernität der späten 50er

Ahlen -

Wie wohnt es sich in einem Denkmal? Bestens, sagt Familie West, die seit einigen Monaten in der ehemaligen Fabrikanten-Villa Schwarte am Vorhelmer Weg zu Hause ist. Zum Tag des offenen Denkmals öffnet die Familie die Türen.

Montag, 19.08.2019, 17:14 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 08:58 Uhr
Das Auffälligste an dem Wohnhaus ist das Reetdach. Es symbolisierte für die einstigen Eigentümer, die Fabrikantenfamilie Schwarte, den „Sehnsuchtsort“ Lüneburger Heide. Auf der Terrasse der neue Hausherr Stefan West im Gespräch mit Dr. Alexander Berger. Foto: Sabine Tegeler

Es fiel nie wirklich auf, das Haus am Vorhelmer Weg 32-34. Hohe Bäume verdeckten die Sicht, zudem ist es weit ins Grundstück hineingebaut. Jetzt, nachdem unter anderem Orkan Friederike für freiere Sicht sorgte, sticht es schon ins Auge. Allein durch das in Westfalen unübliche Reetdach.

Das denkmalgeschützte Wohnhaus, einst das Zuhause des Fabrikanten Hermann Schwarte , gehört heute der Familie West. Und die hat sich entschlossen, zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, die Öffentlichkeit zu sich einzuladen und das Schmuckstück vorzuführen.

Ein Vorgeschmack

Am Montagvormittag bekommen Sabine und Stefan West zusammen mit ihren Kindern Tineke und Ben schon mal einen Vorgeschmack auf das „offene Denkmal“. Denn zur Vorstellung des Aktionstags kommen neben Bürgermeister Dr. Alexander Berger und diversen Pressevertretern weitere Akteure: die städtische Denkmalpflegerin Nicole Wittkemper-Peilert , der ehrenamtliche Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst sowie Willi Bäumer und Werner Krokor von der Fotogruppe Kontrast. Die zeigt anlässlich des Denkmaltags ihre Fotoausstellung „Stille Zeitzeugen“ in der Maschinenzentrale auf der Zeche.

Einladung zum Tag des offenen Denkmals.

Einladung zum Tag des offenen Denkmals. Foto: Sabine Tegeler

Aber zurück zum Vorhelmer Weg: Die Familie West ist erst vor gut einem halben Jahr dort eingezogen. „Eine Woche vor Weihnachten waren wir drin“, schaut Stefan West zurück. Davor hätten Monate intensivster Arbeit gelegen: „Wir haben fast kernsaniert.“ Sabine West fasst es so zusammen: „Es ist kein Kabel, kein Rohr dringeblieben.“

280 Quadratmeter Wohnfläche wurden hergerichtet – und zwar so, dass alles modernen Anforderungen entspricht, der Charme des Hauses aber erhalten blieb. Aus drei kleinen hintereinanderliegenden Räumen wurde beispielsweise eine moderne Küche, die Bibliothek haben die Wests farblich aufgehübscht, die Bäder erneuert, die Fenster ersetzt, den Parkettboden aufgearbeitet.

Aus drei Räumen wurde eine Küche.

Aus drei Räumen wurde eine Küche. Foto: Sabine Tegeler

Das Reetdach sei erst vor fünf Jahren vom Vorbesitzer neu gedeckt worden. „Da ist in den nächsten 30, 40 Jahren kein Vergang dran“, freut sich Stefan West. Und Sabine West will die Handwerker erwähnt wissen: Die hätten nämlich zuverlässig und Hand in Hand gearbeitet. Auch die Sanierung des eingebauten Mobiliars sei fachmännisch und behutsam vonstatten gegangen.

1958 hatte Hermann Schwarte das Wohnhaus bauen lassen und mit dem Reetdach, so Nicole Wittkemper-Peilert, den familiären „Sehnsuchtsort Lüneburger Heide“ verwirklicht. „Es ist ein Landhaus“, erklärt die Denkmalfachfrau, dass auch dieser Stil eine typische Strömung in den späten 50er, Anfang 60er Jahre gewesen sei.

„Haus am Stück“

Sie sei so froh, sagt Nicole Wittkemper-Peilert, dass die Familie West das „Haus am Stück“ nutze. Denn es sei einst im Gespräch gewesen, es wegen besserer Vermarktungsmöglichkeiten in vier Wohneinheiten zu unterteilen. Das habe sich ja nun erledigt und sie danke den neuen Eigentümern für den guten Kontakt zur Denkmalbehörde. Neben dem Haus stehen auch die Garage und der Garten unter Denkmalschutz und auch dafür hätte die Familie bereits ein tolles Konzept.

„Sie haben ganz viel Arbeit mit den Räumlichkeiten gehabt“, lobt Bürgermeister Alexander Berger erst Sabine und Stefan West und dann die eigene Denkmalbehörde in Person von Nicole Wittkemper-Peilert: „Wir betreiben Denkmalschutz mit Augenmaß und sind fachlich sehr gut aufgestellt.“ Die Stadt bewahre, was bewahrenswert sei.

Das Haus am Vorhelmer Weg 32-34 kann am Sonntag, 8. September, in der Zeit von 11 bis 17 Uhr besucht werden.

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