Keine Besserung im Stadtteil „Mexiko“
Die Ratten laufen munter weiter

Ahlen -

Erste Maßnahmen in Ahlens südlichem Stadtteil „Mexiko“ haben nichts am Rattenproblem geändert. Nach der Familie Szymanski meldet sich jetzt ein weiterer Anwohner zu Wort. Er lebe hier schon seit zehn Jahren mit der Plage, sagt Vokan Turp.

Mittwoch, 11.09.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 08:15 Uhr
Hier laufen sie: Volkan Turp zeigt auf Zaun und Rohr. Nachts höre er die Ratten über sich, wenn er im Bett liege. Foto: Ulrich Gösmann

Die Weintrauben reifen unter der Sonne „Mexikos“ in Ahlens südlichem Stadtteil zur letzten Süße. „Hinter mir hört man sie abends schmatzen“, sagt Christian Szymanski. Sie – die Ratten.

Wer kann es noch hören, wer will es noch lesen, wer mag noch mit ihnen leben? Und dennoch ist es den Betroffenen nach Öffentlichkeit. Gerade zurück aus dem Seeurlaub, hat der Alltag die Szymanskis mit ihrem Rattenproblem im Reihenhaus an der Fritz-Husemann-Straße eingeholt. „Alles zerstört“, sagt Jessica Szymanski – und zeigt auf die Stellen, wo vor dem Urlaub noch die Blumen blühten.

Die Geranien angefressen, die Nelken komplett weg – und der Schilf plötzlich ohne Wurzeln. Den Rest hat ihr Mann gleich entsorgt und den grünen Anteil in ihrem zunehmend steril grauen Garten weiter zurückgefahren. Ein Loch ist noch zu sehen, durch das die Nager zum Nachbarn huschten, weil es da augenscheinlich die süßesten Früchte gibt.

Der ganze Müll aus den Autos liegt jetzt im Garten.

Christian Szymanski

Hinter hohem Zaun hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan. Das Antennenkabel, über das die Kletterakrobaten – auf Videos dokumentiert – aufs Dach flitzten, ist eingezogen. Die Schrottautos sind aus dem Garten fristgerecht verschwunden. Das hatten Gesundheitsamt und Ordnungsbehörde nach einem Ortstermin angeordnet. Entspannt hat das die Situation aber nicht. „Der ganze Müll aus den Autos liegt jetzt im Garten“, erregt sich der Familienvater. Eine Alternativstrecke zum Antennenkabel hätten die Plagegeister auch gefunden. Szymanski: „Die gehen jetzt über den Zaun hoch.“

Ratten im Stadtteil „Mexiko“

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  • Zwei Nachbarn, dazwischen die Rattenplage: die Familien Szymanski und Turp im Ahlener Südenstadtteil. Foto: Ulrich Gösmann
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Der Jahresurlaub war diesmal schnell abgehakt. „Ich fand es am Freitagabend ex­trem, was hier durch den Garten gelaufen ist“, berichtet der Ahlener beim Ortstermin am Montagabend. Acht, neun, zehn Tiere habe er vorbeiflitzen sehen. Dann verschwanden sie im Schilf. Mit dem machte der 41-Jährige kurzen Prozess. Doch: „Was sollen wir denn noch wegmachen?“

Unser eineinhalbjähriger Junge darf nichts anfassen. Ist das normal?

Jessica Szymanski

Den Hinweis der Ordnungsbehörde, Szymanskis seien mit ihrem Komposthaufen und den Bodenpaneelen, unter denen die Nager Zuflucht finden könnten, Teil des Problems, bringt sie auf die Palme. „Wir haben hier keinen Komposthaufen. Das ist reine Erde“, reagiert der Hauseigentümer. Und die Paneelen, über die der Weg durch den Garten führt, seien sauber, von Randsteinen flankiert und würden am anderen Ende jetzt auch noch dichtgemacht. Eigenkontrollen hätten gezeigt: darunter keine Ratten.

Ehefrau Jessica ist um Fassung bemüht: „Wir machen uns einen schönen Garten und wir sind Schuld? Wir haben mal in Tönnishäuschen am Wald gewohnt und in der ganzen Zeit nicht eine einzige Ratte gesehen.“ Und hier? „Wir gehen mit unseren Hunden angeleint in den Garten. Unser eineinhalbjähriger Junge darf nichts anfassen. Ist das normal?“

Jeden Morgen desinfiziere sie Gartenstühle und Spielsachen. Von Behördenseite sei ihr gesagt worden: „Hängen Sie alles hoch. – Gilt das auch für den Sandkasten?“ Jessica Szymanski zeigt auf die Weintrauben, die am Zaun des Nachbarn reifen. Auf die Pflaumen darüber und darunter. Ein gefundenes Fressen für die, die auf Obst stehen.

Nachts hören wir es immer wieder über uns rascheln.

Volkan Turp

Die Familie Turp teilt den Ärger der Szymanskis. Zwischen beiden Grundstücken liegt nach übereinstimmender Meinung der Ursprung allen Übels. Volkan Turp erklärt den Weg der Hausratten auf sein Dach. Über den Zaun, hinter dem Ablaufrohr der Rinne flott hinauf. „Nachts hören wir es immer wieder über uns rascheln.“

Auf dem Balkon zum Schlafzimmer liegt kleinteiliges Styropor, das die Nager aus der Dachisolierung gebröselt haben müssen. Unten im Garten liefern Löcher zum Nachbarn weitere Beweise.

„Das Rattenproblem“, sagt Volkan Turp noch, „haben wir seit zehn Jahren“. Und nicht erst, als die Szymanskis vor einem Jahr zwei Häuser weiter einzogen.

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