„Weihnachten im Schuhkarton“
Stricknadeln klappern auch unter Palmen

Ahlen -

Weihnachtsstimmung lang durchs Jahr: Für die Aktion rund um die Schuhkartons, die Kinder in Krisengebieten alle Jahre wieder zum Fest der Feste erreichen, nimmt Margret Wessel (80) ihre Stricknadeln sogar mit in den Thailand-Urlaub.

Samstag, 12.10.2019, 13:00 Uhr
Reisefertig für die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton.“ 20 Kartons sind gepackt, weitere in Arbeit. Foto: Ulrich Gösmann

Ihre Stricknadeln klappern auch unter Palmen, wenn Margret Wessel ihren Sohn in Thailand besucht. Mit handgearbeiteten Mützen und Täschchen geht‘s wieder zurück nach Ahlen. Die 80-Jährige kann‘s nicht lassen. Für die Aktion „ Weihnachten im Schuhkarton“ engagiert sich die 80-Jährige das ganze Jahr hindurch. Und das jetzt schon im 20. Jahr.

„Nein, bitte kein Foto von mir“, zeigt sich die Ahlenerin in dieser Woche beim Hausbesuch öffentlichkeitsscheu. Sie möchte eigentlich nicht mit Bild und Namen in der Zeitung stehen. Margret Wessel werkelt lieber daheim in ihrer guten Stube in der Klostergasse im Verborgenen. Sie hält es wie die Pfadfinder: „Jeden Tag eine gute Tat.“ Denn: „Wenn Du was gibst, kriegst du ganz viel zurück.“ Dass Kinder in Krisengebieten dieser Welt auch zu Weihnachten 2019 Kartons öffnen, die sie mit so viel Leidenschaft durchs Jahr packte, ist ihr ganzer Ansporn. Auch ihre Geschichte soll es an dieser Stelle sein, um andere zu animieren, mitzumachen. Dafür dann doch – ihr Name, ihr Foto und auch ihre Geschichte an dieser Stelle.

Sammelstellen

Annahmestellen sind auch in diesem Jahr wieder die „Stoff-Zentrale“ im Verlagshaus unserer Redaktion an der Ostenmauer, das Delta-Studio an der Parkstraße, die Kindertagesstätte Roncalli an der Lessingstraße, das Fotostudio Gottschling an der Gerichtsstraße und die Privatadresse der Eheleute Gottschling an der Piusstraße. Hier werden nicht nur komplett gepackte Kartons angenommen, sondern auch Einzelgaben wie kleines Spielzeug, Hygieneartikel oder Schulbedarf. Darüber hinaus liegen vorgefertigte Kartons zum Mitntehmen bereit. Ebenso Flyer, die auflisten, was mit auf die Reise darf. Weitere Fragen beantwortet Kirsten Gottschling unter der Nummer 7 75 69 36

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Zwei Mützen in drei Tagen: „Nebenbei läuft der Fernseher“, plaudert Margret Wessel munter aus ihrem Nähkästchen. „Wenn ich bei 100 angekommen bin, bin ich immer auch ein bisschen stolz.“ Auf 20 Jahre hochgerechnet, steuert ihre Mützenmanufaktur auf die nächste große Zahl zu, die sie selbst nicht glauben will. Und: Jedes Stück sei ein echtes Unikat. Oft strickt sie zwei parallel. Das lasse Freiraum für Fantasien. Gleiches gilt für die kleinen Handtäschchen, die ihr Wohnzimmerfenster zum Schaufenster machen. Ein Blickfang, um Vorbeiziehende auf die Aktion aufmerksam zu machen, um den kleinen Wink mit auf den weiteren Weg zu geben: „Mach doch mit!“

Weihnachten kann kommen: 20 Kartons sind gepackt, weitere in Arbeit. Seit 20 Jahren unterstützt Margret Wessel die Aktion rund um den Schuhkarton.

Weihnachten kann kommen: 20 Kartons sind gepackt, weitere in Arbeit. Seit 20 Jahren unterstützt Margret Wessel die Aktion rund um den Schuhkarton. Foto: Ulrich Gösmann

Stricken ist nicht alles. „Kein Grabbeltisch ist vor mir sicher“, amüsiert sich Margret Wessel. Sie habe bestimmte Läden, wo sie ganz genau wisse, fündig zu werden. Ob Malbücher oder Farbkästen, Bunt- oder Bleistifte: „Wenn mir jeder, der mir unterwegs entgegenkommt, einen Euro geben würde, was könnte ich dafür alles kaufen?“ Schwärmt sie und springt gedanklich herüber nach Thailand. Ihr Familienbesuch ist zwei- bis dreimal im Jahr auch Shoppingtour für die gute Sache. Dort gebe es einen dicken Bund guter Buntstifte für ganz kleines Geld, die beim Anspitzen nicht gleich abbrechen.

Kein Grabbeltisch ist vor mir sicher.

Margret Wessel

Für Kirsten und Volker Gottschling, die die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ seit über 20 Jahren in Ahlen im Namen der internationalen Organisation „Geschenke der Hoffnung“ organisieren, zählt die rührige Rentnerin zu den ganz treuen Seelen und Aktivposten. Aber auch Kindergärten und Schulen machen mit, von Zeit zu Zeit sogar Vereine und Firmen. Zählen die Gottschlings ihre Päckchen zusammen, ist der große Sprung über die 10 000er-Hürde längst geschafft. In dieser Woche geht es in die nächste Runde. Wie viele Päckchen diesmal zusammenkommen, wird sich Mitte November zeigen, wenn in Umzugskartons die weite Reise an ferne Orte Osteuropas beginnt, an denen zum Fest der Feste oft schon Kleinigkeiten reichen, um Kinderaugen funkeln zu lassen.

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