Wieder Ärger mit der Eurobahn
„Nicht akzeptabel“

Drensteinfurt/Rinkerode -

Erneut gibt es Ärger mit der Eurobahn. Zugreisende aus Drensteinfurt und Rinkerode beschweren sich über überfüllte Züge und Zugausfälle. Dazu bezieht nun der heimische Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum Position.

Mittwoch, 13.12.2017, 23:12 Uhr

Nichts geht mehr: So beginnt für viele Pendler, die von Drensteinfurter und Rinkerode nach Münster müssen, fast allmorgendlich der Arbeits- oder Schultag. In der Kritik steht dabei abermals die Eurobahn.
Nichts geht mehr: So beginnt für viele Pendler, die von Drensteinfurter und Rinkerode nach Münster müssen, fast allmorgendlich der Arbeits- oder Schultag. In der Kritik steht dabei abermals die Eurobahn. Foto: Jürgen Blümer / Klaus Meyer

Wer allmorgendlich auf die Bahnverbindung in Richtung Münster angewiesen ist, der kann ein „Lied“ davon „singen“. Freie Sitzplätze: Fehlanzeige. Dafür gibt es jede Menge miefige Luft und Gedränge. „In den letzten Wochen häufen sich Schwierigkeiten der Eurobahn auf der Strecke der RB69/89. Insbesondere klagen die Fahrgäste über ausgefallene oder hoffnungslos überfüllte Züge um 7.02 Uhr in Drensteinfurt und 7.06 Uhr in Rinkerode. Jetzt reagiert der heimische Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum ( CDU ) auf die Fahrgastkritik, die der Drensteinfurter Jürgen Blümer zuletzt in einem „offenen Brief“ an alle Beteiligten zusammengefasst hatte.

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Rehbaum erinnert an Vertragspflicht

„Sowohl für die Fahrgäste als auch aus Sicht des Steuerzahlers, der einen großen Teil der Kosten des Bahnbetriebs trägt, ist dieser Zustand nicht zu akzeptieren. Der Bund überweist dem Land Gelder aus dem Mineralölsteueraufkommen. Das Land leitet die Gelder an die drei Schienenzweckverbände in Rheinland, Ruhrgebiet und Westfalen weiter, die damit Verkehrsleistungen bei den Bahnunternehmen einkaufen“, so Rehbaum weiter. „Die Vertragspartner der Zweckverbände sind die Bahnunternehmen, und die müssen sich an die abgeschlossenen Verträge halten.“

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Erklärungen der Eurobahn 

Er selbst habe in der vergangenen Woche ein „vertrauensvolles Gespräch“ mit der Eurobahn geführt und um Darstellung der Gründe für die Kapazitätsprobleme gebeten, so der Abgeordnete weiter. Neben Krankheitsfälle beim Fahrpersonal seien vor allem technische Schwierigkeiten als Gründe für die aktuellen Probleme genannt worden. „Auch wenn ich als Abgeordneter keinerlei Einfluss auf betriebliche Abläufe habe, habe ich die Eurobahn dringend gebeten, erforderliche Werkstattaufenthalte von Triebwagen außerhalb der Morgenspitze zwischen 7 und 9 Uhr auf dieser Strecke vorzunehmen“, sagt Rehbaum. Des Weiteren habe er der Eurobahn aus seiner Erfahrung als Führungskraft im Bus- und Bahnverkehr als Sofortmaßnahme empfohlen, bei unvermeidbaren Triebwagenausfällen frühzeitig Ersatzbusse zumindest für die Schüler in Rinkerode und Drensteinfurt einzusetzen. Zwischen 7 und 9 Uhr sei es zwar sehr schwer, aber nicht unmöglich, Busse anzumieten.

Betreiberwechsel als letzter Weg

Es sei halt eine Frage des Preises. „Sollte sich nicht schnellstens eine spürbare Verbesserung für die Fahrgäste einstellen, plädiere ich für die vor allem organisatorisch schwierige, schrittweise Entbindung von Bahnunternehmen von ihren Verkehrsverträgen und das konsequente Ersetzen durch andere Bahnbetreiber sowie eine Überprüfung der Fahrzeugereservequote“, fordert Henning Rehbaum. „Die neue Landesregierung stellt ab 2018 mehr Bundesmittel für den Schienen-Personen-Nahverkehr sowie Landesmittel für moderne Fahrscheinsysteme, ein Azubiticket, ein Sozialticket in stabiler Höhe und Zuschüsse für saubere Stadtbusse bereit. All diese Gelder können für die Fahrgäste aber nur dann Nutzen stiften, wenn die beauftragten Unternehmen die zugesicherte Qualität auch liefern.“

Reaktionen 

Forderungen, die Jürgen Blümer allerdings wenig zufriedenstellen. Und dass nicht nur in Sachen „Ersatzverkehr“. „Für einen Bus ist es in der Hauptverkehrszeit zwischen 7 und 9 Uhr unmöglich, auch nur annähernd zeitnah den Bahnhof vom Münster zu erreichen. Die Fahrtzeit würde sich schlichtweg verdreifachen. Es verschlägt einem geradezu den Atem, wie weltfremd sie hier unsinnige Lösungen als Politikersatz anpreisen“, so Blümer.

Bürgermeister und Stadtrat gefragt

„Ich fordere nun den Bürgermeister und den Stadtrat auf, zu den hanebüchenen Ideen des Unions-Verkehrspolitikers Stellung zu nehmen. Es kann nicht sein, dass wieder einmal die Verantwortung weggeschoben wird und man sich mit öffentlichkeitswirksamen Phrasen einen schlanken Fuß macht. Ich fordere von Bürgermeister und Stadtrat, dass endlich alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, damit die würdelosen Zustände im Schienen-Personen-Nahverkehr ernsthaft und grundsätzlich angegangen werden.“ Insbesondere erwarte er, dass zeitnah die Politik vor Ort aktiv wird und eine Änderung der Ausschreibungsverfahren der Zweckverbände einfordere. „Es kann nicht sein, dass ein aktenkundig unfähiges Unternehmen weiterhin mit Strecken beglückt wird und sich die Transportqualität damit weiter verschlechtert“, so der Drensteinfurter.

Eurobahn

Die Eurobahn ist ein Tochterunternehmen des französischen Keolis-Konzerns, der wiederum zur Staatsbahn SNCF gehört. Seit 1999 ist Keolis unter dem Namen Eurobahn in Deutschland aktiv und betreibt drei Netze in Nordrhein-Westfalen und Nordhessen. Nach eigenen Angaben hat sich das Unternehmen in dieser Zeit zum größten privaten Anbieter im öffent­lichen Schienenpersonennahverkehr in NRW entwickelt. Zum Unternehmen gehören mehr als 300 Zugführer und Zugbegleiter. Das Unternehmen befördert täglich 70.000 Reisende. Die Leitung des operativen Geschäfts erfolgt an den Standorten in Bielefeld, Hamm und Düsseldorf. Wiederholt ist die Eurobahn in die Kritik ge­raten. Immer wieder fällt sie durch Verspätungen und Zugausfälle auf. Das Unternehmen hat bereits mehrfach Personalprobleme eingeräumt. (-er-)

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