Klimaforscher Mojib Latif kommt nach Telgte
Seit über 30 Jahren engagiert

Telgte -

Mojib Latif ist einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands. Vor seinem Auftritt beim Telgter Neujahrsempfang am Samstag hatten die WN Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

Samstag, 12.01.2019, 11:00 Uhr
Foto: Gunnar A. Pier

Mojib Latif ist einer der renommiertesten Klimaforscher Deutschlands. WN-Redakteur Sebastian Rohling hatte die Möglichkeit, mit dem Professor am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) und Leiter der Forschungseinheit „Maritime Meteorologie“, der zugleich auch Vorstandsvorsitzender des Deutschen Klima-Konsortiums sowie Präsident der Deutschen Gesellschaft „ Club of Rome “ ist, ein paar Worte zu wechseln.

Sie engagieren sich nun schon sehr lange für das Klima. Was war der Auslöser dafür? Gab es einen bestimmten Moment?

Mojib Latif: Als der Spiegel 1986 mit dem Kölner Dom aufmachte, der halb unter Wasser stand. Und damit das Thema Klimawandel thematisierte.

Wie haben Sie die vergangenen Jahre als Wissenschaftler erlebt?

Mojib Latif: Leider führt Erkenntnis nicht automatisch zum Handeln. Wir müssen in Sachen Klimakommunikation noch besser werden.

Und wie als Privatperson?

Mojib Latif: Inzwischen bin ich bekannt wie ein „bunter Hund“ und werde bei den verschiedensten Gelegenheiten angesprochen.

Es ist nun rund elf Jahre her, dass sie zusammen mit Noel S. Keenlyside eine Studie veröffentlicht haben, in der die mögliche Temperaturentwicklung bis 2025 untersucht wurde. Wie sehr fühlen Sie sich rückblickend in ihren Prognosen bestätigt? Und was bedeutet das für die kommenden Jahre?

Mojib Latif: Es war wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Temperatur nicht Jahr für Jahr neue Rekordwerte erreichen kann. Und tatsächlich gab es ein paar Jahre, während derer die Erdtemperatur nicht gestiegen ist. So wie wir es berechnet hatten. Inzwischen steigt die Temperatur wieder, was wir auch so vorhergesehen haben.

Wie stehen Sie zu der Behauptung, dass die Menschen nur deswegen nicht für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen und nachhaltig ihren Lebenswandel verändern, da die Thematik zu komplex und die „Idee“ zu abstrakt sei?

Mojib Latif: Ich denke, dies ist ein wichtiger Grund. Die Bedrohung ist nicht offensichtlich. Treibhausgase wie CO² kann man nicht sehen. Deswegen bemerken wir nicht, dass der CO²-Gehalt der Luft in der Menschheitsgeschichte noch nie so hoch war wie heute. Und er wird weiter steigen. Zudem ist das Klima träge und entwickelt sich langsam.

Es gibt zahllose Baustellen in der Klimapolitik? Welche wurden ihrer Meinung nach am meisten in den vergangenen Jahren vernachlässigt?

Mojib Latif: Der Verkehrssektor. Dort steigen die Treibhausgasemissionen immer noch.

Wie versuchen Sie ihre Klimabilanz, die ja unweigerlich durch die vielen Reisen zu Konferenzen und Vorträgen verschlechtert wird, auszugleichen?

Mojib Latif: Das ist schwierig. Meine persönliche Klimabilanz ist wegen meiner zahlreichen Verpflichtungen im In- und Ausland äußerst schlecht. Ansonsten nehmen ich des Öfteren Termine mit dem Fahrrad wahr, nutze wenn möglich den ÖPNV und versuche so viel Strom wie möglich zu sparen.

Wo sehen Sie in naher Zukunft die derzeit größten Potenziale, etwas für den Klimaschutz zu tun?

Mojib Latif: Bei den erneuerbaren Energien, vor allem im Wärmebereich.

Welche Konsequenzen, oder besser Lehren haben sie aus den vielen Diskussionen mit „Klima-Skeptikern“ und „Klima-Leugnern“ für sich gezogen und wie begegnen Sie diesen Menschen?

Mojib Latif: Wir leben inzwischen in postfaktischen Zeiten. Viele Leute können Sie mit Argumenten nicht mehr erreichen. Darin sehe ich auch eine große Gefahr für die Demokratie.

Welchen Rat haben Sie für Menschen, Ihr Umfeld für die Idee eines nachhaltigen Lebenswandels zu begeistern?

Mojib Latif: Man sollte es einfach vormachen. Klimaschutz bringt Spaß. Man sollte über die Vorteile sprechen. Es geht nicht um Verzicht. Wir können nur gewinnen.

Was wollen Sie den Menschen mit auf den Weg für das neue Jahr geben?

Mojib Latif: Nichts ist unmöglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6311921?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F191%2F
463 neue Plätze in Kitas und Tagespflege - weiterer Ausbau nötig
Bei der Betreuung der unter dreijährigen Kinder muss die Stadt die Betreuungsquote weiter nach oben schrauben.
Nachrichten-Ticker