Abschiedsparty im „Ed‘s“
Großer Bahnhof für „Ralle“

Warendorf -

Es war ein emotionaler Moment für Ralf „Ralle“ Friedrich, als er am Silvesterabend um 19 Uhr zum letzten Mal die Tür des „Mr. Ed‘s“ für seine Gäste öffnete. Nach der Versteigerung des Inventars ( die WN berichteten ) und dem letzten Konzert folgte die Abschiedsparty.

Dienstag, 01.01.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.01.2019, 07:59 Uhr
Zum Abschied noch einmal volles Haus: Viele langjährige Freunde des „Mr. Ed‘s“ feierten mit Wirt „Ralle“ Friedrich den Jahreswechsel. Foto: Christopher Irmler

„Das klingt jetzt irgendwie bekloppt, aber: Die letzten zwei Wochen waren ganz toll“, sagt Friedrich . „Meine Stammgäste haben mich noch einmal privat angeschrieben und mir gesagt, dass ihnen etwas fehlen wird. Es ist schon krass, wenn man sieht, wie viele Leute einem noch ein letztes Mal die Ehre erweisen. Deshalb kann ich mich heute auch ein bisschen freuen.“

Stolz mache ihn zudem die Geschlossenheit seines Teams. Im Vorfeld der Silvesterparty war das gesamte Personal zum gemeinsamen Essen zusammengekommen. Keiner von ihnen wollte diesen denkwürdigen Abend verpassen.

Wie ereignisreich die gemeinsamen Jahre auch für die Gäste waren, verdeutlichte eine bunte Foto-Beamer-Show, die stundenlang lief, ohne sich zu wiederholen. Entsprechend wurde mancher Gast melancholisch. „Das Ed‘s war quasi mein Wohnzimmer. Es war ein Lebensgefühl. Man kann das nicht so leicht in Worte fassen. Es ist einfach ein Stück Warendorf, das jetzt stirbt“, findet etwa Sarah. Auch Tim hat eine ganz besondere Beziehung zum Ed‘s. „Hier habe ich meine Freundin kennen gelernt.“ Kumpel Freddi wird die Kneipe ebenfalls so schnell nicht vergessen. „Hier habe ich das WM-Finale 2014 gesehen und den Titel gefeiert. Dazu kommt, dass unser Freundeskreis hier jede Verlobung gefeiert hat. Das verbindet.“

Ralf „Ralle“ Friedrich und sein Mr. Ed‘s

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  • Ralf „Ralle“ Friedrich – eine Warendorfer Kultfigur.

    Ralf „Ralle“ Friedrich – eine Warendorfer Kultfigur.

    Foto: privat
  • Vermieter Alfons Buddenkotte hat dem besiegelten Aus des Ed‘s aus Protest die Fassade „vernageln“ lassen. Noch steht immer nicht fest, was mit der Immobilie nach dem 1. Januar 2019 passiert.

    Foto: Jonas Wiening
  • R.I.P Mr. Eds. Dieser Grabstein und die vielen Fotos in der Kultkneipe zeigen die Trauer der Menschen.

    Foto: Jonas Wiening
  • Vor 2014 war das Mr. Ed‘s noch auf der anderen Straßenseite, dort wo jetzt die „Alte Frieda“ beheimatet ist, angesiedelt.

    Foto: Vornhusen
  • Karneval war auch im Ed‘s immer ein großes Ding.

    Foto: privat
  • Das Mr. Ed‘s galt als „die letzte Tankstelle vor dem Heimweg“.

    Foto: Edler
  • Vor wenigen Wochen ist versucht worden ins Mr. Ed‘s einzubrechen.

    Foto: Verschiedene
  • „Die Chefs der Warendorfer Glasfirma sind auch Kunden des Ed‘s. Die haben mir direkt eine neue Scheibe eingebaut. Das war super“, freut sich Ralle.

    Foto: Verschiedene
  • Seit 1992 ist Ralle Gastronom mit Leib und Seele.

    Foto: privat
  • Bürgermeister Axel Linke nahm hier eine Liste mit über 1000 Unterschriften für die Kultkneipe von Mit-Initiator Christian Havelt entgegen. Gebracht hat es nichts. Ralle ist nicht gut zu sprechen auf Bürgermeister Axel Linke, Baudirektor Peter Pesch und die Stadtverwaltung.

    Foto: Michèle Waßmann
  • Das Ed‘s wird (fast) allen Warendorfern fehlen.

    Foto: Jonas Wiening
  • Bis zum 31. Dezember zapfen Ralle und sein Team noch. Danach ist Schluss.

    Foto: Jonas Wiening
  • Ralf Friedrich hat schon seit einiger Zeit einen neuen Job als Disponent bei einem Personaldienstleister in Beckum.

    Foto: Jonas Wiening
  • Viel Live-Musik – ein Markenzeichen der Kultkneipe.

    Foto: Marion Bulla
  • In Warendorf kennt eigentlich jeder Ralle.

    Foto: privat
  • Die Küche im Ed‘s ist der Raucher- und Partyraum.

    Foto: privat
  • Ralle will trotz seiner neuen Arbeit in Beckum, Warendorf treu bleiben und weiter in der Emsstadt wohnen.

    Foto: privat
  • Dieses Schild verbinden viele sofort mit dem Ed‘s.

    Foto: Jonas Wiening
  • Ralle und „seine“ Frauen: Die Ed‘s-Mitarbeiterin lieben ihren Chef!

    Foto: privat
  • Bald wird wohl der Schriftzug verschwinden....

    Foto: Jörg Pastoor
  • ...und die Lichter der Kultkneipe gehen endgültig aus.

    Foto: Jörg Pastoor

Auch viele Mitglieder des Knobelclubs waren zur Silvesterparty gekommen. Schon als sich das Ed‘s noch in seinen alten Räumlichkeiten (heute „Alte Frieda“) befand, wurde bei „Ralle“ geknobelt. „Wir wissen noch nicht, wo und wie es weitergeht. Erst einmal hoffen wir natürlich, dass alle weitermachen wollen. Wir haben jeden Jahreswechsel im Ed‘s gefeiert. Da ist es klar, dass dieser Abend auch für uns ganz besonders ist“, gibt Sedat unumwunden zu.

Deutliche Worte findet derweil eine Gruppe Freundinnen aus Bremerhaven. Vor einigen Jahren, so berichtet Judith, sei das Ed‘s ihr Stammlokal gewesen. Ehrensache also, hier zum Abschied vorbeizuschauen. Dass es keine Lösung im Konflikt gab, sei vor allem der Stadt Warendorf anzulasten. „Vielen Dank an den Bürgermeister, dass so eine tolle Kneipe kaputtgemacht wurde“, so ihr sarkastischer Kommentar. „Das musste einfach mal gesagt werden.“

„Ralle“ genießt indes das letzte große Fest mit seinen Stammgästen, Freunden und Kollegen. „Die Runde geht auf mich“ heißt es an diesem Abend ein ums andere Mal. Und so schließt das Ed‘s seine Pforten – nicht leise, sondern mit einem letzten rauschenden Fest.

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