Kommunen müssen entscheiden
Gelber Sack oder gelbe Tonne? Die Chance zum Umdenken im Kreis Warendorf

Kreis Warendorf -

Der Abfall im Meer hat mit dem Verpackungsmüll im gelben Sack rein gar nichts zu tun. Und doch könnte die Vermüllung der Ozeane jetzt einen Kurswechsel einleiten.

Samstag, 13.07.2019, 06:02 Uhr aktualisiert: 13.07.2019, 10:31 Uhr
Soll die gelbe Tonne kommen – oder will man doch beim gelben Sack bleiben? Das kann jede Kommune für sich entscheiden. Aus Sicht von Andreas Meschede (Abfallwirtschaftsgesellschaft) wäre sowieso die Einführung einer Wertstofftonne das Beste. Foto: Astrid Springer

Viel Zeit bleibt nicht. Spätestens nach der Sommerpause müssen sich die Kommunen entscheiden, ob sie beim gelben Sack bleiben, die gelbe Tonne – oder später sogar die Wertstofftonne einführen wollen. Denn Anfang nächsten Jahres wird das Sammelsystem neu ausgeschrieben. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft des Kreises Warendorf (AWG) ist derzeit schon in Gesprächen mit den Systembetreibern, sagt deren Prokurist Andreas Meschede.

Derzeit hat nur Everswinkel die gelbe Tonne, aber auch Wadersloh und Oelde wollen sie einführen – ähnlich sieht es bei Telgte und Beelen aus. Beide Kommunen würde langfristig aber lieber auf die Wertstofftonne umsteigen – wenn möglich.

Wir sammeln nur Verpackungen ein, hier geht‘s nicht um den Brexit.

Andreas Meschede

„Sollten die Kommunen keine andere Entscheidung treffen, bleibt es beim gelben Sack“, erklärt Meschede. Der sei jedoch bei vielen unbeliebt, weil er schnell reiße und dann der Verpackungsmüll durch die Gegend fliege. Anderseits habe der Sack den Vorteil, dass man sehe, was drin ist. „In der gelben Tonne sind schon mehr Störstoffe enthalten.“

Trotzdem gibt Meschede keine Empfehlung für das eine oder andere System ab. Der AWG-Mitarbeiter hängt die Entscheidung auch nicht so hoch: „Wir sammeln nur Verpackungen ein, hier geht‘s nicht um den Brexit“, gibt er zu bedenken.

Andreas Meschede

Andreas Meschede Foto: Beate Kopmann

Viel wichtiger wäre aus Sicht der AWG gewesen, das Sammelsystem nicht länger der Privatwirtschaft zu überlassen. Dann könnten die Kommunen vernünftig steuern, es gehe nicht länger um Gewinnorientierung, sondern um Daseinsvorsorge. Jetzt seien dagegen für die Verpackungen die dualen Systeme zuständig, für die so genannten „stoffgleichen Nichtverpackungen“ (etwa Dosenöffner und Zahnbürste) die örtlichen Entsorger. Die Einführung einer Wertstofftonne, in die dann nicht nur der Verpackungsmüll, sondern eben auch die Zahnbürste dürfte, hätte viele Vorteile gehabt.

Wir müssen Abfall nicht nur recyceln, sondern vor allem vermeiden.

Andreas Meschede

„Meistens landen alle telefonischen Beschwerden bei uns, wenn die Abfuhr der gelben Säcke nicht klappt“, schildert Meschede. „Aber wir haben damit gar nichts zu tun.“ Seit Jahresbeginn sei das Unternehmen Tönsmeier zuständig, das mit PreZero zusammengegangen sei. „Die Abfuhr klappte von Anfang an nicht. Inzwischen ist es besser, abgesehen von Wadersloh, wo es noch immer große Probleme gibt.“

Das neue Verpackungsgesetz, das seit Jahresbeginn gelte, sei aber leider kein wirklicher Systemwechsel gewesen. Diesen hatte 1991 der damalige Umweltminister Klaus Töpfer angestrebt, der die Industrie verpflichten wollte, recyclingfreundlichere Verpackungen in Umlauf zu bringen. Die Wirtschaft habe sich damals aber quasi von diesen Auflagen freigekauft.

Trotz allem sieht Meschede im Moment die Chance zum Undenken. „Der Plastikmüll im Meer hat mit unserer Problematik hier nichts zu tun, aber die Menschen sind sensibilisiert. Wir müssen Abfall nicht nur recyceln, sondern vor allem vermeiden.“ Selbst die Discounter würden inzwischen auf diesen Zug aufspringen. Der umweltfreundliche Einkauf – etwa mit Mehrwegbeuteln für Obst und Gemüse – habe Konjunktur.

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