Landwirtschaft
So hart hat der Dürresommer die Landwirte in NRW getroffen

Münster/Düsseldorf -

Blaues Auge für die einen, erhebliche Einbußen für die anderen. Der Dürresommer 2018 hat für die nordrhein-westfälischen Landwirte unterschiedlich starke Auswirkungen gehabt. Angesichts der mageren Erntebilanz will sich die Landesregierung an Hilfsmaßnahmen beteiligen.

Montag, 20.08.2018, 11:36 Uhr aktualisiert: 20.08.2018, 12:46 Uhr
Beim Mais müssen Landwirte in NRW in diesem Jahr Einbußen bis zu 75 Prozent hinnehmen. Foto: Günter Benning

Jetzt ist es amtlich: Die Bauern in Nordrhein-Westfalen müssen in diesem Jahr in einigen Bereichen und Regionen mit Ernteausfällen von bis zu 75 Prozent rechnen. „Bei den Getreide-Erträgen stehen wir im Ländervergleich noch gut da, schlecht sieht die Erntesituation dagegen bei Grünland, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln aus“, sagte die zuständige NRW-Agrarministerin Ursula Heinen-Esser ( CDU ) am Montag in Düsseldorf.

Die Ernteausfälle dürften dabei nicht nur die Landwirte treffen, sondern könnten sich schon bald in steigenden Preisen für Lebensmittel niederschlagen. „Gerade bei mittelfrühen und späten Kartoffeln werden deutliche Ertragseinbußen erwartet – ohne zusätzliche Beregnung bis zu 50 Prozent. Viele Landwirte können die vertraglich vereinbarten Liefermengen nicht ernten“, so Heinen-Esser weiter. 

Bei den Getreide-Erträgen stehen wir im Ländervergleich noch gut da, schlecht sieht die Erntesituation dagegen bei Grünland, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln aus.

Ministerin Ursula Heinen-Esser
Heinen-Esser

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) Foto: dpa

Die Einbußen bei der Maisernte (in einzelnen Regionen von bis zu 75 Prozent) sowie dem Grünland lassen die Kosten für Futtermittel schon jetzt steigen – dies dürfte mittelbar auch die Preise für Fleisch steigen lassen. „Die jetzt gemeldeten Zahlen bestätigen unsere Wahrnehmung, dass es einige Regionen und Branchen sehr hart getroffen hat“, sagt der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband , Johannes Röring , unserer Zeitung. Bei den Getreideernten stehen die Landwirte in NRW mit Ausfällen von bis zu 40 Prozent noch vergleichsweise „gut da“.

Ernteausfälle wegen Dürre: Bauern wollen Hilfe

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  • Vertrocknete Maispflanzen stehen auf einem Feld. Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen.

    Vertrocknete Maispflanzen stehen auf einem Feld. Dem Bauernverband zufolge zeichnen sich schon jetzt in Teilen des Landes große Ernteausfälle ab, weil etwa Getreide und Gras nicht ausreichend wachsen.

    Foto: Ina Fassbender
  • Ein Mähdrescher fährt über ein Getreidefeld. Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Ein Landwirt pflügt mit einem Traktor im Hitzeflimmern der Mittagssonne über abgeerntetes Getreidefeld. Die wochenlange Dürre könnte aus Sicht des Deutschen Bauernverbands viele Landwirte ohne rasche Hilfe in Existenznöte treiben.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Radfahrer fahren auf dem Elberadweg an einer vertrockneten Wiese entlang.

    Foto: Sebastian Kahnert
  • Die anhaltende Dürre macht auch Almbauern in Österreich große Sorgen. Im Bundesland Vorarlberg können nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer von den 30.000 Stück Alm-Vieh rund zehn Prozent nur noch mit erheblichem Aufwand versorgt werden.

    Foto: Stephan Jansen
  • Infolge der lang anhaltenden Trockenheit sind die Blätter der Maispflanzen braun und eingerollt. Die Felder sind knochentrocken, da wächst kein Gras mehr. Für die Bauern bedeutet das vor allem: die Ernte wird richtig schlecht, sie müssen an die Ersparnisse gehen oder auf die Hilfe des Staates hoffen.

    Foto: Patrick Pleul
  • Auf einem Feld der Agrargenossenschaft Hellbach wird Raps geerntet. Die Dürre sorgt nach zwei schlechten Erntejahren für ein weiteres Jahr mit Einbußen. Vertreter von Bund und Ländern treffen sich am Dienstag in Berlin, um über die Folgen der Hitze und Dürre für die Bauern zu beraten.

    Foto: Bernd Wüstneck
  • Eine Kuh von Milchbauer Leuchtenberg steht auf der knochentrockenen Weide hinter dem Hof. Die Dürre hat die Landwirte in Nordrhein-Westfalen so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Juli muss das Winterfutter verfüttert werden.

    Foto: Roland Weihrauch
  • Pommes Frites: Die Dürre bedroht auch die Kartoffelernte: Kürzere Pommes aus kleineren Knollen.

    Foto: Ina Fassbender
  • Frühkartoffeln werden auf der Erntemaschiene vorsortiert. Die Frühkartoffel darf sich so nennen, wenn sie bis zum 10. August gerntet wird.

    Foto: Roland Weihrauch
  • Am Ufer des Rheins sind durch die anhaltende Trockenheit Risse entstanden. Seit dem Frühjahr ist der Boden immer weiter ausgetrocknet. Jetzt herrscht landesweit zumindest schwere Dürre. Im Rheinland ist sie gebietsweise sogar extrem. Es müsste schon sehr viel regnen.

    Foto: Martin Gerten
  • Die Blüte einer Sonnenblume in einem Feld im Kyffhäuserkreis. Der Thüringer Landesbauernverband fordert vom Land Thüringen, Dürre- und Liquiditätshilfen für die Bauern zu prüfen.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Das Blatt einer Maispflanze mit Hitzeschäden wird in einem Feld im Kyffhäuserkreis gezeigt. Der Thüringer Landesbauernverband fordert vom Land Thüringen, Dürre- und Liquiditätshilfen für die Bauern zu prüfen.

    Foto: Sebastian Willnow
  • Blick auf den trockenen Boden eines Weizenfeldes. Die trockene Witterung setzt den Landwirten zu. In einigen Regionen drohen Ertragseinbußen.

    Foto: Jörg Carstensen
  • Monika Petersen vom Amt für Stadtgrün gießt im Rosengarten vor allem die Neuanpflanzungen. Bei diesem trockenen Wetter muss zwei mal die Woche gegossen werden. Der Wasserversorger Nordwasser hat auf Anfrage mitgeteilt, dass in Rostock ein Rekordwasserverbrauch registriert wurde.

    Foto: Bernd Wüstneck
  • Landwirt Matthias Böbel von der Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte eG steht auf einer vertrockneten Weide. Im Hintergrund sind grasende Kühe zu sehen. In vielen Teilen Sachsens hat es seit Monaten kaum geregnet. In der Folge fällt bei vielen Landwirten nicht nur die Ernte kleiner aus als sonst. Manchem Bauern fehlt auch Futter für seine Tiere.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Kühe der Erzeugergemeinschaft Agrarprodukte eG stehen auf einer vertrockneten Weide. In vielen Teilen Sachsens hat es seit Monaten kaum geregnet. In der Folge fällt bei vielen Landwirten nicht nur die Ernte kleiner aus als sonst. Manchem Bauern fehlt auch Futter für seine Tiere.

    Foto: Monika Skolimowska
  • Auf einem Feld der Agrargenossenschaft Hellbach wird Raps geerntet. Die Dürre sorgt nach zwei schlechten Erntejahren für ein weiteres Jahr mit Einbußen. Die Bauern müssen nach Angaben des Agrarministeriums mit Ertragsausfällen von 25 bis 50 Prozent rechnen.

    Foto: Bernd Wüstneck
  • Feuerwehrleute löschen ein Getreidefeld, das in Flammen steht. Wegen der Dürre ist die Gefahr von Wald- und Flächenbränden im Norden hoch.

    Foto: Danny Gohlke

Hilfe für bedrohte Betriebe

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wird am Mittwoch den bundesweiten Erntebericht vorstellen. Darin fließen die Ergebnisse aus allen Bundesländern ein. Besonders schlimm ist die Situation in Nord- und Ostdeutschland, wo größere Betriebe schon jetzt am Rand ihrer wirtschaftlichen Existenz stehen. Diese Zahlen fließen wiederum in die Bewertung ein, ob eine „nationale Notlage“ vorliegt. Nur dann kann der Bund nach geltenden EU-Recht den Betrieben flächendeckend Hilfen auszahlen.

„Das Land NRW ist bereit, sich an angemessenen Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Ziel muss es sein, den unmittelbar in ihrer Existenz bedrohten Betrieben zu helfen“, kündigte Ministerin Heinen-Esser an.

NRW-Erntebilanz im Einzelnen

Bei den Getreideerträgen hat Nordrhein-Westfalen laut der offiziellen Erntebilanz des Landesministeriums im Vergleich zu anderen Bundesländern im Osten und Norden Deutschlands verhältnismäßig wenig Verluste im Vergleich zu den Vorjahren zu verzeichnen: Ermittelt wurden Erträge von 79,8 Dezitonnen (dt) pro Hektar bei Winterweizen, 64,1 dt bei Roggen, 69,5 dt bei Wintergerste, 64,2 dt bei Triticale und 56,1 dt bei Hafer. Dies sind ähnlich niedrige Erträge wie in den Vorjahren 2016 und 2017. Auch in den vorangegangenen Jahren waren schlechte Witterungsbedingungen Ursache niedriger Ernten. Je nach Getreideart liegt der Ertrag zwischen drei und zehn Prozent unter dem fünfjährigen Mittel. 

Die Situation ist regional und einzelbetrieblich sehr unterschiedlich. Die Ertragshöhe hängt wesentlich von der Bodenqualität und der Niederschlagsverteilung ab. Die Qualität des Getreides ist überwiegend zufriedenstellend bis gut. Zu beobachten ist, dass die Getreidepreise mit 170 bis 185 Euro pro Tonne bei Brotweizen und 168 bis 190 Euro bei Futterweizen auf einem relativ hohen Niveau liegen.

Wesentlich angespannter ist die Situation in Nordrhein-Westfalen bei Kulturen wie Mais, Raps, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Auch hier sind die Unterschiede in Abhängigkeit von den örtlichen Niederschlagsmengen - und bei Kartoffeln zusätzlich von den Beregnungsmöglichkeiten - enorm.
So kann Mais nur auf den gut entwickelten Feldern als Körnermais geerntet werden, hier werden etwa 70 Dezitonnen pro Hektar erwartet. Ein großer Teil der für die Körnernutzung vorgesehenen Maisflächen kann allerdings nur noch als Silomais geerntet werden, der später als Futtermittel oder Biogassubstrat Verwendung findet. Für Silomais werden mit 330 dt deutlich geringere Erträge als in den Vorjahren erwartet. Teilweise wird von Ertragsrückgängen von bis zu 75 Prozent berichtet.

Während bei den Frühkartoffeln noch eine gute Ernte erzielt werden konnte, werden für die mittelfrühen und späten Kartoffeln deutliche Ertragseinbußen erwartet - ohne zusätzliche Beregnung bis zu 50 Prozent. Dazu kommen Qualitätsprobleme und Schwierigkeiten bei der Ernte aufgrund der ausgetrockneten Böden. Viele Landwirtinnen und Landwirte können vertraglich vereinbarte Liefermengen nicht ernten und müssen mit hohen finanziellen Einbußen rechnen.

Bei Zuckerrüben ist eine sichere Prognose derzeit noch nicht möglich, hier müssen noch die Proberodungen Mitte August abgewartet werden. Jedoch zeichnen sich auch hier bereits erhebliche Unterschiede im Ertrag ab.

Auf den Grünlandflächen konnte aufgrund der niederschlagsreichen Wintermonate noch ein sehr guter erster und größtenteils ein zufriedenstellender zweiter Schnitt geerntet werden. Danach führte die Trockenheit jedoch zu einem weitgehenden Wachstumsstillstand, so dass kaum noch Wiederaustrieb und Zuwachs erfolgte. Auch eine Beweidung ist derzeit nicht mehr möglich. Dies kann, auch in Verbindung mit den Ausfällen bei Mais, zu teilweise extremer Futterknappheit bei der Winterfütterung führen.

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