Brand in JVA Kleve
„Monitor“: Zweifel an offizieller Version zum Häftlingstod

Düsseldorf -

Er saß unschuldig hinter Gittern und starb nach einem Zellenbrand: Nun streiten sich Experten über die Umstände des Brandes im Gefängnis von Kleve, bei dem der Syrer Ahmed A. tödliche Verbrennungen erlitt.

Donnerstag, 06.12.2018, 16:12 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 16:53 Uhr
Der nordrhein-westfälische Landtag beschäftigt sich mit dem Tod eines unrechtmäßig Inhaftierten in der JVA Kleve. Foto: dpa

Die offizielle Darstellung zum Tod des unschuldig inhaftierten Syrers Ahmed A. wird nach Angaben des ARD-Magazins „Monitor“ von Experten in Zweifel gezogen. „Der Brand ist so, wie er von der Staatsanwaltschaft beschrieben wird, nicht möglich“, zitiert das Magazin den Brandexperten Korbinian Pasedag vom Institut für Brand- und Löschforschung in Dippoldiswalde.

Ahmed A. soll den Ermittlungen zufolge trotz des Feuers eine Viertelstunde in seiner Zelle ausgeharrt haben, bevor er die Gegensprechanlage bediente und das Fenster öffnete.

Zweifel an offizieller Version

Der 26-Jährige hätte bereits nach wenigen Minuten durch den Brandrauch handlungsunfähig sein müssen, so der von „Monitor“ beauftragte Brandexperte. Dies sehe auch der Direktor der Rechtsmedizin Frankfurt, Marcel Verhoff, so: „Ich würde eher erwarten, dass die Person dann längst bewusstlos ist“, wird Verhoff zitiert.

Der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Brandgutachter schreibe dagegen, dass es eine Viertelstunde bei geschlossenem Fenster in der Zelle gebrannt habe, „ohne dass sich der syrische Staatsangehörige bemerkbar gemacht habe“.

Das stinkt alles zum Himmel.

Grünen-Rechtsexperte Stefan Engstfeld

Für ihn sei fragwürdig, wieso der Brandsachverständige Angaben zum Motiv des Syrers mache und woher er wissen wolle, dass dieser sich nicht bemerkbar gemacht habe, sagte Grünen-Rechtsexperte Stefan Engstfeld. „Die Widersprüche müssen im Untersuchungsausschuss geklärt werden. Das stinkt alles zum Himmel.“

„Uns hat das kein Mensch berichtet“

„Wir können zu diesen Gutachten nichts sagen, weil wir sie nicht kennen“, sagte Oberstaatsanwalt Günter Neifer am Donnerstag. „Wir werden diese Behauptungen aber mit einfließen lassen in unsere Ermittlungen.“ Der Behauptung, Mitgefangene hätten Schreie aus der brennenden Zelle gehört, werde man ebenfalls nachgehen. „Uns hat das kein Mensch berichtet“, sagte Neifer der dpa.

Der Tod des unschuldig inhaftierten Syrers nach einem Zellenbrand wird von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgearbeitet. Das hat der Landtag bereits beschlossen.

Sachverständiger stellte „suizidale Absicht“ fest

Der hellhäutige 26 Jahre alte Syrer Ahmed A. war mit einem dunkelhäutigen Mann aus Mali verwechselt worden und deshalb ins Gefängnis gekommen. Er hatte mehrere Wochen im Gefängnis in Kleve gesessen und den Zellenbrand laut dem von der Staatsanwaltschaft beauftragten Sachverständigen selbst gelegt - „in suizidaler Absicht“. Er erlitt Verbrennungen und starb Ende September in einer Klinik.

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