Kommunen
Kampf dem Hundekot: Bußgelder und Gratistüten

Stinkender Kot unterm Schuh, eklige Spuren am Fahrradreifen, widerliche Hinterlassenschaften auf dem Spielplatz oder im Park. Hundehaufen verärgern alle. Viele Städte setzten auf Bußgelder und Gratismüllbeutel. Eine pfiffige Idee wurde aber begraben.

Samstag, 12.01.2019, 10:23 Uhr aktualisiert: 12.01.2019, 10:32 Uhr
Hundekot liegt auf einer Grünfläche in der Innenstadt. Foto: Martin Gerten

Dortmund (dpa/lnw) - Eklige Tretminen am Straßenrand, in Parks oder auf Kinderspielplätzen - Kommunen in Nordrhein-Westfalen kämpfen angesichts zahlreicher Bürgerbeschwerden weiter gegen das Ärgernis Hundekot. Einige Städte haben ihre Lage im vergangenen Jahr mit Geldbußen und zusätzlichen Gratis-Kotbeuteln verbessert. So sind in Köln mittlerweile fast 800 Vorrichtungen mit solchen Mülltüten aufgestellt, die meisten davon an Grünflächen, wie ein Sprecher sagte. «Von dem Angebot wird vermehrt Gebrauch gemacht.» Dennoch bleibe die Gefahr, in einen Haufen zu treten.

Münster meldete auf Anfrage, die Verschmutzung mit Hundekot sei zurückgegangen. Das habe mit den Gratistüten zu tun, die gut genutzt würden, sagte Sprecherin Ursula Gähr. 2018 seien mehr als eine Millionen Beutel angeboten worden. Aber auch öffentlicher Druck von Nicht-Hundehaltern zeige wohl Wirkung.

Aus Aachen hieß es: «Seit der letzten Erhöhung der Verwarnungsgelder vor zwei Jahren hat man subjektiv den Eindruck: Die Situation hat sich verbessert.» Seit 2017 würden 55 Euro Verwarnungsgeld verlangt. Alleine 2018 habe man 1,5 Millionen Gratis-Kottüten ausgegeben. «Die Beutel werden auch stark genutzt», betonte eine Sprecherin. Duisburg füllt die rund 100 «Wuffi-Bags» im Stadtgebiet inzwischen mindestens einmal pro Woche auf.

In Düsseldorf stehen gut 300 Beutelspender bereit. Aber: «Auffallend ist, dass zwar viele Hundehalter Kotbeutel mit sich führen, unverständlicherweise diese dann aber nach Benutzung einfach in die Landschaft werfen», beklagte ein Sprecher. Die Lage habe sich «gefühlt» in der Landeshauptstadt weder verbessert noch verschlechtert. Es sei davon auszugehen, dass es ohne die Bußgeld-Androhung deutlich mehr fiese Hinterlassenschaften gäbe.

Das Problem ist allerdings: Die Hundebesitzer müssen beim Geschäft ihres Vierbeiners «in flagranti» erwischt werden. Das komme nicht allzu häufig vor in Düsseldorf, die Zahl der tatsächlich verhängten Bußgelder sei daher gering. Für Köln unterstreicht Lars Hering ähnlich: «Nur wenn uniformierte Ordnungsdienstkräfte zufällig genau in einem solchen Moment auftauchen, kann der Hundeführer dazu angehalten werden, den Haufen ordnungsgemäß zu beseitigen.»

Angesichts dieses Dilemmas war in Leichlingen nahe der Domstadt die Idee einer DNA-Hundekot-Datenbank entwickelt worden. Demnach sollte laut einer Initiative des Lokalpolitikers Franz-Josef Jung von der Bürgerliste über Hundespeichel-Abstriche eine Datenbank aufgebaut werden - und mittels Haufenprobe hätte sich dann der Besitzer überführen lassen. «Im Rat ist das aber leider abgeschmettert worden, weil die grüne Kleinstadt Leichlingen viele Besucher von auswärts mit ihrem Hunden zum Spaziergehen anlockt», erläuterte Jung. Solche «Besuchshunde» wären nicht registriert und würden damit auch nicht von einer Datenbank erfasst.

Auch andere Gemeinden hätten daher einen solchen Ansatz verworfen, bedauerte Jung. «Mit den flächendeckenden Kotbeutelspendern und einem auf 70 Euro erhöhten Bußgeld ist es aber auch so deutlich besser geworden.» In Dortmund werden 50 Euro, in besonderen Bereichen wie Spielplätzen 75 Euro verlangt. Mit Gratisbeutel habe man auch schlechte Erfahrung gemacht - sie seien häufig einfach «ohne weitere Verwendung» aus den Verteilboxen herausgerissen worden.

Ein Hundehalter aus Düsseldorf kritisierte: «Bei einer Hundesteuer von jährlich 96 Euro frage ich mich schon, was mit dem Geld eigentlich passiert.» Tütenautomaten gebe es noch immer deutlich zu wenig. «Und auch sonst wird für die steuerzahlenden Besitzer von Vierbeinern nicht viel geboten.»

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