E-Scooter
Je kleiner die Stadt, desto weniger Probleme

Düsseldorf/Münster -

55 Unfälle mit E-Tretrollern in Köln, 21 in Düsseldorf. Häufig waren die Fahrer der Elektrokleinstfahrzeuge selbst schuld. In Dortmund und Münster gibt es aber deutlich weniger Zwischenfälle.

Mittwoch, 11.09.2019, 06:16 Uhr aktualisiert: 11.09.2019, 09:42 Uhr
Ein junger Mann fährt mit seinem Elektrotretroller. Foto: Laura Ukkonen

Unfälle, Verstöße und ordnungswidriges Abstellen: In Nordrhein-Westfalen machen E-Scooter am meisten in Köln und Düsseldorf Probleme. In der Domstadt zählte die Polizei seit Mitte Juni mindestens 55 Verkehrsunfälle mit E-Tretrollern. 51 davon verursachten die Fahrer der Elektrokleinstfahrzeuge selbst. Bei etwa jedem Dritten war Alkohol im Spiel.

Die Stadt beobachtet nach eigener Aussage die Situation mit den rund 3500 E-Scootern. Gegen Jahresende solle dann zusammen mit den Anbietern über etwaige Änderungen gesprochen werden. «Bis dahin wird es keine Zwischendurch-Änderungen geben», sagte eine Sprecherin der Stadt.

Bereitstellung als Sondernutzung

Verbotszonen, wie etwa um den Dom, gebe es bereits. Einer Antwort der Verwaltung im Kölner Hauptausschuss zufolge sind zudem bestimmte Rückgabe-Zonen im Gespräch. Nur darin sollen Nutzer die Gefährte dann abgegeben können.

E-Tretroller: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko?

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  • StauUbahnSchild

    E-TRETROLLER ALS ALTERNATIVE: Besonders staugeplagte Großstädter sollen mit «E-Scootern» eine neue Mobilitätsmöglichkeit bekommen. Per E-Roller könnte es zum Beispiel schneller von der U- und S-Bahn oder einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit gehen.

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  • UM DIESE FAHRZEUGE GEHT ES: Die Roller, die oft einige hundert Euro oder mehr kosten, dürfen bis zu 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm.

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  • WER E-TRETROLLER FAHREN DARF: E-Roller, die nur weniger als 12 km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen.

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  • WO SIE FAHREN DÜRFEN: Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge, deren Akku nach Branchenangaben an Steckdosen geladen werden können, nicht. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren.

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  • WELCHE SICHERHEITS-ANFORDERUNGEN KOMMEN: Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine «helltönende Glocke».

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  • WIE SIE EINEN ZULASSUNGSFÄHIGEN ROLLER ERKENNEN: Nur Elektrokleinstfahrzeuge, die über eine Lenk- oder Haltestange verfügen, sowie E-Tretroller oder Segways ent­sprechen der Verordnung. Die gilt nur für Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 km/h. Elektrische Fahrzeuge ohne die Haltestange, etwa Hoverboards, Mono­wheels oder E-Skateboards dürfen nicht in den Straßen­verkehr. 

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  • WO GIBT ES DIE NEUEN ROLLER UND WAS KOSTEN SIE? Viele der bisher angebotenen oder verkauften Modelle für 200 bis 2400 Euro erfüllen nicht die Vorgaben und sind nicht im öffentlichen Verkehr zugelassen. Wer damit dort fährt, macht sich strafbar und hat keinen Versicherungsschutz. 

    Modelle wie etwa der Moover von Metz (circa 2000 Euro) und der X2City von Autohersteller BMW (circa 2400 Euro) waren mit Sondergenehmigung schon bisher zugelassen und sind im Fahrradfachhandel zu bekommen. Elektronikmärkte etwa bieten schon straßenzugelassene Modelle zu Preisen zwischen etwa 400 bis 600 Euro an.

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  • DARAUF SOLLTEN SIE VOR DER ERSTEN FAHRT ACHTEN: Bevor Sie sich ins Getümmel des Straßenverkehrs stürzen, raten Experten von ADAC und DVR, sich vorher mit dem neuen Gefährt vertraut zu machen und in ruhiger Umgebung zu üben. Die Kraft des Antriebes beim Anfahren als auch die der Bremsen werden leicht unterschätzt.

    Die Räder sind wesentlich kleiner als bei Fahrrädern. Je größer der Reifendurchmesser, desto sicherer lassen sich Unebenheiten überwinden. Ein Helm ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Doch die Experten raten dazu, nicht ohne einen Kopfschutz zu rollern. 

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  • SO FUNKTIONIERT DIE VERPFLICHTENDE KFZ-HAFTPFLICHTVERSICHERUNG: Die Roller benötigen jährlich ein neues Versicherungskennzeichen – einen Aufkleber. Er ist in den Geschäftsstellen der Versicherungen zu bekommen, lässt sich aber auch online bestellen. Kostenpunkt: circa 40 Euro.

    Benötigt werden die Daten der Fahrzeugpapiere. Den Versicherungsschein muss man beim Fahren nicht dabeihaben.

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  • SO SCHNELL DÜRFEN SIE FAHREN: Die Roller dürfen bauartbedingt nicht schneller als 20 km/h fahren können. Experten raten, das Tempo stets an die je­weilige Situation anzupassen und Rücksicht zu nehmen.

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  • DÜRFEN SIE DEN ROLLER IM ÖFFENTLICHEN NAHVERKEHR MITNEHMEN? Das kommt auf die Situation vor Ort an. Letztendlich ­müssten die Mitgliedsunternehmen und Verbünde entscheiden, ob und in welcher Form sie die Mitnahme gestatten.

    Der VDV hat seinen Mitgliedsunternehmen empfohlen, die Mitnahme von elektrischen Tretrollern in Bussen und Bahnen zuzulassen – unter der Bedingung, dass diese nicht zu schwer sind und im Fahrzeug zusammenklappt werden.

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  • DÜRFEN SIE DIE ROLLER IN ZÜGEN DER DEUTSCHEN BAHN MITNEHMEN? Ja, kostenfrei als Handgepäck. Aber das knüpft die Bahn an Voraussetzungen: Der E-Tretroller muss zusammengeklappt mitgenommen werden und über oder unter dem Sitz verstaut werden. Die Mitnahme von Ersatzakkus ist nicht möglich. Diese stuft die Bahn als Gefahrgut ein.

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  • SO KÖNNEN SIE IHREN ROLLER VOR DIEBSTAHL SCHÜTZEN? Je nach Modell bieten sich Schlösser wie bei Fahrrädern an – ausziehbare Stahlkabel mit Zahlenschloss, Bremsscheibenschlösser mit Stahldraht und Diebstahlsicherungen in O-Form, rät der DVR. Manche Roller lassen sich per App elektronisch sichern und per GPS orten.

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  • ZAHLT DIE HAUSRATSVERSICHERUNG EINEN DIEBSTAHL? Nein, E-Tretroller sind keine Fahrräder, sondern Fahrzeuge. Der GDV geht aber davon aus, dass einige Versicherungen entsprechende Kaskopolicen anbieten werden.

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  • EIN PAAR BIER UND DANN MIT DEM TRETROLLER HEIM - KEIN PROBLEM? Doch, die Promillegrenze liegt für Fahrer ab 21 Jahren bei 0,5 Promille. Wer mit 0,5 bis 1,09 Promille fährt und keine alkoholbedingte Auffälligkeit zeigt, bekommt einen Bußgeldbescheid. Das bedeutet regelmäßig 500 Euro sowie einen Monat Fahrverbot und zwei Punkte in Flensburg. Wer mit mindestens 1,1 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat. Das kann aber auch schon ab 0,3 Promille bei alkoholbedingten Ausfallerscheinungen der Fall sein. Die Null-Promille-Grenze gilt bei jüngeren Fahrern bis einschließlich 20 Jahre.

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  • WELCHE BUßGELDER GELTEN FÜR E-TRETROLLER? Wer ohne Betriebserlaubnis fährt, muss mit einem Bußgeld von 70 Euro rechnen, berichtet der DVR. Wer damit auf dem Gehweg rollert, riskiert zwischen 15 und 30 Euro. Fehlen erforderliche technische Teile wie das Licht, können 20 Euro Bußgeld folgen. Wer ohne den nötigen Aufkleber der Ver­sicherung unterwegs ist, muss mit 40 Euro rechnen.

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  • WAS SCHEUER NOCH PLANT: Die Bundesregierung bereitet auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant Minister Scheuer eine Ausnahmeverordnung. An den Details dazu wird derzeit noch gearbeitet.

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Anders will Düsseldorf mit den rund 1300 E-Scootern in der Stadt umgehen. Ab dem zweiten Halbjahr soll die Bereitstellung von E-Scootern als Sondernutzung eingestuft werden, wie aus einer Anfrage im Ordnungs- und Verkehrsausschuss der Stadt hervorgeht.

Zwei Unfälle in Münster

Für die Anbieter hieße das: Sie müssen einen Antrag auf Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis stellen. Zum Beispiel werde dann das Fahren auf Friedhöfen, in Fußgängerzonen und auf Spielplätzen explizit untersagt.

Bislang seien der Polizei 21 Verkehrsunfälle in der Landeshauptstadt bekannt, erklärte ein Sprecher. Dabei hätten sich drei Menschen schwer verletzt. Damit verzeichnete die Polizei deutlich weniger Zwischenfälle.

Je kleiner die Stadt desto weniger Probleme scheint es mit E-Scootern zu geben: In Dortmund sind der Polizei nach eigenen Angaben gerade einmal zwei Unfälle bekannt. In der Herne gab es laut Polizei einen Zusammenstoß zwischen einem E-Tretrollerfahrer und einem Radler. Ein ähnliches Bild zeichnet auch die Polizei in Münster: Bislang zwei Unfälle mit E-Scootern wurden registriert. 

 

So werden die grünen E-Scooter nachts aufgeladen

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  • Seit Juni sind die E-Scooter auf Münsters Straßen unterwegs. Jede Nacht werden sie von einem Logistikunternehmen eingesammelt und aufgeladen.

    Seit Juni sind die E-Scooter auf Münsters Straßen unterwegs. Jede Nacht werden sie von einem Logistikunternehmen eingesammelt und aufgeladen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Der Schichtmanager teilt die Fahrer auf ihren Bezirk ein bis es dann um 23 Uhr los geht.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Um die E-Scooter nach Geschäftsende zu entsperren, scannt der Fahrer den QR-Code des Rollers mit seinem Smartphone.

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  • Kein leichtes Unterfangen: rund 20 Kilogramm wiegt ein E-Scooter.

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  • Er kümmert sich darum, dass alles glatt läuft: Der City-Manager für Münster, Johannes Junge-Wentrup.

    Foto: Wilfried Gerharz

 

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