Sprachassistenten
Auch Siri und Alexa müssen lernen

Münster -

Licht einschalten, Nachrichten versenden, Fernsehprogramm ändern: Sprachassistenten bieten viele Möglichkeiten. Damit sie Aufgaben erledigen können, müssen sie allerdings viel lernen.

Montag, 08.04.2019, 07:30 Uhr
Damit die Kommunikation mit Siri funktioniert, muss der Computer auf Sprache reagieren und selbst Sprache ausgeben können. Foto: dpa

Ob Apples Siri, Amazons Alexa oder Googles Assistant: Aus dem Alltag vieler Menschen sind sprachgesteuerte Computer kaum wegzudenken. Oft schon kleiner als eine Getränkedose, können sie das Licht ein- oder den Fernseher ausschalten. Damit ein Assistent das kann, muss er Sprache verarbeiten können, sagt Prof. Dr. Jürgen te Vrugt von der Fachhochschule Münster .

Laut te Vrugt kommt es dabei auf Spracherkennung und -synthese an. Bei der Spracherkennung wird gesprochene in geschriebene Sprache umgewandelt, Sprachsynthese funktioniert umgekehrt. Siri und Co. müssen beides beherrschen, sagt te Vrugt: „Sie reagieren auf Sprache und geben auch Sprache aus.“

Assistenten brauchen Hintergrundwissen

Doch nur die Sprachverarbeitung macht noch keinen brauchbaren Assistenten. Denn anders als ein Mensch ist eine Maschine laut te Vrugt „erst einmal nicht dazu in der Lage, zu verstehen“. Einen Satz wie „Schalte nebenan das Licht aus“ könne das System nicht so interpretieren wie ein Mensch, da der Satz kontextabhängig ist.

Damit Sprachassistenten Aufgaben lösen können, müssen sie auf Hintergrundwissen, das zum Beispiel in Datenbanken gespeichert werden kann, zugreifen und mit Geräten wie der Lampe verbunden sein. Je komplexer eine Aufgabe wird, desto mehr Wissen braucht das System, um diese zu bewältigen.

Man versucht, Maschinen aus Erfahrung lernen zu lassen.

Jürgen te Vrugt

Und das System muss das Wissen auch anwenden können. Damit der Sprachassistent eine Bahnreise buchen kann, muss er wissen, dass er nach Start- und Zielort, Datum und Uhrzeit fragen muss. Dieses Wissen muss den Assistenten derzeit manuell angeeignet werden.

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Der Lautsprecher Echo von Alexa kann viele Aufgaben erledigen. Foto: dpa

„Man versucht, Maschinen aus Erfahrung lernen zu lassen“, sagt te Vrugt. In der Spracherkennung werde dies bereits intensiv eingesetzt, im Sprachverstehen sei es bisher aber nur eingeschränkt möglich.

"Command and Control"

Deutlich leichter sind einfache Befehle wie „Schalte das Licht ein“. „Command and Control“ („Anweisung und Steuerung“) nennt sich dieser Vorgang. Möglich ist auch, dass Sprachassistenten auch auf unterschiedliche Formulierungen eines Befehls reagieren. Das ist aber nur möglich, weil einfache Befehle kaum Interpretationsspielraum lassen.

Denn dabei stoßen die Systeme an ihre Grenzen. Ob Mensch oder Maschine, sagt te Vrugt: „Sprache wird immer interpretiert.“ Menschen nutzen jedoch auch Gestik und Mimik, um einen Satz zu verstehen. Erforscht werde das auch für Maschinen: „Der praktische Einsatz wird jedoch noch einige Zeit benötigen.“ Ein Bordcomputer wie bei „Star Trek“, der alles verstehe, davon sei man noch weit entfernt.

Viele Chancen - und auch Risiken

Auch fernab der eigenen Wohnung bietet Sprachsteuerung laut te Vrugt viele Möglichkeiten, insbesondere im Auto. Das Navigationsgerät aktivieren oder einen Kontakt anrufen – und das per Sprachbefehl – entlastet Fahrer und ist laut te Vrugt heute schon Realität. Auch die Verbreitung sogenannter „Chat Bots“ nimmt zu. Sie realisieren eine Unterhaltung mit geschriebener Sprache. Auf vielen Websites taucht ein Chat-Fenster auf, in dem Nutzern Hilfe angeboten wird. „Einen Teil der Probleme können Computer lösen“, sagt te Vrugt.

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Wie so häufig bietet die Technologie Chancen und Risiken: „Es ist schon stereotyp zu sagen, es ist eine gute oder eine schlechte Technik.“ So kann zum Beispiel Sprachtechnologie den Alltag erleichtern, aber auch zur Überwachung eingesetzt werden.

Seit den ersten Schritten bleibt das Thema spannend und erlebt derzeit einen Höhepunkt.

Jürgen te Vrugt

Weltweit spielen Sprachtechnologien aktuell ein große Rolle. Dabei ist das Thema gar nicht neu. Apple-CEO John Sculley hat 1987 mit dem „Knowledge Navigator“ die Zukunft von Siri und Co. aufgezeigt. „Seit den ersten Schritten bleibt das Thema spannend und erlebt derzeit einen Höhepunkt“, sagt te Vrugt.

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