Fußball: DJK BW Greven
Einfach nur Fußball

Greven -

Bei der DJK wird der Frauenfußball wiederbelebt. Das neue Team blickt bereits auf einige Erfolge zurück.

Montag, 24.09.2018, 12:52 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 21.09.2018, 18:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 24.09.2018, 12:52 Uhr
Mit viel Spaß bei der Sache sind die Fußballerinnen der DJk. Auch Trainer Andreas Brünker (kl. Foto) freut sich über das Engagement seiner jungen Truppe. Foto: Stefan Bamberg

Einfach kann ja jeder. Gewiss, sie hätten auch den leichten Weg gehen und in der U17-Konkurrenz antreten können – weil einige Spielerinnen dafür jedoch zu alt sind, freilich ohne Wertung: „Das wollte echt niemand“, sagt Trainer Andreas Brünker . Weil: Außer Konkurrenz bockt nicht. Jetzt spielen die jungen Fußballerinnen der DJK Greven also bei den „Großen“ mit, in der Kreisliga B – und Brünker muss sich manchmal selber dran erinnern: „Neulich nach einem Auswärtsspiel kamen die Gegnerinnen mit einer Kiste Pils an – bei uns ging’s darum, dass morgen früh in der ersten Stunde Kunst ist.“

Wobei ein Bierchen womöglich drin gesessen hätte, denn: Fahren musste eh fast niemand – die meisten Spielerinnen haben nämlich noch keinen Führerschein. An diesem Sonntagnachmittag gegen Münster 08 II aber trotzdem stets den Fuß auf dem Gaspedal: Kapitänin Lizzy Suntrop wetzt nach zehn Minuten in den Strafraum, guckt, schießt – 1:0! „Klasse! Das war mal mit Köpfchen!“, jubelt Brünker an der Seitenlinie. Zuvor hatte der Vorturner noch allerlei zu meckern gehabt – willkommener Anlass für Suntrop, dem Herrn Übungsleiter einen derart frechen Blick zuzuwerfen, dass man schon jetzt nur noch Spaß an diesem Match haben kann.

Und gleich das nächste Anekdötchen für zwischendurch: Auch beim Damenfußball ruft frau „Hintermann!“ – hier allerdings zu spät, Ball-Klau, Birte Schultze-Ueberhorst startet auf der rechten Seite, direkter Pass ins Zentrum, wo Amelie Sommer das Ding reinhaut – zwonull!

Sommer, die Mittelstürmerin, ist eine der Neuzugänge. Inzwischen hat Brünker einen 20er-Kader am Start – eine positive Entwicklung, die anfangs nicht zwingend abzusehen war: Denn Frauenfußball im Münsterland – das ist fürwahr kein Selbstläufer. Die jüngste Kooperation mit dem VfL Ladbergen, sie scheiterte nach kaum zwei Jahren. Die größten Talente werden oft schneller abgeworben als die kleineren Vereine gucken können. In der Emsaue sind sie gleichwohl optimistisch, dass dieses Experiment Potenzial hat: „Die Mädchen haben es sich schließlich genau so gewünscht“, weiß der Coach.

Viele von ihnen zocken seit der U11 zusammen, viele von ihnen schon immer unter Brünker. Der entdeckte den Frauenfußball so richtig für sich, als seine Tochter damit anfing – und da wurde Papa Trainer. Seine Beobachtung nach all den Jahren: „Männer leben Fußball – Frauen machen Fußball.“ Was meint der Mann damit? „Na ja, die Jungs verfolgen Bundesliga, Länderspiele, die wissen sogar, wer wie jubelt – wenn ich die Mädchen beim Training frage, wer gestern Champions League geguckt hat, melden sich vielleicht zwei.“

Doch wenn er’s sich recht überlegt, gefällt ihm genau das: 90 Minuten ohne herzzerreißende Theatralik nach jeder Schiri-Entscheidung, ohne oscarreife Hahnenkämpfe und ohne blökende Väter, die in ihrem Kevin den kommenden Ronaldo sehen – einfach nur Fußball!

Greven gewinnt am Ende übrigens 8:2 und steht damit auf Tabellenplatz sechs – hätte schlechter anfangen können, schmunzelt Brünker: „Ganz ehrlich, wir wussten nicht, wie es werden würde.“ Jetzt haben sie gesehen, dass sie mithalten können – meistens zumindest: „Wir werden in dieser Saison bestimmt auch mal richtig die Hucke voll kriegen.“ Heute aber nicht.

Die Spielerinnen packen ihre Sachen zusammen, das Team verabschiedet sich einzeln von jedem Zuschauer. Und Brünker ist längst allein auf dem Rasen – nach einem Tag, der irgendwie ein bisschen anders war: Einfach nur Fußball – das tat gut.

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