Fußball: 2. Bundesliga
Interview mit VfL-Sportdirektor Schmedes: „Aogo für uns zu keiner Zeit realistisch“

Osnabrück -

Wie bewertet er die bisherigen Transfers? Hätte er gerne noch weitere Spieler verpflichtet? Und wird schon bald der Vertrag mit Trainer Daniel Thioune verlängert? Ein Interview mit Benjamin Schmedes, Sportdirektor des VfL Osnabrück.

Donnerstag, 05.09.2019, 00:00 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 18:20 Uhr
Benjamin Schmedes, Sportdirektor des VfL Osnabrück

Benjamin Schmedes , Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten VfL Osnabrück , liefert im Gespräch mit den Sportredakteuren Stefan Alberti und Johannes Kapitza nicht nur auf diese Fragen Antworten.

Herr Schmedes, Sie wollten sich auf dem Transfermarkt lieber eine Patrone für ein Wildschwein aufheben, als vorschnell einen Hasen zu erlegen. Wie sind Sie mit der Ausbeute der Transferperiode zufrieden?

Benjamin Schmedes: Wir sind mit dem Ziel in die Sommertransferperiode gegangen, uns qualitativ zu verbessern, ohne unsere gewachsene Mannschaftsstruktur und Leistungskultur in der Kabine zu gefährden. Das ist uns gut gelungen. Wir haben zehn Neuzugänge geholt, wovon viele bereits regelmäßig auf dem Platz gestanden und ihre Qualität nachgewiesen haben. Und ein paar unserer neuen Jungs wie Bryan Henning, Niklas Schmidt oder Kevin Friesenbichler haben sich aus unterschiedlichen Gründen noch gar nicht richtig zeigen können. Ich bin daher sehr zufrieden.

Hatten Sie denn noch ein Wildschwein im Visier?

Schmedes: Bis Montag um kurz vor 18 Uhr waren die Antennen vollständig auf Empfang. Wir haben noch einige potenzielle Spieler diskutiert, und ob eine Verpflichtung Sinn macht. Aber es geht nicht darum, einen Jagdtrieb zu befriedigen, sondern abzuwägen, wo man akut Bedarf hat oder sich qualitativ erheblich verbessern kann. Für uns waren keine erschwinglichen Zugänge auf dem Markt, die uns qualitativ so sehr weitergebracht hätten, dass wir hätten handeln müssen.

Spieler wie Martin Harnik und Dennis Aogo, die in die 2. Bundesliga gewechselt sind,…

Schmedes: …bewegen sich in völlig anderen Sphären. Das war zu keiner Zeit realistisch für uns.

Trainer Daniel Thioune hatte sich nach dem Trainingslager noch vier Spieler gewünscht. Mit Joost van Aken ist nur ein Spieler gekommen…

Schmedes: …aber da muss man differenzieren: Es ging weniger um vier zusätzliche Spieler, sondern vielmehr um Spielerprofile und Qualitäten. Wir haben meines Erachtens gut daran getan, dem Kader erst einmal Zeit zu geben, sich zu setzen. Etienne Amenyido bringt zum Beispiel viel Tempo mit und ist in seiner Zeit bei uns erheblich schneller gewachsen, als man es hätte erwarten können. Oder nehmen wir Marc Heider, der aktuell viele Erwartungen in der Sturmspitze erfüllt. Manchmal ist es sinnvoll, den Kader nicht weiter zu vergrößern und ihn damit vielleicht zu verschlimmbessern, sondern die Dinge erst mal so wachsen zu lassen, wie sie sind.

Nach dem Saisonstart sehen Sie sich bestätigt?

Schmedes: Es geht nicht um Bestätigung. Beim Blick auf unseren Kader wurde vor einigen Monaten noch öffentlich die Zweitligatauglichkeit einiger Spieler angezweifelt und auf mangelnde Zweitligaerfahrung verwiesen. Wir haben uns in den ersten fünf Spielen als wettbewerbsfähig herausgestellt.

Die Verträge von Leistungsträgern wie Blacha, Taffertshofer, Álvarez, Ouahim und Ajdini laufen aus. Hinzu kommen Potenzialspieler wie Agu und Klaas, die bei anderen Klubs auf der Liste stehen…

Schmedes: …und das nicht erst seit dem Start der Zweitligasaison. Auch in der 3. Liga haben sich diese Spieler bereits einen Namen gemacht, wenn auch auf einer kleineren Bühne. Die Leistungen haben mich sehr früh auf den Plan gerufen, aber es ist kein Selbstgänger, ambitionierte Spieler langfristig zu binden. Wir sind strukturell nach wie vor im Hintertreffen. Auch bei unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten sind wir im unteren Bereich der Liga angesiedelt. Aber es hilft nicht, uns selbst zu bedauern. Unser Ziel ist, dass viele dieser Spieler weiter für den VfL Fußball spielen.

Sie haben in der abgelaufenen Transferperiode keinen Spieler abgeben müssen. Gab es Angebote?

Schmedes: Wir haben es frühzeitig geschafft für Klarheit zu sorgen, sodass es gar nicht zu konkreten Angeboten gekommen ist. Ich habe bei den ersten Anfragen unsere Position sehr klar gemacht, dass wir in keine Verhandlungen einsteigen wollen. Wir haben darüber offen mit den betroffenen Jungs gesprochen, aber ich musste keinen in die Zwangsjacke stecken und anketten, um hier zu bleiben.

Nicht nur Spielerverträge laufen im Sommer 2020 aus, sondern auch der Vertrag von Trainer Daniel Thioune – eine Schlüsselposition, auf der man doch am liebsten so früh wie möglich Klarheit hat?

Schmedes: Ich habe zu jeder Zeit betont, dass ich Daniel für einen sehr guten Trainer halte. Mein Ziel ist es, möglichst langfristig mit ihm zusammenzuarbeiten, aber ich sitze nicht an einem Schaltpult, wo ich nur auf einen Knopf drücken muss, um mit dem Trainer zu verlängern. Es geht um Vertragsinhalte, aber auch um die Entwicklungen im Klub. Unsere Gespräche laufen gut, sind aber auch ein ganz offener Diskurs, bei dem wir uns immer in die Augen schauen können. Wann und wie die Gespräche enden, kann ich noch nicht sagen.

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