Fußball: Trainerlehrgang
Bis der Schädel raucht – Tobias Tumbrink büffelt für DFB-Elite-Jugend-Lizenz

Lüdinghausen -

Tobias Tumbrink ist ein vielbeschäftigter Mann. Der 30-jährige hat einen Beruf, Frau, Kind – und das Traineramt bei Bezirksligist Union Lüdinghausen inne. Als wäre das alles nicht genug, stellt sich der Selmer einer zusätzlichen Herausforderung.

Dienstag, 15.10.2019, 19:00 Uhr
Bei Union-Heimspielen muss sich Tobias Tumbrink manches Mal den Kopf zerbrechen. Noch stärker ist er in Kaiserau geistig gefordert. Foto: flo

Dass Tobias Tumbrink die Schulbank gedrückt hat, ist schon ein Weilchen her. Und doch muss sich der Coach des SC Union Lüdinghausen in der vergangenen Woche wie ein Pennäler vorgekommen sein. Rüffel an der (Taktik-)Tafel von „Oberlehrer“ Ralf Peter inklusive. Der Jugend-Bundestrainer und Lehrgangsleiter in Kaiserau hatte moniert, dass Tumbrink sich bei der Spielanalyse auf fünf, sechs Magnet-Figürchen beschränkt, dabei aber den „Rechtsverteidiger“ außer Acht gelassen hatte. Nein, geschenkt bekommt man vom Verband wahrlich nichts, wenn man die DFB-Elite-Jugend-Lizenz erwerben will. Es sind schließlich verantwortungsvolle Posten, die nach Bestehen der Prüfung winken – zum Beispiel in einem der Erstliga-Nachwuchsleistungszentren.

Ob sich Tumbrink, Mitglied des Rekordmeisters, zum Beispiel einen Job auf dem 100-Millionen-Euro-Bayern-Campus vorstellen könne? Oder später, falls er den A-Schein draufsattelt, das Traineramt bei einem Regionalligisten? „Eher nicht. Ich habe ja Beruf und Familie.“ Zwar könne er sich bei der Polizei für eine Weile freistellen lassen, das hätten bereits andere Beamte vor ihm getan. Aber Tumbrink weiß natürlich, dass Trainerstühle im Bezahlfußball immer auch Schleudersitze sind. „Komplett ausschließen mag ich nicht, irgendwann mal in diesen Regionen tätig zu sein. Aber ich lege es sicher nicht darauf an.“

Ex-Profis in Kaiserau

Bei vielen Mitlernenden sei das anders. Mike Terranova etwa, mit dem Tumbrink gemeinsam die B-Lizenz erlangte und der inzwischen den Viertligisten RW Oberhausen coacht, habe schon damals nichts anderes im Sinn gehabt. Gleiches dürfte für David Ulm, mit dem der Lüdinghauser jetzt in Kaiserau das Zimmer geteilt hat, und Sebastian Hille gelten. Beide waren Profis bei Arminia Bielefeld, beide würden ihre Brötchen vermutlich weiter gern in der Branche verdienen.

Tumbrink reicht es, zumindest für den Moment, möglichst viel Wissen aufzusaugen. In Kaiserau kein Problem. Morgens um 8.30 Uhr ging es los, „mit der letzten Gruppenarbeit waren wir nachts um 1.30 Uhr fertig“. Büffeln, bis der Schädel raucht. „Detail-Coaching“ nennen sie in der Sportschule, was die Anwärter geistig enorm fordert. Drei Wochen dauert der Intensivkurs, die Teile zwei und drei stehen im November an. Mitfinanziert hat den Lehrgang Tumbrinks Verein. Der Selmer ist dafür sehr dankbar, will den Unionisten aber auch bisschen was zurückgeben: „Angedacht ist, dass sich freitags unser Assistenzcoach Benedikt Vester um die erste Mannschaft kümmert, während ich die Lüdinghauser Jugendtrainer schule.“

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